Freigeist mit Bodenhaftung Marco Girnth muss im "SOKO Leipzig"-Special (freitags, 7. und 14. Januar, 21.15 Uhr, ZDF) ins Gefängnis

Marco Girnth gibt bei der ZDF-Krimireihe "SOKO Leipzig" gerne mal den Heißsporn. Im echten Leben ist der 40-Jährige weitaus besonnener.
10.12.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine Metzger

Marco Girnth gibt bei der ZDF-Krimireihe "SOKO Leipzig" gerne mal den Heißsporn. Im echten Leben ist der 40-Jährige weitaus besonnener.

Er war der Mädchenschwarm Sven Rusinek in der RTL-Soap "Unter Uns". Danach der Mädchenschwarm Mark Röders in der ARD-Soap "Die Strandclique". Inzwischen versüßt Marco Girnth dem etwas betagteren ZDF-Publikum regelmäßig den Freitagabend: Als Mitglied der "SOKO Leipzig" ist er seit 2001 dabei - und betritt in der Doppelfolge "Gefangen" (freitags, 7. und 14. Januar, 21.15 Uhr) Neuland. In dem extra langen Serienspecial verrennt Girnths Figur Jan Maybach sich so sehr in einen Fall, dass er letztendlich selbst unter Mordverdacht gerät.

Ganz im Gegensatz zu seiner Serienfigur scheint Girnth nicht unbedingt wie jemand, der zu kopflosen Entscheidungen neigt: Im Interview gibt er sich bodenständig und sehr überlegt. Schon mit 14 Jahren drehte er gemeinsam mit Freunden seine ersten Super-8-Filme und träumte von einer Karriere als Schauspieler. Doch das Wagnis schien zu groß, und so sah die Realität zunächst einmal anders aus: Nach dem Abitur entschied sich Girnth für ein grundvernünftiges Jurastudium.

Dass er doch noch zu seiner Schauspielkarriere kam, verdankt Marco Girnth ausgerechnet der Überlastung der deutschen Behörden. Als der Jurastudent nach dem ersten Staatsexamen seinen Referendardienst antreten wollte, gab es ein Jahr Wartezeit. Zeit, seinen "alten Traum" wiederzubeleben: Er bekam das Angebot, eine Rolle in der Seifenoper "Unter Uns" zu übernehmen. Der Moment passte perfekt, Girnth sagte zu. "Doch nach dem Jahr dachte ich: 'Verdammt nochmal, eigentlich ist es das, was ich machen möchte'", erinnert sich der mittlerweile 40-Jährige. Trotzdem überwog wieder das Sicherheitsdenken: "Zur Gewissensberuhigung sagte ich mir erst einmal, ich würde das Referendariat einfach noch ein Jahr aufschieben. Aber in diesem Jahr entwickelte sich eine Eigendynamik, sodass ich gar nicht mehr zurück wollte zur Juristerei."

Statt sich also - wie ursprünglich geplant - auf dem Richterstuhl mit Kleinkriminellen und Nachbarschaftsstreits abzuplagen, fängt Girnth jetzt regelmäßig vor der Kamera Kapitalverbrecher. Trotzdem ist er immer noch jederzeit in der Lage, eine kleine Grundsatzrede über den deutschen Rechtsstaat zu halten: "Von der Grundaufstellung her halte ich unseren Rechtsstaat, so wie er gebaut ist, für eine sehr lobenswerte Sache. Wir leben ja in einem System, das historisch einmalig ist, wo man relative Rechtssicherheit hat. Auch die Tatsache ist wichtig, dass es eine Jurisprudenz gibt, die immer wieder über die Rechtsfragen philosophiert und versucht, eine herrschende Meinung oder eine Mindermeinung herauszukristallisieren." Diese Sätze flutschen ihm ganz natürlich über die Lippen.

Doch dass er 1995 mit seiner Entscheidung für die Seifenoper richtig lag, daran gibt es für Girnth keinen Zweifel. Überhaupt, er ist nicht der Typ für starre Regeln, seien sie nun in Paragrafen oder in Hirtenbriefen festgelegt. Denn auch seine rheinländisch-katholische Erziehung hat der gebürtige Düsseldorfer mittlerweile hinter sich gelassen: "Ich sehe mich heutzutage als Christ, ohne dass ich das über eine Institution verwirklichen muss", erklärt er. "Ich finde es befreiender, bestimmte Fragen stellen und gewisse Dinge in Zweifel ziehen zu dürfen."

Ganz spurlos ist die Jugend im Rheinland aber nicht an Girnth, der mittlerweile mit seiner Frau (und Schauspielkollegin) Katja Woywood in Berlin lebt, vorbeigegangen. Zum einen hat er sich eine Affinität zum Karneval bewahrt: "Am vergangenen 11.11. haben wir uns in Leipzig im Studio alle eine Pappnase aufgesetzt", erzählt er im Interview. Zum anderen die Liebe zum nahen Ruhrpott-Verein Schalke 04. Da beweist er auch Leidensfähigkeit: "In meiner Jugend bin ich zweimal mit Schalke abgestiegen." Die Treue hält er trotzdem bis heute - obwohl ihn der Verein regelmäßig enttäuscht. "Bei Schalke geht immer kurz davor irgendetwas schief. Immer." Eine feste Regel scheint es also doch zu geben Marco Girnths Leben.

Girnth hat übrigens gute Aussichten, demnächst noch in einer weiteren Serie die Hauptrolle zu übernehmen, diesmal beim Privatfernsehen: RTL dreht derzeit in Mexiko den 90-Minüter "World Express ­- Das Geheimnis der Maya". Falls der Film erfolgreich sein sollte, in dem Girnth als Kurier für besonders brenzlige Ware auftritt, steht einer Serienproduktion nichts mehr im Wege.

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