Dennis Albrechts turbulenter Weg zum Schwarzgurt / Einmal im Jahr zum Karatetraining nach Japan Sieg des Kampfsports über die Gewalt

Es klingt wie die Handlung eines mittelmäßigen Karate-Films – und ist absolute Lebenswirklichkeit: Ein kleiner Junge glorifiziert seinen Filmhelden Bruce Lee, hat Probleme mit Schlägern, fühlt sich hilflos und ausgeschlossen. Durch diszipliniertes Training und die Ideale des japanischen Kampfsports besitzt er am Ende selbst einen Schwarzgurt. Vor allem findet er zu sich selbst. Dennis Albrecht, heute 37 Jahre alt, hat diesen Weg beschritten. Er wurde als Jugendlicher durch die Kampfkunst geläutert. Heute möchte er schon die Jüngsten an den "Lebensweg Karate" heranführen.
10.04.2013, 05:00
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Es klingt wie die Handlung eines mittelmäßigen Karate-Films – und ist absolute Lebenswirklichkeit: Ein kleiner Junge glorifiziert seinen Filmhelden Bruce Lee, hat Probleme mit Schlägern, fühlt sich hilflos und ausgeschlossen. Durch diszipliniertes Training und die Ideale des japanischen Kampfsports besitzt er am Ende selbst einen Schwarzgurt. Vor allem findet er zu sich selbst. Dennis Albrecht, heute 37 Jahre alt, hat diesen Weg beschritten. Er wurde als Jugendlicher durch die Kampfkunst geläutert. Heute möchte er schon die Jüngsten an den "Lebensweg Karate" heranführen.

VON DAVID ROSENGART

Achim. Bereits im Film habe er sein Vorbild Bruce Lee bewundert. "Damals wusste ich natürlich noch gar nicht, dass der Schauspieler kein Karate praktiziert", schmunzelt Dennis Albrecht heute. Früh besuchte er eine Kampfsportschule, machte erste Erfahrungen in den unterschiedlichsten Sparten und kam schon in jungen Jahren mit roher Gewalt in Kontakt. Noch gut könne er sich erinnern, dass seine kleine Schwester auf dem Nachhauseweg mit einem Messer bedroht worden sei – damals, als seine Familie noch in der Bremer Vahr lebte. Wenig später zogen sie nach Etelsen, für den kleinen Dennis eine Zäsur. "Ich war für die der Fremde, so etwas wie ein Außerirdischer. Es war schwer, in diese eingeschworene Gemeinschaft reinzukommen", berichtet Albrecht, der hauptberuflich als Mediendesigner tätig ist. Nach einer falschen Beschuldigung wurde er als Zwölfjähriger von einem jungen Erwachsenen zusammengeschlagen. Mit schweren Prellungen landete Dennis Albrecht im Krankenhaus. "Eine Mitschülerin warf mir vor, eine andere drangsaliert zu haben. Dass das nicht der Fall war, interessierte den großen Bruder des Mädchens nicht. Er ging auf dem Schulhof auf mich los", schildert der Vater einer Tochter.

Angreifer außer Gefecht gesetzt

Dieser Überfall veränderte das Leben des damals unsicheren, irgendwie verlorenen Jugendlichen – auch im positiven Sinne. "Mir war klar, so etwas wird und darf nie wieder passieren", sagt Albrecht. Der Heranwachsende besuchte einer Bremer Karateschule, begab sich in die Obhut eines erfahrenen Meisters. Er trainierte eifrig fünfmal in der Woche, ergänzte seine Übungen durch Schwerkampf und Kick-Boxen. "Natürlich: Zunächst war mein Motiv Rache – und das war eindeutig falsch", weiß Dennis Albrecht heute.

Wenig später traf er erneut auf einige seiner Peiniger. Zu fünft gingen sie auf ihn los, wollten sein Martyrium fortsetzen. Diesmal stand der Konflikt unter anderen Vorzeichen: Mit wenigen Handgriffen hatte der mittlerweile trainierte Karatekämpfer die Aggressoren außer Gefecht gesetzt.

Diese Lebenserfahrungen bestimmen die Einstellung des Mediendesigners noch heute. "Karate ist ein Lebensweg. Die ideelle Förderung durch die asiatischen Traditionen und Werte ist beachtlich." Über zehn Jahre leitete der Achimer ein sogenanntes Dojo – so nennen Anhänger des Kampfsportes ihre Schule – in Bremen-Brinkum.

Sein Meister Schlatt stammt aus Baden-Württemberg, ist Japanologe und renommierter Meister des Kampfsportes. Experten schwören auf die Fachbücher des japanischen Meisterkämpfers. Durch jährliche Trainingseinheiten in Japan verfeinert Schwarzgurtträger Albrecht seine Kampfkünste. Er versucht, die Mentalität der Shotokan-Richtung, so der genaue Name des Stils, noch tiefer zu durchdringen. Neben dem sportlichen Aspekt sei die Philosophie der japanischen Kunst unglaublich fesselnd, so Albrecht. Inspiriert durch ihren Vater hat die fünfjährige Tochter Lilly Saguri – ein japanischer Name – bereits mit drei Jahren Interesse am Kampfsport gefunden. "Für die Jüngsten gibt es leider fast keine Angebote in der Region, obwohl gerade Karate in jeder Lebensphase als Sport geeignet ist", betont Albrecht.

Karate für Kinder ab drei Jahren

Mit seiner Kumadera Karateschule will er nun auch Kindern ab drei Jahren die Möglichkeit geben, sich an der Kampfsportart zu versuchen. Klar sei, dass für so junge Sportler ein spezielles Programm entwickelt werden musste. "Aus meiner jahrelangen Erfahrung und aus zahlreichen Kooperationen mit anderen Karatemeistern habe ich schließlich das ,Tempelbären-Programm’ – so auch die Übersetzung des Namens der neuen Schule, konzipiert", erläutert der Familienvater. Unterstützt wird er von einigen erfahrenen Karateschülern. Seine Ehefrau Michaela begleitet das ambitionierte Projekt ebenfalls. Auch die Prüfungsmodalitäten habe er für die Jüngsten zugänglicher gestaltet – aber natürlich können auch die anerkannten farbigen Gurte erlangt werden. Dennis Albrecht fungiert seit Jahren als Prüfer.

Disziplin, Selbstbewusstsein, Koordination – das seien die Aspekte, die durch das frühe Karatetraining am meisten gefördert werden, betont Albrecht. Je nach Alter sollen die Jungen und Mädchen in gestaffelten Gruppen die Kampfkunst Schlag für Schlag, Wurf für Wurf erlernen. Als Übungsstätte dienen Räumlichkeiten im Achimer Sportzentrum "Fitness Loft".

Am Sonntag, 14. April, präsentiert Dennis Albrecht seine neue Karateschule erstmalig im Rahmen eines Tages der offenen Tür der Öffentlichkeit. Von 10.30 bis 15.30 Uhr können interessierte Eltern und Kinder einem Probetraining beiwohnen, Vorführungen beobachten und allgemeine Informationen einholen. "Wer Interesse hat, kann den ganzen Tag über vorbeikommen", sagt Schulgründer Dennis Albrecht.

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