Vom reduzierten Spiel in Uniform Maria Simon spielt in "Kongo" (Mo., 18.10., 20.15 Uhr, ZDF)

Maria Simon verkörpert eine Militärermittlerin in "Kongo" - einem Krimi, der im Umfeld der Bundeswehr während eines fiktiven Auslandseinsatzes in Afrika spielt.
24.09.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Eric Leimann

Maria Simon verkörpert eine Militärermittlerin in "Kongo" - einem Krimi, der im Umfeld der Bundeswehr während eines fiktiven Auslandseinsatzes in Afrika spielt.

Sie hat es sich etwas einfacher vorgestellt - das reduzierte Spiel der militärischen Gesten in ihrer Rolle als Feldjägerin in "Kongo" (Mo., 18.10., 20.15 Uhr, ZDF). Der ZDF-Krimi erzählt von einem Bundeswehrlager während eines fiktiven Auslandseinsatzes in Afrika. Schauspielerin Maria Simon, die derzeit als neue berlin-branderburgische Kommissarin im "Polizeiruf 110" vor der Kamera steht, wurde 2003 durch den Episodenfilm "Lichter" bekannt und erlebte ihren Durchbruch als Schwester von Daniel Brühl in "Goodbye Lenin". Die Mutter dreier Kinder gilt als Frau, die Rollen etwas Besonderes gibt. Im Interview spricht die 34-Jährige über gebrochene Vorurteile gegenüber der Bundeswehr und über den Grund, warum sie jede ihr angebotene Rolle annimmt.

teleschau: Sie spielen eine Soldatin, eine Militärpolizistin. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Maria Simon: Ich durfte eine Feldjägerin, wie die Militärpolizistinnen bei der Bundeswehr heißen, einen Tag auf ihrer Dienststelle besuchen. Es war eine junge Frau, die mit der Rolle recht viel gemein hat: ein junger Oberleutnant, und sie war bereits im Auslandseinsatz - in Afghanistan.

teleschau: Wie empfanden Sie diese Begegnung?

Maria Simon: Sie war wichtig, sehr intensiv und auch angenehm. Dieser Tag hat mir geholfen, eine Menge Vorurteile über den Haufen zu werfen.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Maria Simon: Es ging schon mit dem Äußeren los. Eine schöne, zierliche und intelligente Frau. Weich und trotzdem zielstrebig. Sie arbeitet auf ihrer Dienststelle in einer Vorgesetztenfunktion und bekommt das prima hin, wird respektiert. Das würde man als Außenstehender nicht unbedingt alles so erwarten.

teleschau: Eine junge, intelligente Frau, die sich freiwillig in diesen Job begibt, nach Afghanistan reist - haben Sie nach der Motivation der Feldjägerin für ihren Beruf gefragt?

Maria Simon: Gefragt direkt nicht. Solche Begegnungen laufen bei mir auf einer anderen Ebene ab. Ich bin eine Sammlerin von Eindrücken. Es ist mir eher fremd, jemanden auszufragen. Ich habe verstanden, dass diese Frau eine Herausforderung in ihrem Job gesucht hat - in Bezug auf ihren Körper, in Sachen Kameradschaft und Gemeinschaft. Sie hat in Afghanistan unter anderem einheimische Frauen zu Polizistinnen ausgebildet. Sie begleitete Mädchen in die Schule. Ich kann verstehen, dass man dabei das Gefühl bekommt, etwas Sinnvolles zu tun. Sie sagte mir, dass sie die Entscheidung immer wieder so treffen würde.

teleschau: Was fanden Sie selbst an der Rolle am schwierigsten?

Maria Simon: Die Körperlichkeit. Wir drehten in Südafrika, und ich musste mich dort in den Alltag eines deutschen Militärlagers einfinden. Das hieß, Uniform tragen. Strikte Vorschriften einhalten, was die eigene Bewegung und das Miteinander betrifft. Wenn ich zu einem Vorgesetzten gehe und ihm etwas sage, läuft das alles sehr reduziert ab. Ich kann beim Erzählen nicht mit den Armen rumfuchteln. Für mich als Schauspielerin war die Kargheit der möglichen körperlichen Äußerung schon eine Herausforderung. Das klassische Strammstehen gibt es bei der Bundeswehr zwar wohl nur noch selten, aber man kann nicht viel machen, ohne aus der Rolle zu fallen. Bei dieser Rolle habe ich mir oft die Frage gestellt, in welchem Moment ich eine Soldatin spiele und in welchem den Menschen dahinter. Aber das ist für die Leute in Uniform ja selbst oft ein Problem.

teleschau: "Kongo" setzt sich durchaus kritisch mit den Auslandseinsätzen auseinander. Inwieweit hat die Bundeswehr Einfluss auf den Film nehmen wollen?

Maria Simon: Wir sind da zunächst mal auf große Offenheit gestoßen. Die Bundeswehr hat uns Fachberater und Kontaktleute gestellt. Die sind offenbar selbst daran interessiert, dass kritische Themen rund um die Armee auch gesellschaftlich diskutiert werden. So weit ich weiß, gab es im Nachhinein noch ein paar Unstimmigkeiten zwischen Produktion und Bundeswehr, weil seit Beginn des Filmprojektes einfach sehr viel passiert ist, vor allem in Afghanistan. Da wurde man wohl doch etwas nervös.

teleschau: Welche Einstellung haben Sie nach dieser Arbeit zur Bundeswehr?

Maria Simon: Wenn ich jetzt über die Bundeswehr rede, sehe ich vor allem junge Menschen vor mir, keinen Apparat. Die Armee, das ist ein Querschnitt durch unsere Bevölkerung - was ich gut finde. Dass dort bald vielleicht nur noch Leute sind, die sich freiwillig gemeldet haben, macht mir ein bisschen Angst.

teleschau: Wovor haben Sie Angst?

Maria Simon: Dass eben dieser Querschnitt verloren geht. Momentan kommen dort noch Leute aus ganz unterschiedlichen Schichten und mit verschiedenem Bildungshintergrund zusammen. Ich habe Angst davor, dass die Bundeswehr jene jungen Männer magnetisch anzieht, die Bock auf Krieg haben.

teleschau: Sie scheinen ein gutes Händchen bei der Auswahl Ihrer Rollen zu besitzen. Viele Ihrer Filme erringen Preise oder werden zumindest von der Kritik gelobt. Wie treffen Sie Ihre Auswahl?

Maria Simon: Der Eindruck täuscht, es gibt keine Strategie meinerseits, was die Auswahl der Rollen betrifft. Ich bin Mutter von drei Kindern. Rollen, die mir angeboten werden, nehme ich in der Regel auch an. Etwas anderes kann ich mir nicht leisten. Ich habe vielleicht einfach Glück mit den Rollen.

teleschau: Vielleicht denken dann einfach die richtigen Leute an Sie. Die mit den interessanten Projekten ...

Maria Simon: Vielleicht ist das so. Es gab und gibt jedoch immer wieder Zeiten, in denen gar nichts kommt und ich mir Gedanken mache. Wenn es manchmal heißt: "Ach, Maria Simon, Sie spielen doch so viel" - dann kann ich nur sagen, dass ich mindestens genauso viel Zeit damit verbringe, auf irgendeine Rollen zu warten.

teleschau: Momentan bereiten Sie sich auf Ihre erste Hauptrolle in einer Reihe vor. Sie spielen die Kommissarin im neuen "Polizeiruf 110" aus Berlin-Brandenburg.

Maria Simon: Wir drehen jetzt bald in Berlin und Brandenburg unter der Regie von Bernd Böhlich. Auch diese Rolle wird sich entwickeln. Ich habe Vorstellungen und Träume dazu. Aber wer weiß, ob die zu realisieren sind.

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