Nach Sturm "Xavier"

Metronom-Strecken wieder frei – Probleme auf der Hannover-Strecke

Die Metronom-Strecken sind wieder befahrbar. Dennoch kommt es am Dienstag zu erneute Problemen auf den Bahnstrecken Hamburg - Bremen und Hamburg - Hannover
10.10.2017, 06:04
Lesedauer: 5 Min
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Metronom-Strecken wieder frei – Probleme auf der Hannover-Strecke

Seit Montag wieder unterwegs zwischen Hamburg und Bremen: ein Zug der Metronom-Eisenbahngesellschaft

Focke Strangmann

Nur schleppend normalisiert sich der Eisenbahnverkehr, nachdem Sturmtief „Xavier“ vergangene Woche die Fahrpläne durcheinander gewirbelt hatte. Kurz nachdem am Dienstagmorgen die Strecke Hannover-Hamburg nach dem Sturm wieder frei gegeben war, geriet der Verkehr schon wieder ins Stocken: zwischen Celle und Uelzen ist nur noch ein Gleis verfügbar. „Es hat sich irgendetwas in der Oberleitung verfangen“, sagt Angelika Theidig, Sprecherin der Deutschen Bahn. Zuerst war davon ein Güterzug betroffen, der die Strecke blockierte, in der Folge muss der Fernverkehr über Verden und Rotenburg umgeleitet werden. „Wir gehen davon aus, dass das bis etwa 18 Uhr dauert“, kündigt Theidig an.

Als Folge der Umleitung kam es seit etwa neun Uhr zu „reichlich Verspätung“ auf der Metronom-Linie Bremen-Hamburg, wie Unternehmenssprecher Björn Pamperin sagt.“ Wegen der starken Verspätung durch die Oberleitungsstörung endete der Metronom 82813 ausnahmsweise in Kreiensen und wendete dort dort zur Rückfahrt nach Uelzen als ME 82818 mit planmäßiger Abfahrt um 13.33 Uhr. Dabei hatte auch für Metronom-Kunden der Tag gut begonnen: Auf den Strecken Bremen-Rotenburg-Hamburg und Hamburg-Stade-Cuxhaven waren am Morgen wieder sämtliche Bahnhöfe erreicht worden. Auf der Strecke Hamburg-Bremen kam es fast zeitglich zum Ausfal der Intercity 2025, der gerade mal von Dammtor bis Harburg fuhr und dann wegen eines Defektes ausfiel – „100 Minuten Verspätung“ waren laut Fahrgästen die Folge.

Auf der Strecke Bremen-Hannover verkehren Regionalzüge nach Angaben der Deutschen Bahn wieder fahrplanmäßig. Auch ICEs sind alle zwei Stunden am Start. Lediglich ICs, die von Norddeich-Mole bis Dresden fahren, verkehren derzeit nicht auf der Linie, „weil derzeit keine durchgehende Linie möglich ist“, heißt es auf Nachfrage bei der Deutschen Bahn in Hamburg. „Der große Knackpunkt ist immer noch der Streckenabschnitt Bremen-Leer, auf dem der Sturm Oberleitungen und vor allem auch Masten beschädigt hat“, mancherorts müssten eigens neue Fundamente gegossen werden – „das dauert“. Bis einschließlich Sonntag ist auf der Strecke Schienenersatzverkehr im Einsatz. Die Busse allerdings verkehren nach Angaben Reisender ohne Fahrplan, es sei „reiner „Zufall“, einen Bus zu erwischen, sagt ein Betroffener aus Delmenhorst, der am Bremer Hauptbahnhof von einer Metronom-Mitarbeiterin den Tipp bekommen haben will, „am besten mit der Straßenbahn nach Huchting und dann mit Delbus weiter nach Delmenhorst“ zu fahren.

„Was da passiert, ist von echtem Schienenersatzverkehr weit entfernt“, ärgert sich Corinna Hagedorn, Sprecherin des Fahrgastbeirates im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN). „Eisenbahnverkehrsunternehmen sind keine Buskoordinatoren, auch wenn jeder für die von ihm befahrene Linie verantwortlich ist. Der Ersatz ist doch Bestandteil der Absprachen im Dienstleistungsvertrag“, ärgert sich Hagedorn. „Als Kundin habe ich Anfang des Monats bezahlt, jetzt kann ich sehen, wie ich an die Leistung komme und soll mich in völlig überfüllte Busse der BSAG quetschen, um von St. Magnus nach Bremen zu pendeln. Ich bin jedenfalls aufs Auto umgestiegen.“ Da sei offenbar nicht nur die erforderliche Kapazität falsch eingeschätzt worden, auch bei der Kommunikation gebe es „noch jede Menge Luft nach oben“. Die VBN-App habe in den ersten Tagen nach dem Sturm „zum Teil widersprüchliche, unkoordinierte Hinweise“ gegeben. Den Ersatzverkehrt einzurichten sei zwar nicht Aufgabe des VBN, wohl aber, für Informationsfluss zu sorgen.

„Kundeninformation findet nicht statt“, moniert Corinna Hagedorn. „Der Baum, der im Bahnhof St. Magnus ins Gleis gekippt war, ist zwar seit Freitag wieder weg, die Oberleitung ist aber immer noch abgerissen. Ich glaube kaum, dass das bis zum Wochenende hinzubekommen ist. Aber ich wüsste es gerne genauer“, sagt sie. „Der Aufgabenträger bestellt die Zugleistung, DB-Netz stellt die Infrastruktur, das Eisenbahnverkehrsunternehmen fährt einfach nur – und der VBN koordiniert die Informationen“ so sollte es aus Sicht des Fahrgastbeirates laufen.

„Wir tun, was wir können“, sagt VBN-Sprecher Eckart Spliethoff, „und wir bekommen auch viel positive Resonanz: Schön, dass ihr uns sagt, was ihr wisst.“ Die VBN-App werde annähernd stündliche aktualisiert, die telefonische Serviceauskunft für das gesamt VBN-Land, 0421/596059 sei nicht nur 24 rund um die Uhr besetzt, sondern auch mit mehr Personal ausgestattet. „Wie versuchen, alle Informationen über App und Website so gut wie möglich weiterzugeben.“ Es gebe Notfallpläne, die auch griffen, sagt Spliethoff – und dennoch: „Das ist ein blöde Zeit für Fahrgäste, ich verstehe den Unmut, wenn man jetzt schon am sechsten Tag überlegen muss, wie man zur Arbeit kommt.“ Dass die Lage ist, wie sie ist, liege nicht zuletzt an der ungewöhnlich langen Dauer der Beeinträchtigungen: „Es kommen immer noch Meldungen rein, dass weitere Bäume umstürzen.“ Auch die Herbstferien stellten ein Problem dar: „Den Busunternehmen stehen einfach nicht genug Fahrer zur Verfügung.“

Informationen der Metronom Eisenbahngesellschaft:

Der Zugverkehr kehrt nach dem Sturm "Xavier" nur langsam wieder zum Normalzustand zurück. Die Metronom Eisenbahngesellschaft meldete am Dienstagmorgen, alle Strecken seien wieder freigegeben. Das betrifft die Verbindung zwischen Bremen, Rotenburg und Hamburg sowie zwischen Hamburg, Stade und Cuxhaven. Alle Haltestellen werden angefahren. Es kommt jedoch weiterhin zu Verspätungen, vor allem auf der Strecke zwischen Hamburg und Cuxhaven. Der Ersatzverkehr zwischen Stade und Hamburg bleibe vorsorglich bestehen, heißt es in der Mitteilung des Metronom weiter.

Informationen der Deutschen Bahn:

Die Deutsche Bahn (DB) teilte bereits am Montagabend mit, dass die Großstädte Berlin und Hamburg wieder mit dem Zug angefahren werden können.

Auf der Strecke Bremen-Hannover fallen noch immer sämtliche IC-Züge aus, und vereinzelt entfallen auch die Regionalzüge. Die ICEs fahren jedoch nach Angaben der Bahn alle zwei Stunden.

Die Strecke Leer-Oldenburg-Bremen ist noch bis einschließlich Samstag, 14. Oktober, gesperrt. Einen Ersatzverkehr gibt es hier nicht.

Eine neue Sperrung musste die Bahn zudem am Dienstagmorgen bei Celle einrichten: Dort gebe es eine Oberleitungsstörung. Ob das mit dem Sturm zu tun habe, sei bislang unklar. Die Fernzüge zwischen Hannover und Hamburg würden umgeleitet.

Die IC-Strecke Osnabrück-Bremen-Hamburg wurde laut DB am Dienstagmorgen mit Betriebsbeginn wieder freigegeben.

Informationen der Nordwestbahn:

Probleme gibt es ebenfalls noch auf den Strecken der Nordwestbahn. Es fahren keine Züge zwischen Bremen und Oldenburg sowie auf den Strecken Bremen-Delmenhorst und Bremen-Hude. Bei der Regio-S-Bahn RS1 zwischen Bremen und Verden ist die Strecke zwischen Bremen-Burg und Verden wieder befahrbar. Es kann jedoch zu einzelnen Verspätungen kommen. Der Streckenabschnitt Bremen-Farge - Bremen-Burg ist weiterhin gesperrt. Wann auf dieser Strecke die Züge wieder fahren, kann die Nordwestbahn derzeit leider nicht mitteilen. Fahrgäste sollen bei Bedarf auf Bus und Straßenbahn ausweichen.

Wegen der hohen Nachfrage rät die Bahn, Tickets nur mit Sitzplatzreservierung zu buchen. Karten für Fahrten, die wegen des Sturms ausgefallen sind, behalten bis zum 15. Oktober ihre Gültigkeit.

Warum dauern die Reparaturen so lange?

"Teilweise hatten sich Fundamente der Oberleitungen aus dem Boden gelöst, die komplett neu gebaut werden müssen", erläuterte die Bahn mit Blick auf die Schäden nach "Xavier". "Rund um die Uhr arbeiten Spezialkräfte weiter an der Beseitigung der Sturmschäden und der Wiederherstellung der Signal- und Oberleitungsmasten."

Aktuelle Informationen erhalten Sie bei der Reiseauskunft der Deutschen Bahn, auf der Homepage der Metronom und der Nordwestbahn. (dpa/wk)

++ Dieser Artikel wurde am Dienstag, 10. Oktober, um 9.15 Uhr aktualisiert. ++

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