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Silke Hellwig zur geplanten Porto-Erhöhung Zwei Cent sind nicht die Welt, schon gar nicht in Zeiten der elektronischen Kommunikation. Aber wie so oft geht es ums Prinzip.
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Von Silke Hellwig

Silke Hellwig

zur geplanten Porto-Erhöhung

Zwei Cent sind nicht die Welt, schon gar nicht in Zeiten der elektronischen Kommunikation. Aber wie so oft geht es ums Prinzip. Die Deutsche Post ist drauf und dran, das Porto innerhalb von zwölf Monaten zum zweiten Mal anzuheben.

Der Verbraucher staunt. Hat die Post nach 15 Jahren die Mechanismen der sozialen Marktwirtschaft für sich entdeckt? Weil 2013 Mehreinnahmen von rund 100Millionen Euro bilanziert werden, wird 2014 fröhlich weiter erhöht? Selbst wenn die Post tatsächlich nur den Spielraum nutzt, den ihr die Bundesnetzagentur zuvor nicht geboten hat – kundenfreundlich ist das Vorgehen nicht. Es macht eher den Eindruck, den man von einem anderen ehemaligen Staatsbetrieb kennt, der Deutschen Bahn: Dort werden Verspätungen offenbar auch ganz gerne scheibchenweise angekündigt, um die Kunden bei Laune zu halten.

Nun hat die Post mit einer Entwicklung zu kämpfen, die auch andere Branchen plagt: Ihr kommen durch elektronische Post Kunden abhanden, die Einnahmen sinken. Weil die Einnahmen sinken, steigen die Preise. So weit plausibel.

Allerdings reagieren Verbraucher meist etwas empfindlich, wenn sie mehr für weniger zahlen sollen – nämlich für weniger Service. Weniger Filialen und weniger Briefkästen, längere Warteschlangen und längere Transportzeiten und – zumindest gelegentlich – größere Unzuverlässigkeiten.

Und doch hat die Post treue Kunden – teils zwangsläufig, teils freiwillig. Wer Tante Hannelore zum Geburtstag einen Glückwunsch nach Hanau schicken will, wird nicht davor zurückschrecken, eine neue 60-Cent-Briefmarke zu kaufen oder seine alte um 3- und 2- oder 5-Cent-Marken zu ergänzen. Eigentlich müssten der Post AG über kurz oder lang obendrein neue Kunden nur so zuströmen – der NSA-Affären und dem Briefgeheimnis sei Dank, ein in der Verfassung garantiertes Grundrecht. Je mehr Geheimdienste ungehindert und unbemerkt schnüffeln, je mehr Handys abgehört, je mehr Mails mitgelesen werden können, desto mehr Briefmarken sollten verkauft werden. Zu 60, 70 oder auch 80 Cent.

silke.hellwig@weser-kurier.de

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