Corona-Pandemie Ludwigslust-Parchim: Warum das RKI die Corona-Inzidenz 0 meldet

Während die Corona-Zahlen derzeit wieder stark ansteigen, hat nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ein Landkreis noch immer eine Inzidenz von null: Ludwigslust-Parchim. Wie kann das sein?
18.11.2021, 08:13
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Ludwigslust-Parchim: Warum das RKI die Corona-Inzidenz 0 meldet
Von Fabian Dombrowski

Die Deutschlandkarte des Robert-Koch-Instituts, die die aktuellen Corona-Inzidenzen anzeigt, ist derzeit wieder in den Farben gefärbt, die nichts Gutes verheißen. Überall im Bundesgebiet steigen die Corona-Infektionszahlen und Inzidenzen rasant an. Nur ein Landkreis in Deutschland fällt aus der Reihe – und springt damit beim Blick aufs RKI-Dashboard ins Auge: In Ludwigslust-Parchim, östlich von Hamburg, sollen 0,0 Corona-Fälle in den letzten sieben Tagen aufgetreten sein. Der Grund dafür sind aber nicht besonders strenge Hygiene-Maßnahmen oder eine vollständig geimpfte Bevölkerung.

Aufgrund eines Hacker-Angriffs von Mitte Oktober auf den kommunalen IT-Dienstleister können nicht alle Corona-Werte an das Robert-Koch-Institut weitergegeben werden. Das teilt der Landkreis auf seiner Homepage mit. Dort findet sich auch die aktuelle Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage. Da das RKI jedoch nur eine automatische Meldung akzeptiert, bleibt der Landkreis nach wie vor ohne neue Corona-Zahlen.

Auf der Homepage heißt es schließlich weiter: "In Folge eines Cyberangriffs am 15. Oktober beim kommunalen IT-Dienstleister KSM/SIS waren alle Systeme vorsorglich heruntergefahren worden. Weiterhin arbeiten IT-Experten mit Hochdruck an der Behebung des Ausfalls."  

Die Mitarbeiter zogen also bildlich gesprochen den Stecker, bevor sich das Problem weiter ausbreitet. Von dieser Notmaßnahme waren im Landkreis folglich auch die Meldesysteme für die Corona-Daten betroffen.

Bei dem Cyberangriff im Oktober waren Server der Schweriner IT- und Servicegesellschaft (SIS) und des Kommunalservice Mecklenburg (KSM) durch eine Software teilweise verschlüsselt worden, daraufhin wurden alle Systeme zur Sicherheit heruntergefahren. Dies legte den Großteil der Bürgerservices in der Landeshauptstadt Schwerin und dem angrenzenden Landkreis Ludwigslust-Parchim lahm.

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Doch wieso ist Schwerin verschont geblieben? „Anders als die Landeshauptstadt Schwerin hat das Gesundheitsamt des Landkreises mit der Software Sormas gearbeitet“, heißt es dazu aus der Landkreis-Verwaltung. Die Landeshauptstadt setze hingegen auf das Programm SurvNet, das auch vom RKI genutzt wird. Die Stadt Schwerin hatte also Glück im Unglück.

Wie eine Kreissprecherin erläuterte, wird normalerweise eine Schnittstelle genutzt, um Daten zwischen den beiden genannten Programmen auszutauschen. An dieser werde gearbeitet, funktionsbereit sei sie jedoch aktuell nicht. Auch eine direkte Übertragung der mehr als 8000 Datensätze von Sormas in SurvNet sei nicht möglich, hier könne es nach Angaben des Softwareanbieters zu Dopplungen der Falldaten kommen. Statt die Aussagekraft der Datenbank aufs Spiel zu setzen, wandern also erst einmal keine Daten an das Bundesinstitut.

Seit über einem Monat sind Experten seitdem damit beschäftigt, alle Systeme und die zugehörigen Rechner im Landkreis und in der Landeshauptstadt Stück für Stück einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und erst danach wieder in Betrieb zu nehmen. Das kann auch noch weitere Wochen andauern.

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