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Millionen Männer in China bleiben ohne Frau

Peking. Mehr als 24 Millionen chinesische Männer werden bald vergeblich eine Frau im Lande suchen: Wenn junge Chinesen im Jahr 2020 das heiratsfähige Alter erreichen, wird der Männerüberschuss dort einen neuen Höchststand erreichen.
11.01.2010, 16:22
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Millionen Männer in China bleiben ohne Frau

China

dpa

Peking. Mehr als 24 Millionen chinesische Männer werden bald vergeblich eine Frau im Lande suchen: Wenn junge Chinesen im Jahr 2020 das heiratsfähige Alter erreichen, wird der Männerüberschuss dort einen neuen Höchststand erreichen.

Da in China schon lange mehr Jungen als Mädchen geboren werden, sagte die Akademie der Sozialwissenschaften einem Bericht der Zeitung «Global Times» vom Montag zufolge ernste Probleme voraus.

«Geschlechtsbedingte Abtreibungen sind gerade auf dem Lande äußerst häufig», schrieb das Blatt. Im Jahr 2005 habe das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Neugeborenen bei 119 zu 100 gelegen. Neue Angaben wurden nicht gemacht.

Traditionell bevorzugen die Chinesen männlichen Nachwuchs, weil sie für die Altersversorgung zuständig sind und Töchter meist in die Familie ihrer Männer ziehen. Gerade in rückständigen, ländlichen Regionen sollten viele Männer davon ausgehen, erst spät oder gar nicht den Bund der Ehe schließen zu können, schrieb die «Global Times». «Auf dem Land ist das Problem schwerwiegender, da es dort an einem Sozialsystem fehlt», sagte der Wissenschaftler Wang Guangzhou.

Ein Grund für das Missverhältnis ist auch die Ein-Kind-Politik, die noch eine weitere demografische Verschiebung bewirkt. Voraussichtlich wird sich der Anteil der Einwohner, die über 60 Jahre alt sind, im bevölkerungsreichsten Land der Welt bis zum Jahr 2050 auf 24 Prozent gegenüber heute verdoppeln, berichtete Wang Xiaoyan, die Leiterin der nichtstaatlichen Organisation «Community Alliance», am Montag vor Journalisten in Peking.

Sie warnte davor, dass viele Alte in Zukunft nicht mehr wie früher von ihrer Familie unterstützt werden könnten. Die Regierung müsse ihr Programm zur Versorgung der älteren Chinesen weiter ausbauen, mahnte Wang Xiaoyan. (dpa)

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