Was gegen renitente Passagiere möglich ist

Was gegen Maskenverweigerer im Flugzeug hilft

Laut Lufthansa und Tuifly halten sich die meisten Passagiere daran, an Bord einen Mund-Nasenschutz zu tragen. Welche verschiedenen Möglichkeiten Pilot und Kabinenpersonal dennoch bei Maskenmuffeln haben.
11.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Philipp Laage und Florian Schwiegershausen
Was gegen Maskenverweigerer im Flugzeug hilft

An Bord ist Maskentragen Pflicht. Ausnahmen gibt es nur, wenn der Passagier ein Attest vorweisen kann.

VIRGINIE LEFOUR

Ob aus Ignoranz, Trotz oder Ideologie: Viele Menschen tragen keine Mund-Nasen-Maske. Gerade im Flugzeug ist das aber wichtig, weil der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Die Vorschriften der Airlines sind eindeutig: Maske tragen ist Pflicht – außer beim Essen und Trinken. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Wie geht man an Bord mit Maskenverweigerern um? Das erklärt Franziska Günther, Head of Cabin Crew beim Ferienflieger Tuifly und verantwortlich für rund 1400 Flugbegleiter, im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Sie sagt: „Das Verhalten der Gäste ist sehr vernünftig, der Großteil befürwortet die Maskenpflicht und nimmt Rücksicht auf andere Passagiere.“ Trotzdem sei die Maske Thema. „Wir haben sicher auch Gäste an Bord, die den einen oder anderen Hinweis mehr benötigen und das Thema nicht so ernst nehmen. Ich kann aber nicht bestätigen, dass es auf jedem Flug Maskenverweigerer gibt.“

Zwischenlandung im schlimmsten Fall

Und wenn ein Urlauber sich uneinsichtig zeigt? „Wir haben eine Eskalationspyramide und einen Maßnahmenkatalog. Zunächst sprechen wir den Fluggast an und weisen freundlich auf die Maskenpflicht hin“, sagt Günther. „Dann folgen bestimmtere Hinweise und eine Ermahnung.“ Reagiert ein Fluggast auch auf mehrfache Ermahnungen nicht, wird es ernst: „Wenn die Deeskalation nicht greift, dann erstellen wir einen Passenger Disturbance Report, landen gegebenenfalls zwischen und kontaktieren die Behörden vor Ort, etwa die Bundespolizei“, schildert Günther den Ablauf. Allerdings sei das bislang auf keinem der rund 2000 Tuifly-Flüge während der Corona-Zeit vorgekommen. Passiert das vor dem Start, würde die Maschine zurück zum Gate rollen. „Der Fluggast müsste das Flugzeug verlassen, sein Gepäck würde ausgeladen.“ Das führe zu mindestens 30 Minuten Verspätung.

Ohnehin sei es aber selten, dass jemand gar keine Maske trage, berichtet die Airline-Mitarbeiterin. „Viel häufiger wird die Maske nicht richtig aufgesetzt.“ Und die meisten Passagiere reagierten dann schon auf den freundlichen Hinweis. „Wir haben auch Masken an Bord, die wir zur Verfügung stellen können, sollte jemandem seine Maske abhanden gekommen sein.“ Schon vor dem Start gibt es Ansagen zu Schutzmaßnahmen – unter anderem, dass die Maske nur zum Essen und Trinken abgesetzt werden darf. „Aber man kann auch nicht drei Stunden an seinem Kaffee trinken, um die Maske absetzen zu können“, sagt Günther. „Da achten wir schon drauf.“ Dass Alkohol der Vernunft nicht förderlich ist, weiß man. „Wir haben den Alkoholausschank sehr reduziert und haben keine großen Mengen alkoholischer Getränke an Bord“, berichtet Günther. Gerade in Corona-Zeiten habe man nicht mehr die typischen Partygäste an Bord.

Lesen Sie auch

Auch das Boarding werde wegen Corona strikter gehandhabt: „Wir boarden in kleinen Gruppen, je nach den Vorgaben der Länder“, so Günther. Nach der Landung werden die Passagiere dann meist in Gruppen von fünf Reihen rausgelassen.

Für Menschen mit bestimmten Erkrankungen kann es tatsächlich nicht zumutbar sein, während eines Fluges eine Gesichtsmaske zu tragen. „Es kommt vor, dass wir Gäste haben, die beim Check-in, am Gate oder spätestens an Bord ein Attest vorzeigen“, berichtet Günther. „Diese Passagiere sind in der Regel mit einem Visier ausgestattet, das sie auch nutzen können.“ Mit Attest und Visier dürfen sie bei Tuifly mit.

Teure Angelegenheit für den Passagier

So ähnlich wie bei Tuifly läuft es auch bei der Lufthansa ab, wie eine Sprecherin dem WESER-KURIER bestätigte: „Zum 8. Juni haben wir unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen um eine Maskenpflicht an Bord ergänzt.“ Das bedeutet, dass man renitenten Passagieren gegebenenfalls die Beförderung verweigern kann oder der Pilot notfalls auch eine Zwischenlandung einlegen kann, was für den Passagier eine teure Angelegenheit werden dürfte.

Bei Ryanair läuft dagegen alles wie immer: Beim Aussteigen gibt es keine besonderen Ansagen – so erlebt auf einem Flug von Sevilla nach Köln.

Lesen Sie auch

Eine Leserin beschwerte sich beim WESER-KURIER dagegen über ihren Flug im Juli mit Sundair von Bremen nach Rhodos: „Ein Drittel der Passagiere trug während des Flugs keine Maske, und es hat die Flugbegleiter an Bord nicht interessiert.“ Ein Sundair-Sprecher sagte: „Die Mitarbeiter machen dazu ständig Ansagen.“ Es gebe bereits Beschwerden, dass zu viele Ansagen gemacht würden. Sundair halte auf alle Fälle die Vorgaben ein.

Wer einen Sitz neben einem Passagier ohne Maske habe, sollte laut Verbraucherzentrale Bremen lieber erst das Kabinenpersonal verständigen, statt den Flug nicht anzutreten und hinterher Schadenersatz zu fordern: „Das sollte man sich gut überlegen, weil man sich da auch auf ein langfristiges Verfahren einstellen muss“, warnt die Reise- und Rechtsexpertin Nicole Mertgen-Sauer.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+