Bei der English Football Week in Verden werden beim Kicken auch die Fremdsprachenkenntnisse gefördert Passen, schießen, englisch lernen

Fußball spielen und Englisch lernen, auf den ersten Blick zwei völlig unterschiedliche Tätigkeiten. Dass diese aber auch kombiniert werden können, zeigen momentan 19 Jugendliche in Verden bei den English Football Weeks. Bei diesen Sommercamps soll während des gesamten Trainings und des Rahmenprogramms so viel Englisch wie möglich gesprochen werden.
16.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Passen, schießen, englisch lernen
Von Marius Merle

Fußball spielen und Englisch lernen, auf den ersten Blick zwei völlig unterschiedliche Tätigkeiten. Dass diese aber auch kombiniert werden können, zeigen momentan 19 Jugendliche in Verden bei den English Football Weeks. Bei diesen Sommercamps soll während des gesamten Trainings und des Rahmenprogramms so viel Englisch wie möglich gesprochen werden.

Verden. Dreieinhalb Stunden ist der zwölfjährige Maximilian aus Brandenburg angereist, um bei der ersten English Football Week in Verden dabei zu sein. Auch die anderen 18 teilnehmenden Jugendlichen haben teils weite Anreisen aus Hannover, Hamburg oder sogar Berlin hinter sich. Jungen aus dem Landkreis Verden sucht man hingegen seltsamerweise vergeblich. Aber warum nehmen viele Andere für ein einwöchiges Sommercamp solch einen Aufwand in Kauf? Das Geheimnis liegt im zunächst etwas seltsam anmutenden Programm, denn neben den fußballerischen Fähigkeiten sollen gleichzeitig auch die Kenntnisse in der englischen Sprache gefördert werden.

Für die Organisation der Veranstaltung sorgt ferienfussball.de, die im gesamten Bundesgebiet und auch im Ausland Fußballcamps für Kinder und Jugendliche anbieten. Die English Football Week hingegen, die derzeit dreimal in den kommenden Wochen stattfinden wird, ist ein spezielles Angebot, das es in dieser Form nur an zwei Standorten in Deutschland gibt. Einer davon befindet sich in Verden. Während der jeweils sieben Tage leben die 12- bis 15-Jährigen in der Jugendherberge. Tagsüber geht es dann raus auf das gegenüberliegende Sportgelände.

Immer wieder fragende Blicke

Dort müssen die Jugendlichen dann nicht nur vollen Einsatz bei den Übungen mit dem Ball zeigen, sondern gleichzeitig auch ihr Sprachenzentrum im Gehirn bemühen. "Während der Trainingseinheiten spreche ich mit den Kindern ausschließlich englisch, und auch untereinander sollen sie so wenig deutsch wie möglich reden", erklärt Betreuer Steven Halaimia.

Der gebürtige Stuttgarter ist für die Camps aus dem englischen Leeds angereist, wo er als Sportlehrer tätig ist. Einige Teilnehmer haben mit der Doppelaufgabe hin und wieder noch ihre Probleme. Wenn Halaimia plötzlich Anweisungen gibt, erntet er manchmal fragende Blicke. Vieles muss er wiederholen oder auf die deutsche Sprache ausweichen, um etwa die nächste Übung zu erklären. Am zweiten Tag sei das aber auch kein Wunder, wie er sagt. "Manchmal ist es schon etwas schwierig, aber den Großteil verstehe ich doch", sagt der 14-jährige Nicolaas aus Hannover, der zugibt, dass es natürlich seine Eltern gewesen seien, die ihn zur Anmeldung motiviert hätten.

Damit ist er nicht allein in der Gruppe, denn vielen Erziehungsberechtigten gefalle das gemischte Programm aus Sport und Lernen für die Sommerferien. "Bei mir waren es auch hauptsächlich die Eltern, die, trotz einer Eins in Englisch wollten, dass ich meine Aussprache verbessere", sagt Maximilian. Dennoch sind sich die 19 Jungen darin einig, dass die gemeinsamen Tage auch viel Freude bringen. Und sobald sie spielen dürfen, sind auch die teilweise auftretenden Verständigungsprobleme vergessen, denn, egal welche Sprache drum herum gesprochen werde, am Ende geht es beim Fußball doch immer darum, den Ball im Tor unterzubringen.

Dass der Spielspaß im Vordergrund stehe, hebt auch Halaimia hervor. Nichtsdestotrotz solle auch abseits des Sportplatzes, etwa beim gemeinsamen Frühstück, bei einem abendlichen Tischtennisturnier oder auch einem DVD-Abend weiter hauptsächlich die Fremdsprache verwendet werden.

Auf einem Nachbarplatz tummelt sich derweil die Gruppe eines weiteren Fußballcamps von ferienfussball.de. Hier geht es für die Kinder zwischen 8 und 14 Jahren jedoch einzig und allein ums Kicken und nicht darum, die Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern. So hatte es zumindest der Plan der Organisatoren vorgesehen. Da war jedoch noch nicht bekannt, dass sich zwei Schüler aus Amerika für das Junior Camp in Verden anmelden würden. "Die beiden nutzen den Aufenthalt, um neben den sportlichen Aktivitäten ihre Deutschkenntnisse zu verbessern", erzählt eine Betreuerin. Sie machen aus dem Camp sozusagen ihre ganze persönliche German Football Week.

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