Kommentar Spökenkiekerei

Silke Hellwig zu Wahlumfragen Wahlumfragen werden immer wichtiger – für die Parteien. Warum, konnte man zuletzt am Sonntag beobachten, bei der Bayernwahl: Zahlenmaterial, einerlei welcher Art, wird inzwischen gerne herangezogen, um Niederlagen zu beschönigen.
20.09.2013, 00:00
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Spökenkiekerei
Von Silke Hellwig

Silke Hellwig

zu Wahlumfragen

Wahlumfragen werden immer wichtiger – für die Parteien. Warum, konnte man zuletzt am Sonntag beobachten, bei der Bayernwahl: Zahlenmaterial, einerlei welcher Art, wird inzwischen gerne herangezogen, um Niederlagen zu beschönigen. Und so feierte Sigmar Gabriel Christian Ude, die SPD und sich selbst als Wahlgewinner: Die Umfragen hätten der SPD schließlich ein viel mieseres Abschneiden prophezeit. Im Vergleich dazu hätten die Sozialdemokraten deutlich zugelegt. 2005 hieß es bei einer ähnlichen Abweichung noch, die Demoskopen hätten sich blamiert. Heute wird die Lücke ratzfatz umgedeutet.

Repräsentative Umfragen rund um das Thema Wahl und Politik haben sich in den vergangenen Jahren wie Geschwüre in der politischen Berichterstattung ausgebreitet – sicher auch beflügelt durch Stimmungsbarometer jeglicher Art im Internet. Kaum hatte Peer Steinbrück den bösen Finger gezeigt, wurden Bürger befragt und Prozente in die Welt geschleudert. Ob ARD oder ZDF, Infratest dimap oder Forsa, schon lange wird beileibe nicht mehr nur die sogenannte Sonntagsfrage gestellt. Gefragt wird nach Sympathiewerten und nach „Kanzlerpräferenzen“, nach der Zufriedenheit mit der Regierungsarbeit und nach den Leistungen einzelner Minister.

Die Ergebnisse werden gerne zu Nachrichten gemacht, sind aber nur eine Fata Morgana: Von den Meinungen der rund 1000 Befragten auf die politische Stimmung von fast 62 Millionen Wahlberechtigten hochzurechnen, kann man kaum anders als kühn bezeichnen. Aus individuellen Stimmungen, Empfindungen und Launen verlässliche Werte ableiten zu wollen, ist nichts als Spökenkiekerei. Dafür gibt es triftige Gründe: Die Wähler sind wankelmütiger, unentschlossener, unberechenbarer geworden. Nicht nur für Parteien, sondern auch für menschliche Stimmungsbarometer.

Und so ist es ganz einfach: Wer wissen will, wie das Wetter morgen ist, muss morgen aus dem Fenster schauen. Wer wissen will, wie die Wahl ausgeht, muss sich bis Sonntag Abend gedulden.

silke.hellwig@weser-kurier.de

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