Ein Todesopfer

Schnee-Chaos auf Straßen in Niedersachsen und Bremen

Der Wintereinbruch hat am Wochenende im Norden zu zahlreichen Verkehrsunfällen geführt. In der Nähe von Cuxhaven starb ein Mann. Auch Nah- und Fernverkehr waren betroffen.
11.12.2017, 05:51
Lesedauer: 3 Min
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Heftiger Schnee und Glätte haben am Wochenende in Niedersachsen den Verkehr behindert. Überall im Land gab es schwere Unfälle. Autofahrer kamen ins Rutschen. Bei Cuxhaven starb ein Mann. Aber auch Nah- und Fernverkehr wurden teilweise eingestellt.

In Osnabrück kam der Busverkehr komplett zum Erliegen. "Der Busverkehr wird ab sofort komplett eingestellt", schrieb die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück am späten Sonntagnachmittag auf Twitter. Ob die Busse am Montag wieder fahren, war am Abend noch unklar. Das Unternehmen will seine Kunden am Morgen so schnell wie möglich informieren, betonte allerdings: "Sicherheit geht vor!"

Auch der Betrieb am Bremer Flughafen war gestört. Einige Ankünfte und Abflüge fielen am Abend aus, wie auf der Internetseite des Airports angezeigt wurde. So wurden etwa die Verbindungen nach Frankfurt, München und London gestrichen. Am Montag fallen jeweils zwei Verbindungen nach Amsterdam und von Amsterdam nach Bremen aus.

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In der Nähe von Cuxhaven kam am Samstagnachmittag ein Mann ums Leben, der auf dem Seitenstreifen der Autobahn 27 nach einer Panne auf den Abschleppdienst wartete. Er wurde von einem 49-Jährigen angefahren, der auf der teilweise glatten Straße nach rechts abgekommen war.

Auf einer Landstraße in der Gemeinde Auetal (Landkreis Schaumburg) ist ein mit 47 Menschen besetzter Reisebus vermutlich wegen Schnee und Glätte umgekippt. Zwei Menschen wurden bei dem Unfall am Sonntagabend leicht verletzt und zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht, wie die Polizei mitteilte. Schwerverletzte gab es nicht. Die Feuerwehr entfernte eine Scheibe des Busses, damit die Menschen aus dem Bus klettern konnten. Bei der Reisegruppe handelte es sich nach Polizeiangaben um Senioren.

Im Oberharz wurden in der Nacht zum Sonntag drei Menschen schwer verletzt, als ein 28 Jahre alter Autofahrer auf winterglatter Fahrbahn die Kontrolle über seinen Wagen verlor und frontal gegen einen Baum krachte.

Glück im Unglück hatte ein 27-Jähriger am Vormittag auf der A7 zwischen Schneverdingen und Soltau-Ost. Er kam nach dem Überholen auf glatter Straße mit seinem Wagen ins Schleudern und überschlug sich. Das Auto blieb auf dem Dach liegen, der junge Mann blieb aber unverletzt.

Dramatisch war ein Unfall im Kreis Stade: Ein 20-Jähriger prallte bei Himmelpforten gegen zwei Bäume und wurde aus seinem Wagen in einen Wassergraben geschleudert. Mutige Ersthelfer hielten ihn so lange über Wasser, bis Rettungskräfte eintrafen. Auch er erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Nach dem Schneefall fuhr bei Buxtehude außerdem ein Triebwagen gegen einen Baum, der auf die Gleise gestürzt war. Eine Frau im Zug wurde bei dem Aufprall leicht verletzt.

In Haren im Emsland kam ein 23-Jähriger mit seinem Wagen von der Straße ab, prallte gegen einen Baum und wurde lebensgefährlich verletzt.

Ganz Deutschland verschneit

Auch in anderen Regionen Deutschlands hatten Polizei und Rettungsdienste viel zu tun. Da viele Autofahrer angesichts von Eis und Schnee das Tempo drosselten, gingen viele Unfälle glimpflich aus. In den meisten Fällen sei es bei Blechschäden geblieben, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Heilbronn in Baden-Württemberg, die in der Nacht ebenfalls rund 70 mal wegen hauptsächlich witterungsbedingter Unfälle ausrücken musste.

Am Alpenrand warnte der Deutsche Wetterdienst am frühen Montagmorgen vor Unwettern. Erwartet wurden unter anderem starke Winde.

Im nordrhein-westfälischen Eschweiler bei Aachen stürzte ein 15 Meter hoher Baum auf ein Kinderkarussel. Bei dem Unglück waren am Sonntagabend fünf Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwer. Der Bruch des Baumstamms könne unter Umständen auf starke Windböen im Zuge des Wintereinbruchs zurückzuführen sein, erklärte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen laufen.

Die Bahn sperrte wegen des Wintereinbruchs die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main bis Montagmorgen. Die Fernverkehrszüge wurden umgeleitet. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main sollte am Morgen wieder frei sein. Man habe sich für die Sperrung entschieden, um mögliche witterungsbedingte Schäden zu beheben, damit die Züge am Montag wieder pünktlich rollen, hieß es bei der Bahn. Am Abend mussten Reisende mit rund 40 Minuten Verspätung rechnen, einige strandeten etwa am Kölner Hauptbahnhof. Im Regionalverkehr sei am Montag vor allem in Norddeutschland noch mit Verspätungen zu rechnen, sagte eine Bahnsprecherin.

An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main entfielen am Sonntag bis zum Nachmittag mehr als 260 Flüge, verzögerten sich oder wurden umgeleitet. Eine Fraport-Sprecherin bezeichnete die Situation als "dramatisch". Selbst auf den geräumten und gestreuten Bahnen seien wegen des anhaltenden Schneefalls nicht die vorgeschriebenen Bremswerte erreicht worden. Bei den Reisenden in Hessen lagen die Nerven blank, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Flughafen am frühen Morgen sagte. Auch in München, Hamburg, Berlin, Köln und Düsseldorf fielen Flüge aus. (dpa)

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