Fastenmonat der Muslime

Was Sie zum Ramadan wissen sollten

Für rund 1,9 Milliarden Muslime beginnt am Dienstag der Fastenmonat Ramadan. Er endet am 12. Mai, darauf folgt dann das Fest des Fastenbrechens. Wir klären die wichtigsten Fragen und Antworten.
12.04.2021, 11:52
Lesedauer: 3 Min
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Was Sie zum Ramadan wissen sollten
Von Jan-Felix Jasch
Was Sie zum Ramadan wissen sollten

Im Ramadan beten viele Muslime besonders häufig.

Maurizio Gambarini

Für rund 1,9 Milliarden Muslime weltweit beginnt an diesem Dienstag der Fastenmonat Ramadan. Zum zweiten Mal in Folge findet die Zeit unter Corona-Bedingungen statt. Sie endet in diesem Jahr am 12. Mai. Wir klären die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet Ramadan?

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Sein Name kommt aus dem Arabischen. Er leitet sich aus der Wurzel „ramida“ ab und steht für „brennende Hitze und Trockenheit“. Nach islamischer Überzeugung wurde dem Propheten Mohammed in diesem Monat der Koran offenbart. Im Ramadan fasten gläubige Muslime.


Warum fasten Muslime in dieser Zeit?

Die „brennende Hitze“ soll nicht auf die Jahreszeit, sondern auf das Gefühl im Magen des Fastenden verweisen. Das Fasten („Saum“) gehört neben dem Glaubensbekenntnis („Schahada“), dem täglich fünfmaligen Gebet („Salat“), der Almosensteuer („Zakat“) und der Pilgerfahrt nach Mekka („Hadsch“) zu den fünf sogenannten Säulen des Islam.

Für wen gilt das Fastengebot?

Das Fastengebot gilt für alle Muslime ab der Religionsmündigkeit, was dem Alter von etwa 14 Jahren entspricht. Maßgeblich sind die Verse 183 bis 185 von Sure 2. Diese Koranpassage beginnt mit den Worten: „Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrieben zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist.“ Zwischen dem Beginn der Morgendämmerung und dem Sonnenuntergang ist Muslimen Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr untersagt.

Was hat ein gläubiger Muslim während des Ramadan zu beachten?

Mit dem „Iftar“, dem gemeinsamen Abendessen, wird das Fasten täglich beendet. Gegebenenfalls folgen spezielle Gebete („Tarawih“). An den Ramadan schließt sich das dreitägige Fest des Fastenbrechens, arabisch „Id al Fitr“, an. Im Türkischen heißt das Fest „ramazan bayram“ („Ramadanfest“). Ausgenommen vom Fastengebot sind Kinder, Alte, Kranke, Schwangere und Reisende.

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Warum verschiebt sich der Ramadan von Jahr zu Jahr?

Die islamische Kalenderrechnung orientiert sich anders als der im Westen gebräuchliche gregorianische Kalender am Mond und nicht an der Sonne. Demnach hat das Jahr nur rund 354 und nicht 365 Tage. So kommt es, dass der Ramadan zwar immer rund 30 Tage dauert, aber jedes Jahr um etwa 11 Tage nach vorn wandert.

Wie blicken Muslime heute auf den Ramadan?

Der Fastenmonat hat im islamischen Glauben einen hohen Stellenwert, bietet aber zugleich Stoff für Kontroversen - auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft. Das fängt mit seiner terminlichen Festlegung an, die aufgrund unterschiedlicher Berechnungsgrundlagen nicht einheitlich ist. In Deutschland folgen die großen Islamverbände seit 2008 den Vorgaben der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC).

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Muslime, die in Skandinavien am Polarkreis leben, orientieren sich im Sommer, wenn die Sonne praktisch nicht untergeht, zumeist an den Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei.

Welche Auswirkungen hat der Ramadan?

Viele Muslime empfinden die Fastenzeit als eine Zeit der Reinigung. Aber der Verzicht auf Wasser und Nahrung während des Tages scheint nicht jedem gut zu bekommen. So häufen sich in Saudi-Arabien zu dieser Zeit Medienberichten zufolge Unfälle im Haushalt und im Straßenverkehr, weil die Menschen müde und überreizt sind.

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Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie?

Bereits im vergangenen Jahr hatte es Diskussionen gegeben, den Ramadan wegen Corona zu verschieben. Davon hält der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, nichts. Wer an Corona erkrankt sei, sei ohnehin vom Fastengebot ausgenommen. Die Unversehrtheit des Körpers genieße auch unter religiösen Gesichtspunkten oberste Priorität. Zugleich müssten sich die Muslime wie im vergangenen Jahr auf Einschränkungen einstellen. Die Hygiene- und Abstandsregeln seien einzuhalten. Das Gleiche gelte für die in den jeweiligen Bundesländern geltenden Corona-Bestimmungen. Viele Moscheevereine wollen zudem Angebote im Internet bereitstellen.

Pilgerfahrten ins saudi-arabische Mekka sind laut Medienberichten nur für diejenigen möglich, die eine solche Impfung bereits erhalten haben. Viele Muslime begeben sich während des Fastenmonats auf die sogenannte kleine Pilgerfahrt (Umra) außerhalb des Hadsch.

Wie wird der Ramadan in Bremen begangen?

Nach jetzigem Stand sollen in den Mitgliedsgemeinden der Schura Bremen die gemeinsamen nächtlichen Tarawih-Gebete stattfinden, die Mahle zum Fastenbrechen finden jedoch nicht statt. Das teilte die islamische Religionsgemeinschaft mit. Gleichzeitig appellierten sie an die rund 60.000 Muslime in Bremen, „die geltenden behördlichen Corona-Auflagen dringend einzuhalten.“ Trotz der Einschränkungen werden ausgewählte Gemeinden in einigen Flüchtlingsunterkünften tägliche Essenspakete für Fastende vorbereiten und zur Abholung bereitstellen, heißt es weiter. (mit KNA)

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