Loveparade-Katastrophe in Duisburg Polizei: Auch Bremer und Niedersachse unter den Toten

Duisburg. Die deutschen Opfer bei der Loveparade in Duisburg stammen vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen. Das teilt die Duisburger Polizei zum Abschluss der Identifizierung der insgesamt 19 Leichen mit.
25.07.2010, 09:10
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Duisburg. Die deutschen Opfer bei der Loveparade in Duisburg stammen vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen. Zum Abschluss der Identifizierung der insgesamt 19 Leichen teilte die Polizei mit, die elf Deutschen seien aus den Städten Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Bielefeld, Mainz, Lünen, Hamm, Bremen, Steinfurt und Osnabrück angereist. Die Bremer Polizei wusste bis Redaktionsschluss nichts über ein mögliches Bremer Opfer.

Unter den Opfern der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg ist auch ein junger Mann aus Niedersachsen. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf Polizeikreise. Bei dem Toten handele es sich um einen 21-Jährigen, der in der Gemeinde Belm bei Osnabrück bei seinen Eltern lebte. Die Eltern seien in der Nacht noch informiert worden. Ein Polizist und ein Notfallseelsorger hätten die Todesnachricht überbracht. Die Polizei wollte keine offizielle Bestätigung abgeben. Erst am Montag solle es Auskünfte geben, wenn alle Opfer identifiziert und die Angehörigen informiert seien.

Eine getötete Chinesin lebte in Düsseldorf, zwei junge Spanierinnen kamen aus Münster. Die anderen ausländischen Opfer stammen aus Australien, den Niederlanden, Italien und Bosnien-Herzegowina.

"Nach der tödliche Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg mit 19 Toten hat die Staatsanwaltschaft offiziell die Ermittlungen aufgenommen. Die weltweit bekannte Technoparade soll zudem in Zukunft nicht mehr stattfinden. Zwei Strafanzeigen gingen bisher ein. Bei der Massenpanik am Samstag wurden rund 340 Menschen verletzt.

"Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat sofort ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte Detlef von Schmeling vom Polizeipräsidium Duisburg am Sonntag bei einer Pressekonferenz der Stadt und der Veranstalter. Die Toten waren zwischen etwa 20 und 40 Jahre alt.

Noch sei unklar, wie viele Besucher insgesamt bei der Loveparadewaren, sagte von Schmeling. Die bisher genannte Zahl von 1,4 Millionen könne er zunächst nicht bestätigen. Als einzige feststehende Zahl nannte er 105 000 Menschen, die in der Zeit von 9.00 bis 14.00 Uhr mit der Bahn nach Duisburg gekommen seien.

Die Veranstalter wollten sich nicht dazu äußern, wie der Zugang durch den Tunnel zum Festgelände vor Beginn der Loveparademit Blick auf die Sicherheit der Besucher bewertet worden war. Der Sprecher der Veranstalter Lopavent, Björn Köllen, verwies auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Von Schmeling sagte, dass die Polizei vor dem Unglück eine zweite Zugangsrampe geöffnet habe, damit der Druck auf den ersten Zugang nachlassen könne. Teil des Sicherheitskonzeptes sei gewesen, den Zugang zum Tunnel zu regulieren. Das sei den ganzen Tag über durch die Polizei erfolgt. Der Zugang zum Gelände sei zu keinem Zeitpunkt gesperrt gewesen. Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens hat es nach Informationen von Schmeling durchaus noch Bewegungsmöglichkeiten auf der Rampe gegeben

Der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, verkündete das "Aus" der Technoparade. "Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären", sagte er. "Mir ist alles daran gelegen, die Geschehnisse vollständig aufzuklären." Die Technoparty - die vor 21 Jahren in Berlin gegründet wurde - findet damit auch nicht wie geplant im kommenden Jahr in Gelsenkirchen statt.

Kritikpunkt vieler Augenzeugen war stets das Sicherheitskonzept und die Organisation der Massenparty. Tausende Menschen hatten sich in einem Tunnel zum Veranstaltungsgelände gestaut. Die Polizei war mit mehr als 4000 Kräften vor Ort.

Der Leiter der Duisburger Krisenstabs, Wolfgang Rabe, erklärte, er habe am Sonntagmorgen alle seine Unterlagen der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. Vor der Presse wollte er wegen der bereits begonnenen Ermittlungen keine weitere Aussagen machen. Er sagte, der Veranstaltungsplatz auf dem alten Güterbahnhof könne grundsätzlich bis zu 300 000 Menschen aufnehmen. Er sei zum Zeitpunkt der Unglücks nicht vollständig gefüllt gewesen.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zeigte sich tief erschüttert. "Die Trauer vermag ich nicht in Worte zu kleiden, dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht in Worte fassen kann". Er warnte vor voreiligen Schuldzuweisungen. Die Staatsanwaltschaft müsse ermitteln, den Behörden seien Akten dazu übergeben worden. (dpa)

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