Gewerkschaftsbund fordert in Verden mehr Mitbestimmung für Arbeitnehmer

Maikundgebung mit Spaß an Politik

Auch die sinkende Beteiligung an den Veranstaltungen zum 1. Mai war Thema. Etwa 80 bis 100 Menschen hatten sich für die Kundgebung am Mittwoch auf dem Domplatz versammelt.
02.05.2013, 05:00
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Maikundgebung mit Spaß an Politik
Von Anna Zacharias
Maikundgebung mit Spaß an Politik

Die sechsjährige Lisa hatte ihren Spaß bei der Maikundgebung am Domplatz. Bei der Rede ihres Vaters Boris Krahn vom Bezirksvorstand der Gewerkschaft NGG hörte sie mit den 80 bis 100 Anwesenden dann aufmerksam zu. Krahn forderte unter anderem die Bekämpfung des Niedriglohnsektors und mehr Rechte für Betriebs- und Personalräte. Bürgermeister Lutz Brockmann sagte in Bezug auf Steuerhinterziehung, es mache ihn sprachlos, wenn Superreiche ihren Anteil an einer intakten Gesellschaft nicht leisteten.

Zacharias

Auch die sinkende Beteiligung an den Veranstaltungen zum 1. Mai war Thema. Etwa 80 bis 100 Menschen hatten sich für die Kundgebung am Mittwoch auf dem Domplatz versammelt.

Verden. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, das Wegbröckeln des Mittelstandes, die Rente und eine Erinnerung an den 2. Mai 1933 standen im Mittelpunkt der Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum Tag der Arbeit am Mittwochvormittag auf dem Verdener Domplatz. Als Hauptredner trat Boris Krahn vom Bezirksvorstand der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) auf die Bühne.

"Mitbestimmung ist gelebte Demokratie", sagte Krahn. Er forderte im Hinblick auf Leiharbeit und Werksverträge mehr Rechte für Betriebs- und Personalräte. Außerdem müsse die Gesundheit am Arbeitsplatz im Vordergrund stehen, denn zunehmender Druck und Stress führten zu psychischen Erkrankungen. Mini-Jobs sollten von Anfang an sozialversicherungspflichtig sein.Der DGB-Kreisvorsitzende aus Verden, Dietmar Teubert, erinnerte in seiner Rede an die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten vor 80 Jahren und sprach sich in diesem Zusammenhang für ein NPD-Verbot aus.

"Ich hoffe, dass wir in dieser Republik noch so stark sind, dass das nicht wieder passieren kann", sagte er. Für die Region Verden wünsche er sich, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt als Standort dauerhaft erhalten bleibt. Auch die Entwicklungen in Bezug auf die Insolvenz der Mercedes-Schulz AG beobachte er mit Sorge.

Zu der sinkenden Beteiligung an den Kundgebungen zum 1. Mai sagte Teubert: "Viele jüngere Menschen wissen gar nicht mehr, was der 1. Mai eigentlich bedeutet, dass er der Feiertag für Arbeitnehmer ist. Das ist sehr bedauerlich."

Reinhard Witt war an diesem sonnigen Mittwoch wie in jedem Jahr bei der Veranstaltung dabei, die wegen der Baustelle auf dem Rathausplatz dieses Mal auf den Domplatz verlegt wurde. "Mit unserer geringen Arbeitslosenquote hier in Verden meckern wir zwar auf hohem Niveau, aber das Engagement für die Gewerkschaft ist trotzdem wichtig", sagt der 62-Jährige.

Auch Ralf Kuhn ist seit 1991 jedes Jahr mit dabei. "Viele Leute sehen nur den eigenen Spaßfaktor. Das Interesse an Politik ist heute leider bei vielen verloren gegangen", sagte er. Für die Allgemeinheit sei es wichtig, sich in Gewerkschaften zu organisieren, damit das Machtverhältnis zum Arbeitgeber ausgeglichen sein.

Bürgermeiser Lutz Brockmann kritisierte in seiner Ansprache vor allem Steuerhinterziehung: "Bildungsgerechtigkeit ist wichtig für alle. Wenn Superreiche ihren Anteil nicht zahlen, macht mich das sprachlos – aber wir dürfen nicht sprachlos bleiben", sagte er. 80 Prozent der Staatseinnahmen würden von arbeitenden Menschen bezahlt. Man müsse für eine intakte Gesellschaft Steuergerechtigkeit herstellen.

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