Nach verheerender Explosion in Beirut

Organisationen fordern schnelle Hilfen für den Libanon

Am Tag nach der Detonation in Beirut wandern die Menschen über Scherben und Trümmer. Tausende haben ihre Unterkunft verloren. Aus anderen Ländern reisen Ärzte-Teams und Katastrophenhelfer an, um zu helfen.
05.08.2020, 16:15
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Von Johannes Senk
Organisationen fordern schnelle Hilfen für den Libanon

Ein gekentertes Schiff liegt neben stark zerstörten Gebäuden nach einer Explosion im Hafen von Beirut.

-/European Space Imaging/dpa

Die Explosionen im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut am Dienstagabend mit mindestens 100 Toten und mehr als 4.000 Verletzten sorgen international für Bestürzung. Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab erklärte den Mittwoch zum Staatstrauertag. Unterdessen weisen Hilfsorganisationen auf die prekäre Lage in dem arabischen Land hin und fordern schnelle Unterstützung.

World Vision sieht die Explosionen als ein "Desaster für die Entwicklung des Libanon". Das Land befinde sich wirtschaftlich und gesellschaftlich in einer ohnehin prekären Situation. Die Corona-Infektionen seien in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen und die Krankenhäuser an ihren Kapazitätsgrenzen. Die Katastrophe sei nun "eines der "schwierigsten Ereignisse, mit denen das Land je zu kämpfen hatte", so das Hilfswerk.

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Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Malteser Hilfsdienst wiesen auf die schlechte medizinische Versorgung hin. Das DRK stimme aktuell in Zusammenarbeit mit seiner Schwestergesellschaft im Libanon Hilfsmaßnahmen ab. Von den eigenen Mitarbeitern vor Ort sei eine Person leicht verletzt, aber gut versorgt, erklärte DRK-Generalsekretär Christian Reuter. Der Rettungsdienst ziehe seine Helfer nun in Beirut zusammen.

Die Malteser leisten den Angaben zufolge bereits seit sechs Jahren humanitäre Hilfe im Libanon und betreiben unter anderem mobile Gesundheitsstationen für syrische Flüchtlinge in der Grenzregion. Diese Einrichtungen sollen nun ebenfalls in Beirut eingesetzt werden. Für die Versorgung der Verletzten fehle es an Medikamenten, technischem Gerät und Platz in den Krankenhäusern.

Das bischöfliche Hilfswerk Misereor befürchtet nun eine Zuspitzung der Krise. Mit der Zerstörung des Hafens falle eine wichtige Versorgungslinie für die libanesische Bevölkerung und die Millionen Flüchtlinge im Land weg. Schon vor der Katastrophe sei es oft nur noch um die Ausstattung mit dem nötigsten gegangen. Immer mehr Menschen drohten in Armut abzurutschen. Gemeinsam mit Syrien war der Libanon das Beispielland der diesjährigen Misereor-Fastenaktion.

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Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ betonte, die Katastrophe erschüttere nicht nur den Libanon, sondern die ganze Welt. Gerade die Kirche in dem konfessionell diversen Land habe viel zur Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak und Syrien geleistet. Die Menschen bräuchten jetzt Solidarität, um das Unglück zu verarbeiten.

Die genaue Ursache für die Explosion ist unterdessen weiter unklar. Medienberichten zufolge sollen rund 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat in einer ungesicherten Lagerhalle im Hafen Feuer gefangen haben und explodiert sein. Nach jüngsten Angaben des Libanesischen Roten Kreuzes wurden mindestens 100 Menschen getötet und mehr als 4.000 weitere verletzt. Örtliche Medien berichten von chaotischen Zuständen; die Stadt wurde zum Katastrophengebiet erklärt.

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