Wieder auferstanden ... Mickey Rourke zeigt in "Iron Man 2" (Kinostart: 6. Mai) als Ivan Vanko seine böse Seite

Was war er doch für ein zauberhafter Kerl? Doch auch vernarbt punktet Mickey Rourke (wieder) in Hollywood.
30.04.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Heike Fauser

Was war er doch für ein zauberhafter Kerl? Doch auch vernarbt punktet Mickey Rourke (wieder) in Hollywood.

Er war mal hübsch, hatte tolle Augen, ein charmantes Lächeln und galt als der Brad Pitt der 80-er. Mickey Rourke war ein wahrer Frauenschwarm - jetzt zieren Falten und Narben das einst makellose Gesicht. Doch kennt man seine ja fast tragische Geschichte, bekommt man Mitleid mit dem Schauspieler, der in seiner Kindheit von seinem Stiefvater misshandelt wurde: "Er hat mich geschlagen, wenn er Lust darauf hatte", sagt er. Und es kam noch schlimmer: unzählige Affären, Alkohol- und Drogenexzesse, Selbstmordversuche sowie eine gescheiterte Karriere als Profi-Boxer folgten. Die Narben davon trägt er immer noch mit sich, nicht nur im Gesicht. Aber er raffte sich wieder auf und es gelang ihm mit "Sin City" (2005) und "The Wrestler" (2008) das undenkbare Comeback. Seither ist Rourke wieder ein gefragter Mann in Hollywood - vor allem für Schurkenrollen wie die des Ivan Vanko in "Iron Man 2" (6. Mai).

Kein anderer Weg mehr. Der gebürtige New Yorker muss wegen seines Aussehens die bösen, die hässlichen und unbeliebten Gauner spielen. Doch Rourke, der mit seiner Mutter in Florida aufwuchs, kann gut damit umgehen. Es gab eine Zeit in seinem Leben, da bekam er nur die Restposten ab, die kleinen, nichtssagenden Nebenrollen. Dass ihm dann die Crew am Set zu "Iron Man 2" jeden Wunsch von den Augen ablas, erschien ihm ganz fremd: "Als ich hier am ersten Tag nach einem Cappuccino fragte, bekam ich zur Antwort: 'Welchen möchten Sie denn haben?' So was war ich lange nicht mehr gewohnt", erklärte er in einem Interview.

Lange war der "Herzensbrecher" von der Bildfläche verschwunden, weil es ihm milde ausgedrückt nicht gut ging: Er hatte zu kämpfen, mit seiner Vergangenheit, dem Job, aber vor allem mit sich selbst. Dabei fing für Mickey Rourke, der auf den Namen Philip Andre Rourke Jr. getauft wurde, alles viel versprechend an: Im Alter von 16 Jahren zog er von Miami nach New York und besuchte die berühmte Schauspielwerkstatt Actors Studio. Kurz darauf, 1979, klopfte auch schon Steven Spielberg an seiner Tür und bot dem damaligen Sonnyboy eine Rolle in dem Film "1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood?" an, die ihn passenderweise tatsächlich ins Mekka der Filmindustrie katapultierte.

Danach schlug der womöglich 57-Jährige - er hält sein wirkliches Alter geheim - den richtigen Weg ein und verzeichnete Mitte der 80er-Jahre seine ersten Erfolge: in Barry Levinsons Komödie "American Diner" (1982) spielte er an der Seite von Kevin Bacon den Robert 'Boogie' Sheftell, in Francis Ford Coppolas "Rumble Fish" (1983) machte er sich neben Nicolas Cage und Dennis Hopper einen Namen. Sein Durchbruch gelang ihm im Jahre 1986 in dem Erotik-Drama "9 1/2 Wochen" von Adrian Lyne, in dem er seiner Schauspielkollegin Kim Basinger den Kopf verdrehen durfte. Er wurde .... ein Sex-Symbol.

"9 1/2 Wochen" - der Film, der alles veränderte. Mit der Karriere des Schauspielers, der sechs Jahre lang mit dem Fotomodell Carré Otis verheiratet war, ging es bergab.

Kein Film wurde mehr so erfolgreich. Rourke tat es seinem Vorbild Muhammad Ali gleich und wurde Profi-Boxer: "Der wusste genau, wann man angreifen musste und wann verteidigen." In den Wettkämpfen jedoch ließ Rourke sein Gesicht regelrecht verwüsten, die darauf folgenden Schönheitsoperationen blieben erfolglos. Verbittert blickt er auf die Zeit als Frauenschwarm zurück und gab in einem Interview zu: "Wenn ich Fotos von mir aus '9 1/2 Wochen' sehe, dann mag ich sie mir gar nicht anschauen."

Aber nicht nur seine derangierte Fassade machte ihm psychisch zu schaffen, auch die Abhängigkeit von Drogen und Alkohol. Die Schuld gibt Rourke seinem Stiefvater: "Er hat mich und auch meine Mutter misshandelt. Ich habe ihn dafür gehasst", gestand er einst. Schutz und Halt suchte der Verzweifelte bei einem Priester: "Er war ein großartiger Kerl, der mich davon abgehalten hat, mir das Gehirn wegzupusten."

Nachdem sich Rourke mental wieder aufraffte, hoffte er auf ein Comeback in Robert Rodriguez' "Sin City" (2005). Zwar eroberte er damit die Herzen seiner Fans neu, doch erst für "The Wrestler" (2008), dessen Geschichte von einem gescheiterten Wrestling-Kämpfer gewisse Parallelen mit seinem Leben aufzeigt, folgten die Lobeshymnen: eine Oscar-Nomminierung und ein Golden Globe als "Bester Hauptdarsteller". Es läuft wieder gut für Rourke, aller Narben zum Trotz. Aktuell hat er den für September 2010 geplanten Action-Streifen "The Expendables" von Sylvester Stallone abgedreht, bei dem hochkarätige Stars wie Bruce Willis oder in einem Cameo-Auftritt Arnold Schwarzenegger mitwirken. Gemunkelt wird, ob Rourke in der lang angekündigten Fortsetzung von "Sin City" wieder mit von der Partie ist. Ohnehin ist sein Kalender mit Drehterminen bis 2011 gut gefüllt.

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