Nasa-Mission Artemis Zum Mond und noch weiter - mit Bremer Hilfe

Mit der Artemis-Mission will die Nasa wieder Menschen auf den Mond bringen. Doch das Projekt kämpft gegen Kritik und Verzögerungen. Dennoch könnte die erste Rakete starten.
05.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Zum Mond und noch weiter - mit Bremer Hilfe
Von Stefan Lakeband

Der Weg zum Mond ist weit. Nicht nur 380.000 Kilometer trennen ihn und die Erde. Auch etliche technische Hürden, politische Entscheidungen und finanzielle Probleme haben dafür gesorgt, dass seit 1972 kein Mensch mehr auf dem Mond gelandet ist. In den kommenden Jahren soll sich das jedoch ändern. Auch dank eines wichtigen Beitrags aus Bremen.

Eigentlich hätten schon im vergangenen Jahr Astronauten den Erdtrabanten besuchen sollen. So hatte es George W. Bush geplant, als er noch US-Präsident war. Dass daraus nichts wurde, lag an seinem Nachfolger: Barack Obama strich das Mond-Programm. Zu teuer, so die Begründung. Es war Donald Trump, der das neue Mondfieber auslöste. Wohl auch mit dem Hintergedanken, die gewaltigen Bilder einer Mondlandung würden positiv auf ihn zurückfallen. Im Jahr 2017 erließ er die Space Policy Directive 1 und gab das Ziel aus, bis 2024 wieder Menschen auf den Mond zu bringen. „Dieses Mal werden wir nicht nur unsere Fahne aufstellen und unseren Fußabdruck hinterlassen“, kündigte er an.

Das Raumfahrtprogramm, das dafür sorgen soll, trägt den Namen Artemis. Sie ist die Mondgöttin in der griechischen Mythologie – und die Zwillingsschwester von Apollon, dem Namenspaten für das erste Mondprogramm der Amerikaner. Artemis besteht wiederum aus verschiedenen Unterprojekten, die die Rückkehr zum Himmelskörper ermöglichen sollen.

Lesen Sie auch

Mond-Projekt der Nasa soll mehr als 18 Milliarden Dollar kosten

Eigens für Missionen zum Erdtrabanten wurde das Space Launch System (SLS) entwickelt. So heißt die Rakete, mit der die Astronauten ins All fliegen sollen. Mehr als 1000 Unternehmen sind an Entwicklung und Produktion beteiligt und sollen das SLS zur leistungsstärksten Rakete machen, die je gebaut wurde. Gänzlich neu ist die Rakete aber nicht: Um die Entwicklung zu beschleunigen und Kosten zu sparen, wurde ein Teil der Technologien – etwa vom Spaceshuttle – übernommen.

Dennoch läuft längst nicht alles wie erhofft. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa musste immer wieder mit Kritik und Rückschlägen kämpfen – teils schon sehr früh. So ist das SLS als politisches Projekt verschrien. Als es 2010 im US-Kongress erdacht wurde, sei es den Abgeordneten hauptsächlich darum gegangen, Arbeitsplätze aus dem Spaceshuttle-Programm zu erhalten, lautet ein Vorwurf. Kritik gab es zudem an den enormen Ausgaben; die Projektkosten sollen bei mehr als 18 Milliarden US-Dollar liegen.

Einen technischen Rückschlag gab es erst vergangenen Monat. Bei einem Test sollten die vier Triebwerke der Hauptstufe acht Minuten lang brennen. Denn so lange dauert es, das SLS vom Startplatz in Florida ins All zu bringen. Beim Test schalteten sich die Antriebe aber schon nach einer Minute ab. Den Erstflug, der noch für dieses Jahr geplant ist, soll das laut Nasa allerdings nicht beeinflussen. Branchenbeobachter halten es aber für möglich, dass er auf 2022 verschoben wird.

Zwei Deutsche kommen für Mondbesuch infrage

Doch sollte sich die Rakete verspäten, geraten auch die anderen Artemis-Projekte unter Druck. Denn ohne SLS kann die Orion-Raumkapsel gar nicht ins All fliegen. Sie sitzt oben auf der Spitze der Rakete und braucht das SLS, um die Erde zu verlassen. Im All angekommen, trennen sich Orion und Rakete, und die Kapsel setzt die Reise mit den vier Astronauten alleine fort. Nach Plan soll das bereits in drei Jahren geschehen. Jan Wörner, der scheidende Generaldirektor der europäischen Raumfahrtorganisation Esa, ist allerdings skeptisch. „Was eine Frage sein könnte, ist das Datum 2024, an dem der erste Amerikaner wieder auf dem Mond ist“, sagte er kürzlich. „Das könnte nicht machbar sein.“

Wörner hofft, dass früher oder später auch europäische Astronauten Teil einer amerikanischen Mondmission sein werden. Mit Alexander Gerst und Matthias Maurer kämen sogar zwei Deutsche infrage. Letzterer sagte schon vor zwei Jahren im Interview mit dem WESER-KURIER: „Wenn ich es mir aussuchen dürfte, wäre der Mond das absolute Traumziel.“ Welche Nation federführend bei der Mission sei, sei egal. „Wichtig ist mir nur, dass das System sicher ist. Ansonsten: Die erste Kapsel, die fliegt, nehme ich“, sagte Maurer.

Versorgt würden er und seine Kollegen vom Europäischen Servicemodul (ESM). Es wird bei Airbus in Bremen gebaut und beliefert das Modul für die Besatzung mit Wasser, Strom und Sauerstoff. Das erste ESM wurde bereits Ende 2019 zur Nasa gebracht und soll beim unbenannten Testflug zum Einsatz kommen. Das zweite ESM aus Bremer Fertigung soll dann mit Astronauten Richtung Mond fliegen.

Lesen Sie auch

Es soll aber nicht nur bei einzelnen Reisen zum Erdtrabanten bleiben: Mit dem Luna Gateway will die Nasa – zusammen mit der Esa, der kanadischen Raumfahrtagentur und der Jaxa aus Japan – eine Raumstation bauen, die den Mond umkreist. Sie soll Ausgangspunkt für regelmäßige Missionen zur Mondoberfläche sein und später auch eine wichtige Rolle bei Reisen zum Mars spielen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+