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Felix Lee über Chinas Afrika-Politik Chinas Vorwurf mag berechtigt sein: Wenn Japans Premier Shinzo Abe bei seinem Besuch in drei afrikanischen Ländern in diesen Tagen so tut, als hätte sein Land sich schon immer um das Wohlergehen des armen Kontinents gesorgt, ist das eine glatte Lüge. Das wirkliche Motiv des japanischen Premiers ist klar: Während daheim in Ostasien der Streit mit China um ein paar verlassene Inseln weiter brodelt, versucht Japans Führung in einem weiteren Bereich, dem Erzfeind dazwischen zu grätschen.
13.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Felix Lee

Felix Lee

über Chinas Afrika-Politik

Chinas Vorwurf mag berechtigt sein: Wenn Japans Premier Shinzo Abe bei seinem Besuch in drei afrikanischen Ländern in diesen Tagen so tut, als hätte sein Land sich schon immer um das Wohlergehen des armen Kontinents gesorgt, ist das eine glatte Lüge. Das wirkliche Motiv des japanischen Premiers ist klar: Während daheim in Ostasien der Streit mit China um ein paar verlassene Inseln weiter brodelt, versucht Japans Führung in einem weiteren Bereich, dem Erzfeind dazwischen zu grätschen.

Tatsächlich war Afrika den Japanern jahrzehntelang egal. So wie die meisten Industriestaaten hatte auch Japan den von Bürgerkriegen, Aids, Dürren und Hungersnöten geplagten Kontinent als „verloren“ aufgegeben. Afrika war wirtschaftlich und strategisch einfach nicht interessant. Das änderte sich erst, nachdem die Chinesen Afrika für sich entdeckt haben. Seit Jahren investiert der aufstrebende Riese eifrig in den Erdteil, bedient sich seiner reichhaltigen Rohstoffe und sichert sich Häfen, Eisenbahntrassen und wichtige Handelswege. Afrikas Wirtschaft boomt seitdem.

Das hat nun auch die Begehrlichkeiten der USA, Europäer und eben der Japaner geweckt. So wie China erkennen auch sie, dass in dem Kontinent sehr wohl jede Menge Potenzial steckt. Ein regelrechter Wettlauf um Afrika hat begonnen.

Wo bleiben die Afrikaner bei all dem? Ihnen dürfte dieser Streit schon bald von großem Nutzen sein. Die meisten afrikanischen Staatschefs wissen zwar, dass die Chinesen ihnen diesen Boom beschert haben. Glücklich über die chinesischen Investoren sind viele von ihnen aber nicht. Anders als die Europäer oder die USA stellt Peking bei der Wirtschaftshilfe zwar keine politischen Bedingungen – was zählt ist allein der Profit. Doch genau das löst zunehmend Unzufriedenheit in der afrikanischen Bevölkerung aus. Geklagt wird über miserable Arbeitsbedingungen in den von Chinesen betriebenen Fabriken und über das skrupellose Verhalten vieler Unternehmer aus der Volksrepublik.

Wenn künftig verstärkt auch Japaner als Investoren und Arbeitgeber in Afrika auftreten, haben die Menschen vor Ort mehr Auswahl. Das dürfte chinesische Unternehmer unter Druck setzen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. China mag Japans Engagement ärgern, doch Konkurrenz belebt das Geschäft – auch in Afrika.

politik@weser-kurier.de

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