Tourismus Niedersachsen: Reisebranche erwartet starke Nachfrage und hohe Preise

Die Reisezeit rückt immer näher - nach zwei Corona-Jahren mit Reisebeschränkungen sind Touristiker in Niedersachsen voller Hoffnung. Aber: Der Krieg in der Ukraine und hohe Preise belasten die Branche.
19.05.2022, 12:36
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Die Tourismusbranche in Niedersachsen erwartet einen starken Sommer, dürfte aber angesichts steigender Kosten für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe die Preise erhöhen. Die Corona-Pandemie habe die Branche „stark in Mitleidenschaft gezogen“ und die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine träfen die Betriebe erneut - während die Pandemie als Belastung bleibe, sagte die Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen (IHKN), Birgit Stehl, der Deutschen Presse-Agentur. Die Erwartungen seien hoch, die Risiken aber auch.

Für 89,1 Prozent der Tourismusbetriebe seien die gestiegenen Kosten der entscheidende Dämpfer und das größte Risiko - noch vor dem Fachkräftemangel, der lange das größte Problem der Branche war, sagte die Tourismussprecherin der IHK Niedersachsen, Kerstin Kontny. „Das ist etwas, das wir so noch nie hatten.“ Immerhin 82,7 Prozent der Unternehmen wollten die Preise erhöhen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage unter gut 580 Betrieben im Land, die zwischen dem 6. April und dem 6. Mai geführt wurde. „Wir sehen deutlich, dass die Kosten steigen“, sagte sie.

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Stehl ergänzte, auch die Inflation und auch die Zinsen stiegen - „das ist besorgniserregend“. Daher sei es notwendig, die Preise zu erhöhen, und die Akzeptanz der Verbraucher sei da, schließlich beträfen die wachsenden Kosten nicht nur eine Branche, sondern jeden einzelnen.

Gleichzeitig sei die „Reiselust der Deutschen weiter vorhanden“, betonte Kontny. Sobald Fernreisen wieder sicher möglich seien, dürfte ein Teil der Urlauber diese nachholen wollen - sie hoffe aber darauf, dass dafür der Zweit- oder Dritturlaub im eigenen Land verbracht werde. Denn in der Corona-Zeit hätten „viele Deutschland und Niedersachsen ein bisschen liebgewonnen und das eigene Land schätzen gelernt“.

Laut dem aktuellen Stimmungsbild von Anfang April bis Anfang Mai sah es im niedersächsischen Tourismus hoffnungsvoll aus. Der Saisonumfrage zufolge gehen die meisten Betriebe von einer günstigeren oder zumindest gleichbleibenden Geschäftslage aus: Immerhin 50 Prozent der Reisebüros und -veranstalter erwarten demnach eine günstigere Entwicklung, im Gastgewerbe sind es 45,9 Prozent, unter den Beherbergungsbetrieben 45,4 Prozent und in der Gastronomie 46,9 Prozent. Ihre bisherige Lage schätzen sie deutlich schlechter ein - nur 7,7 Prozent der Reiseveranstalter beurteilte sie als gut, im Gastgewerbe waren es 18,4 Prozent, bei den Beherbergungsbetrieben 19,0 Prozent und in der Gastronomie 15,3 Prozent.

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Auch der Personalmangel treibt die Branche weiter um - 73,1 Prozent der befragten Unternehmen sahen dies als größtes Problem. Die Coronakrise habe den ohnehin starken Fachkräfte noch einmal verschärft, weil Personal in andere Branchen abwanderte, warnte Stehl. Insgesamt 43,6 Prozent der Betriebe hätten gemeldet, dass Personal in der Pandemie abgewandert sei, 63,8 Prozent hätten Stellen längerfristig nicht besetzen können, sagte Kontny. Die Folge: Viele Betriebe gingen von Mehrarbeit für ihr Personal aus (67,3 Prozent) oder befürchteten, ihr Angebot einschränken zu müssen (63,2 Prozent).

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