Naturschutz Meeresmüll entsorgen: Strandmüllboxen gut angenommen

Am Strand finden Spaziergänger nicht mehr nur Muscheln und Seetang. Zwischen diese natürlichen Spülsaumfunde mischt sich immer mehr Plastik und anderer Müll. Der kann vielerorts bereits in speziellen Abfallbehältern direkt am Strand entsorgt werden.
11.04.2022, 06:28
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Kunststoffschnüre, Plastikfragmente, aber auch Kanister, Sprühdosen und Styropor - an den Stränden wird viel Müll angeschwemmt. Und viele Einheimische und Gäste sammeln bei ihren Strandspaziergängen den Meeresmüll auf. An zahlreichen Stränden und Deichen an Nord- und Ostsee stehen mittlerweile Strandmüllboxen, in die Urlauber und Einheimische angeschwemmten Müll werfen können. Solche Boxen stehen unter anderem in St. Peter-Ording, Eckernförde, Büsum, Sylt und auf Föhr. Auch auf allen Ostfriesischen Inseln finden sich solche Abfallbehälter. An Niedersachsens Küste gibt es Boxen etwa auch in Butjadingen, Dangast, im Wangerland und Bensersiel.

Die Strandmüllboxen werden sehr gut angenommen, wie Angela Ottmann von der Naturschutzorganisation BUND Föhr der Deutschen Presse-Agentur sagte. Begonnen hat das Projekt auf Föhr in Schleswig-Holstein 2016 mit acht Boxen, aktuell sind 16 dieser Meeresmülleimer auf der ganzen Insel zu finden. Zwei weitere Boxen, die durch Spenden Föhrer Unternehmer finanziert wurden, sollen demnächst im nördlichen Teil der Insel aufgestellt werden. Um die Leerung und die Entsorgung des Meeresmülls kümmern sich überwiegend die beteiligten Gemeinden.

„An den Küsten fällt uns das Plastikproblem im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße“, sagte Ottmann. Im Flutsaum finden sich demnach nicht nur Abfälle aus Schifffahrt und Fischerei, sondern auch Tuben, Deckeln, Chipstüten und sonstigen Verpackungen und Gebrauchsgegenstände. Die Zusammensetzung der Müllfunde in den Strandmüllboxen auf Föhr ist sehr unterschiedlich.

Die häufigsten Müllfunde machen demnach Dolly Ropes, das sind Scheuerschutzfäden aus der Fischerei, sowie andere Utensilien aus der Fischerei wie Netzreste und Arbeitshandschuhe aus. Einen sehr großen Anteil am Meeresmüll nehmen zudem Plastikfragmente. Dabei sei meist nicht erkennbar, ob diese Plastikfetzen mal eine Tüte, eine PET Flasche oder eine Lebensmittelverpackung waren, sagte Ottmann. Nach Stürmen landen zudem viele größere Müllteile wie Kanister, Bojen und Lacksprühdosen in den Strandmüllboxen.

Auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog wird die Zahl der Boxen wegen der häufigen Nutzung gerade erhöht - sieben Stück sollen es künftig sein, die an den Stränden über die Insel verteilt stehen. Die meisten Funde brächten Gäste von ihren ausgedehnten Spaziergängen mit, sagte Nadine Weber, zuständig für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei der Spiekerooger Kurverwaltung. „Da wird manchmal ein altes Fischernetz ein paar hundert Meter weit bis zur Müllbox geschleppt.“ Das Engagement der Gäste sei ein großer Beitrag zum Umweltschutz.

Die Sammelbehälter haben etwa die Größe einer Europalette und einen passenden Gitteraufsatz. Ein Schild informiert über die korrekte Nutzung - denn vorgesehen sind die Boxen ausschließlich für angeschwemmten, aufgesammelten Meeresmüll. „Sie sind also explizit nicht für die Entsorgung von vor Ort durch Besucher entstandenen Müll gedacht“, heißt es von der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven.

Da die Boxen auch an abgelegenen Stellen aufgestellt seien, sei es für die Kurverwaltung nicht immer sofort ersichtlich gewesen, wann eine Box voll ist, sagte Weber. Seit kurzem seien die Boxen auf Spiekeroog daher auch mit QR-Codes ausgestattet. Nun können Müllsammler das Team der Strandreinigung über den QR-Code informieren, die dann mit einem Trecker zur Abholung ausrücken.

Auf den Ostfriesischen Inseln wurden die ersten Strandmüllboxen laut niedersächsischer Nationalparkverwaltung bereits 2013 auf Langeoog und Juist aufgestellt. 2014 folgten Baltrum, Norderney, Borkum und Wangerooge, 2016 Spiekeroog. Zudem kommen noch die Standorte am Festland. Bis 2018 waren von der Nationalparkverwaltung in Niedersachsen mehr als 100 Boxen bereitgestellt geworden. Allerdings sind nicht alle zeitgleich im Einsatz. Das hängt auch mit dem Leeren zusammen, das von Ort zu Ort variiert: Mal werden volle Boxen gegen leere ausgetauscht, mal werden sie vor Ort von Hand geleert.

Nach Angaben der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven haben bisherigen Erfahrungen mit dem Betrieb der Strandmüllboxen gezeigt, „dass mit dieser einfachen Aktion ein wichtiger Beitrag gegen die Verschmutzung der Strände geleistet werden kann“. Müll, der in den Boxen lande, könne keinen Schaden mehr anrichten. „Über die Jahre wird so eine erhebliche Menge Müll von den Stränden entfernt.“

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