Chinesisches Neujahr am Montag Liuyang: Hauptstadt des Feuerwerks

Liuyang. Die Bewohner von Liuyang sind das ohrenbetäubende Geknalle den ganzen Tag über gewöhnt. Doch so richtig laut wird es, wenn es dunkel wird.
05.02.2016, 00:00
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Liuyang: Hauptstadt des Feuerwerks
Von Felix Lee

Die Bewohner von Liuyang sind das ohrenbetäubende Geknalle den ganzen Tag über gewöhnt. Doch so richtig laut wird es, wenn es dunkel wird. Dann zischt und heult es aus allen Ecken und zusätzlich zu den explodierenden Böllern zerplatzen ebenfalls mit lauten Knallen am abendlichen Himmel bunte Feuerwerkskörper.

Doch die Menschen in Liuyang knallen keineswegs nur zum chinesischen Neujahrsfest, das ab Sonntag in der Volksrepublik begangen wird. In der Anderthalbmillionenstadt in der südostchinesischen Provinz Hunan geht es das ganze Jahr über so ab. Geböllert wird, um Kunden und Pyrotechnikern aus aller Welt die aktuellen Produkte anzupreisen. Denn Liuyang ist die Hauptstadt des Feuerwerks.

Mehr als die Hälfte der weltweit verkauften China-Böller, Heuler und Feuerwerksraketen werden in Liuyang hergestellt. Offiziellen Angaben zufolge arbeitet fast ein Drittel der Stadt in den über zehntausend Fabriken, die ausschließlich Feuerwerk für den Weltmarkt herstellen.

Chen Xin ist einer dieser Feuerwerks-Fabrikanten. Zum Jahresende 2015 sei für das Silvestergeschäft in Europa auf Hochtouren gearbeitet worden, berichtet er. Doch das ganz große Geschäft finde derzeit statt: zum chinesischen Neujahrsfest. Es beginnt am 8. Februar. Mehr als 200.000 Tonnen hätten die Chinesen vergangenes Jahr zur Begrüßung ihres neuen Jahres an Feuerwerkskörpern in die Luft geschossen, berichtet Fabrikant Chen. „Das Europa-Geschäft ist nicht einmal halb so groß.“

Die Feuerwerksindustrie hat in Liuyang eine lange Tradition. Der Legende nach soll in der Song-Dynastie vor mehr als 1400 Jahren ein Mönch erstmals mit Schwarzpulver experimentiert und den Bewohnern von Liuyang eine bunte Lichtshow am Nachthimmel vorgeführt haben. Alte Bildrollen bezeugen, dass die Herstellung von Feuerwerk in Liuyang bis spätestens zum 17. Jahrhundert zu einer Großindustrie herangewachsen war. Darauf sind Arbeiter zu erkennen, die Schwarzpulver in kleine Papierröhrchen füllen. Diese Rollen sind heute noch im Stadtmuseum zu besichtigen.

Export auch in die USA und nach Europa

Ab 1875 begann die Stadt, ihre hochexplosive Ware auch ins Ausland zu exportieren, zunächst nach Japan, Korea, Indien, Persien und Russland, später auch in die USA und nach Europa. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kennen die Europäer überhaupt erst China-Böller und Feuerwerksraketen. In Europa hat sich seitdem die Tradition durchgesetzt, vor allem in der Silvesternacht zu knallen.

In den USA wird zum Nationalfeiertag am 4. Juni der Nachthimmel mit dem Schwarzpulvergemisch erleuchtet. In China wird rund um das chinesische Neujahrs- und Frühjahrsfest im Februar geböllert – und das bis zu vier Wochen lang. Auch die Vorlieben unterscheiden sich. Während Amerikaner und Europäer vor allem die bunten und hell erleuchteten Raketen mögen, finden in China ausschließlich Knallkörper reißenden Absatz. Je lauter, desto besser. Denn die Chinesen glauben, dass sie mit dem Lärm die bösen Geister vertreiben. Das zeigt sich auch in den Lagerstätten. Für den deutschen Markt etwa sind vor allem kleine Raketen und Handfeuerwerk sauber in Plastik eingepackt.

Derzeit durchläuft die Branche allerdings eine Krise. Seitdem der gefährliche Smog in weiten Teilen Chinas offiziell als Problem anerkannt wird, haben zahlreiche Städte zu den Neujahrsfeierlichkeiten die Verwendung von Feuerwerk eingeschränkt. Die Hauptstadt Peking hat das private Böllern in diesem Jahr auf einen Tag beschränkt. Üblich sind in China fast zwei Wochen. „Die Nachfrage ist für dieses Jahr deutlich zurückgegangen“, beklagt sich Chen.

Überschattet wird das Geschäft zusätzlich von der schweren Explosionskatastrophe im August in der chinesischen Hafenmetropole Tianjin. Ein Chemielager hatte Feuer gefangen und war in die Luft gegangen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren nicht eingehalten worden. 170 Menschen kamen ums Leben.

Auch in Liuyang war es in den vergangenen Jahres immer wieder zu zum Teil schweren Explosionen in den Feuerwerksfabriken gekommen. Dort hatten die örtlichen Behörden bereits in den 1990er Jahren wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen mehrere Tausend Fabriken schließen lassen. „Seitdem wurden die Sicherheitsstandards massiv erhöht“, versichert Chen. Trotzdem explodierte erst vergangenes Jahr erneut eine Fabrik, es gab 12 Tote und 33 Verletzte.

Doch auch steigende Löhne setzen der Branche in der Feuerwerkshauptstadt zu. Einige Unternehmer haben ihre Fabriken bereits nach Bangladesh und Vietnam ausgelagert. Auch Chen spielt für sein Unternehmen mit solchen Überlegungen. „Wir sind im Gespräch mit Brasilien.“

Chinesisches Neujahrsfest in Bremen

Auch in Bremen wird das chinesische Neujahrsfest gefeiert. Das Konfuzius-Institut und das Übersee-Museum laden für Sonnabend, 6. Februar, von 13 bis 18 Uhr ins Museum am Bahnhofsplatz 13 ein, samt Löwentanz und Feuerwerk. Das Jahr des Affen wird begrüßt. Familienkarten kosten 13,50 Euro, einzelne 6,50 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder.

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