Sturm der Entrüstung auf Facebook "Oma ist 'ne Umweltsau": WDR löscht satirisches Kinderchorlied

Es war lustig gemeint, doch dann hagelt es Kritik. Der WDR löst mit einem Lied seines Kinderchores über die Umweltsünden „meiner Oma“ eine Welle der Empörung aus. Nun rudert der Sender zurück.
28.12.2019, 11:58
Lesedauer: 3 Min
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Das ging gründlich daneben: Eine vom WDR-Kinderchor als Umweltsatire gesungene Verballhornung des Liedes „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Der Westdeutsche Rundfunk löschte daher vorsorglich das Video von der WDR-2-Facebook-Seite.

In dem Video sangen rund 30 Mädchen im Studio unter anderem die Zeilen: „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau.“ In einer anderen Strophe hieß es: „Meine Oma fährt mit ’nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator.“ Auch die Themen billiges Discounterfleisch und Kreuzfahrten werden nicht ausgespart.

„Das Redaktionsteam bedauert, dass die Satire die Gefühle eines Teils des Publikums verletzt hat“, teilte der Sender mit. Dies sei nicht die Absicht der Aktion gewesen. „Es ging vielmehr darum, den Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstellt, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen.“

Doch der Beitrag ärgerte viele und schlug Wellen – bis in die Politik. CDU-Politiker wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Ruprecht Polenz kritisierten, Kinder würden in der Klimaschutzdebatte von Erwachsenen missbraucht. Der WDR habe mit dem Lied „Grenzen des Stils und des Respekts gegenüber Älteren überschritten“, twitterte Laschet. „Jung gegen Alt zu instrumentalisieren ist nicht akzeptabel.“

Den Vorwurf, die beteiligten Kinder seien instrumentalisiert worden, wies der WDR hingegen zurück. „Dies ist absolut nicht der Fall, trotzdem haben wir uns entschlossen, das Video zu löschen, da schon die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores in­strumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist“, hieß es in einem WDR-2-Facebook-Eintrag. Und in der späteren Stellungnahme: „Wir bedauern, dass offenbar dieser Eindruck vereinzelt entstanden ist.“

Am Ende des Videos sieht man Chormädchen mit ernstem Blick die Lippen bewegen und hört die Stimme der Umweltaktivistin Greta Thunberg: „We will not let you get away with this“ (Wir lassen euch damit nicht davonkommen).

„Warum sendet man so einen Unverschämtheit?“, schrieb eine Nutzerin empört auf Facebook über das Lied. „Unterirdisch“, „unterstes Niveau“, „eine einzige Frechheit“, meinten andere. Einige aber zeigten auch Verständnis: „Wenn man das Alter der Kinder beachtet, sind die heute 50- bis 70-Jährigen gemeint (...) Da steckt schon wahres drin.“ Auch Satiriker Jan Böhmermann äußerte sich: „Wer sich jeden Tag billiges Discounterfleisch aufbrät, ist eine Umweltsau.“

Aufgezeichnet worden war das Lied für WDR 2 und erstmals Freitag gegen Mittag im Radio gelaufen, bevor das Video am Nachmittag auf Facebook gepostet wurde. Am späten Freitagabend wurde es nach Angaben des Senders dann von der WDR-2-Homepage genommen und auch auf Facebook gelöscht. Stattdessen platzierte das Haus eine Entschuldigung, die ebenfalls viele tausend Mal kommentiert wurde. Auch der Thüringen-Ableger von Fridays for Future ging auf Distanz zum WDR-Beitrag: „SUV sind ein Pro­blem. Fliegen ist ein Problem. Kreuzfahrten sind ein Problem. Täglicher Fleischkonsum ist ein Problem. Meine Oma ist KEIN Problem und schon gar keine Umweltsau“, schrieb Fridays for Future Thüringen auf Twitter.

In einer WDR-Spezialsendung zum Thema entschuldigte sich schließlich der WDR-Intendant und künftige ARD-Vorsitzende Tom Buhrow „ohne Wenn und Aber“ für die Satire: „Das Video war ein Fehler.“

+++Dieser Text wurde um 19.59 Uhr aktualisiert+++

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