Es ist nie zu spät für eine zweite Karriere Sky du Mont moderiert am Donnerstag, 27.05., 20.15 Uhr, die ARD-Gala "Die schönsten Grand Prix Hits aller Zeiten"

Vom Schauspieler zum Moderator: Sky du Mont präsentiert zusammen mit Kim Fisher eine Rückschau auf beliebte "Grand Prix"-Hits.
23.04.2010, 00:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Rupert Sommer

Vom Schauspieler zum Moderator: Sky du Mont präsentiert zusammen mit Kim Fisher eine Rückschau auf beliebte "Grand Prix"-Hits.

Beim Schuh des Manitu: Dass die ARD permanent auf der Suche nach neuen Talenten ist, steht der Sendergruppe gut zu Gesicht. Den beliebten Schauspieler Sky du Mont zum Moderator einer Gala-Sendung zu machen, ist eine kühne Idee - die gut funktionieren könnte. Der weltläufige TV- und Kinostar, der im Hollywood-Meisterwerk "Eyes Wide Shut" schon mit Nicole Kidman Walzer tanzen durfte, hat nicht nur perfekte Manieren, einen gut geschulten Musikgeschmack, sondern auch eine Extraportion Schlagfertigkeit auf der Hinterhand. Gut möglich, dass ihm schon bald eine zweite Laufbahn als Entertainer bevorsteht. Am Donnerstag, 28. Mai, um 20.15 Uhr, richten sich die Kameras auf ihn, wenn er zusammen mit Kim Fisher im Ersten durch die Gala "Die schönsten Grand Prix Hits aller Zeiten" führt. Eine Show, die das Publikum auf den zwei Tage später stattfindenden Eurovision Song Contest 2010 in Oslo einstimmen soll.

teleschau: Herr du Mont, hätten Sie sich selbst einmal mit dem Grand Prix oder dem Eurovision Song Contest, wie man ihn heute nennt, in Verbindung gebracht?

Sky du Mont: Nein, ganz ehrlich nicht. Es war eine Anfrage, bei der ich mich gefragt habe, ob das für mich als Schauspieler etwas sein kann. Moderiert habe ich allerdings schon einige Sachen, etwa bei Abendveranstaltungen. Nach kurzem Überlegen konnte ich mich sehr wohl mit dem Projekt anfreunden.

teleschau: Und was macht Sie zum Grand-Prix-Kenner?

Sky du Mont: Meine Frau und ich schauen tatsächlich schon länger gemeinsam den Grand-Prix an - obwohl wir eigentlich schon aus zwei verschiedenen Generationen stammen. Mir gefällt, dass man sich bei dem Wettbewerb Europa nicht gerade musikalisch unterwirft, sondern freundschaftlich hingibt - und darauf hofft, dass die anderen Länder Punkte dafür geben. Ich finde, das hat Charme. Außerdem macht die Entscheidung sehr spannend, dass es ja immer neue Tendenzen gibt - Östliches gegen Westliches, viel Show gegen Purismus und den allgemeinen Konkurrenzkampf der Stilrichtungen. Diese Vielfalt macht den Grand Prix für mich faszinierend.

Sky du Mont: Besser hätten Sie es ja nicht treffen können. Mit Lena Meyer-Landrut wird der Eurovision Song Contest in diesem Jahr aus deutscher Sicht so spannend wie selten zuvor.

teleschau: Aber das denken wir uns doch eigentlich jedes Jahr, oder etwa nicht? Diesmal haben wir, glaube ich, tatsächlich ein besseres Lied.

teleschau: Und Sie können von der neuen Begeisterung für den Song Contest mit profitieren. Oder sehen Sie den Wirbel um Lena gelassener?

Sky du Mont: Ich glaube jedenfalls, dass nicht immer das Lied gewinnt, das uns am besten gefällt. Das war jetzt ein wenig diplomatisch formuliert: Es gibt auch Wettbewerbsbeiträge, in denen mehr Show steckt. Ich fand es blöd, dass im vergangenen Jahr Dita von Teese im Hintergrund einen Striptease abzog. Das hatte mit der Musik gar nichts zu tun.

teleschau: Klingt ein wenig so, als ob Sie ein Musik-Purist wären ...

Sky du Mont: Mir gefällt es sehr, wenn die Künstler der Songs auf der Bühne eine gute Choreographie hinlegen. Aber wenn im Hintergrund irgendwelche Mätzchen ablaufen, dann finde ich das doof. Allerdings scheint die Effekthascherei zu ziehen: Die Shows werden immer größer. Hinten gehen Feuerwerke los. Es wird Schlitt- und Rollschuh gefahren - auf nur einem Quadratmeter Fläche. Aber das ist halt der Show-Teil, und der sieht für viele Zuschauer attraktiv und interessant aus.

teleschau: Haben Sie denn für Eurovisions-Abende private Rituale?

Sky du Mont: Eigentlich nicht. Wir würden auch nicht auf eine Grand-Prix-Party gehen. Meine Frau und ich machen es uns auf dem Sofa bequem, essen nebenbei und schauen uns alles in Ruhe an - das ist ja immer eine etwas längere Abendveranstaltung. Meine Frau hat mich mit ihren 34 Jahren darauf gebracht, dass die Sendung wirklich Spaß machen kann. Früher hab ich die Übertragungen nur ab und an verfolgt, jetzt schauen wir sie regelmäßig an - und das nun immerhin schon seit zehn Jahren.

teleschau: Was macht denn den speziellen Reiz eines Grand-Prix-Fernsehabends aus?

Sky du Mont: Was mir am besten daran gefällt, ist der unerbittliche Live-Charakter der Übertragungen. Das macht das Zuschauen eigentümlich spannend: Beim Grand Prix können Sachen schief gehen. Manchmal singen die Künstler vollkommen falsch. Man sieht das Nervenzittern der Beteiligten. All das ist herrlich anzuschauen - wenn man selbst bequem zu Hause auf dem Sofa sitzt.

teleschau: Sind Sie wirklich so schadenfroh?

Sky du Mont: Nein, nein. Ich weiß nur selbst allzu gut, wie schrecklich sich Lampenfieber anfühlt. Und da finde ich es angenehmer, beim Zusehen gemütlich zu Hause meine Erdnüsse essen zu können. Die anderen leiden still vor sich hin.

teleschau: Und gegen die Schmerzen des Fremdschämens sind Sie gefeit?

Sky du Mont: Ich kann mich sehr wohl fremdschämen. Das passiert mir immer häufiger - vor allem, wenn ich Politikern zusehe.

teleschau: Wie stehen Sie zur Flut der Casting-Sendungen?

Sky du Mont: Ich finde die Sendungen im Großen und Ganzen recht unterhaltsam. Gut gefällt mir, wenn die Show wirklich auf die Musik eingeht. Wenn von den Juroren aber nur einer gefeiert werden will, als wäre er wichtiger als die ganze Sendung, dann finde ich das unpassend. Ich schaue mir die Castingshows lieber am Anfang der Staffel an, weil dort meistens noch das Singen im Vordergrund steht. Ich mag nicht, wenn Menschen vorgeführt werden ...

teleschau: Wie etwa durch die harten Sprüche bei "DSDS".

Sky du Mont: Jeder hat doch Momente, in denen er Schwäche zeigt - auch Herr Bohlen. Ich finde, man muss nur nicht diese Schwäche ausnutzen und sie in Farbe und HD-Qualität übertragen. In diesen Momenten schäme ich mich fremd - aber nicht für die Menschen, die lächerlich gemacht werden. Sondern für diejenigen, die andere meinen, andere an einem Nasenring über die Bühne führen zu müssen. Das geht gar nicht!

teleschau: Viele Kritiker lobten, dass die deutsche Vorauswahl in Stefan Raabs "Unser Star für Oslo" diesmal viel behutsamer mit den jungen Talenten umging ...

Sky du Mont: Stefan Raab macht das sehr gut. Ich habe großen Respekt vor ihm, weil ich glaube, dass er ein ungeheuer kreativer Mensch ist - und vor allem ein sehr guter Musiker. Ich fand es eine tolle Idee, Raab bei der Vorauswahl so viel Einfluss zu ermöglichen. Wir haben tatsächlich ein Lied erhalten, bei dem ich sagen kann: Ich würde es mir im Laden nicht kaufen, aber ich finde es okay. Und das ist schon deutlich mehr, als ich in den letzten Jahren sagen konnte.

teleschau: Sie haben sich ja sozusagen von Berufs wegen wieder viel mit älteren Eurovision-Songs beschäftigt: Wird man dabei eigentlich sehr nostalgisch?

Sky du Mont: Nostalgisch nicht. Es gibt ja selten Lieder bei diesem Wettbewerb, die unsterblich sind. Gelegentlich entdeckt man einige Songs, die man immer wieder hören kann. Ich fand bemerkenswert, dass die Songs, die letztlich gewonnen hatten, bei unserem Publikum in Deutschland nicht wirklich auf der Nummer eins landeten. Liegt das daran, dass wir als Nation einfach andere Vorlieben haben - oder hat sich der Musikgeschmack insgesamt verändert?

teleschau: Was sind denn die großen Tendenzen: War früher der Grand Prix ein noch größerer Staatsakt - mit tollen Garderoben und viel Aufwand?

Sky du Mont: Ich fand auf jeden Fall auffallend, dass es über die Jahre hinweg so viele unterschiedliche Stilrichtungen gab - je nachdem, ob die Gruppen aus der Türkei, Israel, Frankreich oder Irland kamen. Mich hat immer gestört, dass es beim Grand Prix auch viel Mischmasch gibt. Eine Sängerin aus Griechenland lebt in Deutschland und singt ein Lied auf Französisch für Luxemburg. Das ist doch nur großes Durcheinander. Ich finde schon, dass die Songs ihren Ursprung aus dem jeweiligen Land haben sollten.

teleschau: Bei Ihrem international geprägten Elternhaus dürfte Ihnen selbst das Schauspielern im Ausland deutlich leichter gefallen sein als so manchem Kollegen.

Sky du Mont: Ich bin gerne Deutscher und bin gerne zurückgekommen, weil ich hier leben wollte. Aber vielleicht sehe ich eben nicht so typisch Deutsch aus. Und vor allem bin ich auf Englisch erzogen worden. Mich konnte man in den USA nicht als Deutschen verkaufen, sondern besetzte mich eher als etwas adligen Engländer. Insofern war ich kein Kulturbotschafter, sondern habe halt Rollen erhalten, die zu meinem Typ passten. Als Deutscher hat man sonst leider häufig das Pech, dass man im Ausland nur als Nazi eingesetzt wird.

teleschau: Wie viel Anglosächsisches steckt denn noch in Ihrem Hamburger Alltagsleben?

Sky du Mont: Mit meiner Mutter und meinem Bruder rede ich Englisch - das haben wir zu Hause immer so gemacht. Mit meiner Frau spreche ich aber nur dann Englisch, wenn unsere Kinder uns nicht verstehen sollen. Aber nachdem meine Tochter jetzt Englisch in der Schule lernt, wird es nicht mehr lange dauern, bis wir uns eine andere Sprache ausdenken müssen.

teleschau: Wie eignen Sie sich denn selbst so schnell Ihre neuen Talente an: Kann man das Moderieren einer ARD-Show eigentlich lernen?

Sky du Mont: Das fiel mir am Anfang schwer. Normalerweise finden Moderationen ja in Ruhe im Studio statt, und man hat Zeit, sich darauf vorzubereiten. Diesmal fanden meine Einsätze in den verschiedenen Eurovisions-Ländern im Freien statt - und das teilweise bei Wind, Schnee oder Regen. Außerdem waren immer sehr viele Leute um uns herum. Aber es hat Spaß gemacht. Wenn die Zuschauer sagen, dass es ihnen einigermaßen gut gefallen hat, dann werde ich mir überlegen, ob ich so ein Angebot noch einmal annehmen werde.

teleschau: Was war denn die größte Herausforderung beim Moderieren - etwa die Bereitschaft, auf Unwägbares flexibel eingehen zu müssen?

Sky du Mont: Kein Drehbuch zu haben, war natürlich neu. Aber tatsächlich war die größte Umstellung, in die Kamera schauen zu müssen. Als Schauspieler dürfen sie das niemals tun. Da schauen sie einem Menschen in die Augen, hören ihm zu und spielen mit ihm. Dieser Austausch findet mit der Kamera natürlich nicht statt. Die Linse ist nur ein großes schwarzes Loch. Und da spreche ich plötzlich hinein.

teleschau: Einmal angenommen, alles läuft rund - und davon darf man ja ausgehen: Dürfen sich Ihre Fans auf häufigere Moderationseinsätze freuen?

Sky du Mont: Ich würde das gerne machen. Zum Glück bin ich ja einigermaßen schlagfertig.

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