Kabbeleien und Liebe Stefan Marquard / Frank Buchholz stehen am Herd bei "Kochen mit Knall" (ab Montag, 11.04., 18.45 Uhr, kabel eins)

Stefan Marquard und Frank Buchholz sprechen über ihre Hassliebe, Biokost und einen Strauß in der Sauna.
01.04.2011, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Sabine Metzger

Stefan Marquard und Frank Buchholz sprechen über ihre Hassliebe, Biokost und einen Strauß in der Sauna.

"Mach deinen Scheiß doch alleine!" - Wer Stefan Marquard und Frank Buchholz beim Kochen zuhört, könnte schon mal auf die Idee kommen, dass die beiden mit ihren Messern gleich nicht mehr nur Fleisch und Gemüse zu Leibe rücken werden. Eine völlige Fehleinschätzung: Die beiden gegensätzlichen Typen verstehen sich im Grunde blendend, denn sie eint eine große Leidenschaft: das Kochen. Ihre Kabbeleien am Herd sind ab Montag, 11. April, bei kabel eins zu sehen. Dann nämlich startet ihre Show "Kochen mit Knall" (neun Folgen, werktags, 18.45 Uhr). Im Interview am Set erzählen sie, was sie damit erreichen wollen, wie sie mit ihren regelmäßigen Streits umgehen - und was ein Strauß in der Sauna macht.

teleschau: Warum braucht Deutschland noch eine Kochshow?

Stefan Marquard: Es gibt weiß Gott genug solche Sendungen, aber diese hier ist endlich mal was Neues.

teleschau: Inwiefern?

Frank Buchholz: Wir forschen ja richtig. Wir wollen dem Essen auf den Grund gehen. Das entsteht meist aus der Situation heraus, ohne dass wir es vorher ausgiebig austüfteln. Jedes Experiment ist einzigartig.

teleschau: Welche Auswahlkriterien hatten Sie für Ihre Experimente?

Marquard: Es müssen Dinge sein, die jeder jeden Tag ganz normal im Geschäft kaufen kann. Diese Tütensuppe mit Ente war der Hammer, oder?

Buchholz: Da gab es 41 Gramm Einwaage, und davon waren ...

Marquard: ... 1,9 Gramm Ente. Eine Frechheit: Totgekochtes Entenfleisch noch durch den Fleischwolf gedreht, das sah aus ...

Buchholz: ... wie Hasenköttel. (lacht)

teleschau: Sehen Sie sich eher als strenge Qualitätstester oder haben Sie einfach Spaß am Experimentieren?

Marquard: Eher Letzteres. Wenn man den Job seit Jahren macht, und dann auch noch diese Möglichkeiten bekommt, lassen sich Dinge ausprobieren, die so im Alltag nicht möglich sind. Es gibt keine Grenzen! Na ja, eine schon, und das ist der Respekt vor den Produkten, die wir verarbeiten. Aber sonst stellen wir erst mal alles in Frage. Es gibt so viele Dinge, die Wärme abgeben. Und dann fragen wir uns eben: Kann ich damit garen, wie kann ich damit garen, und was kann ich damit garen?

teleschau: Was konnten Sie denn bisher so garen? Und womit?

Marquard: Gestern haben wir Dosenhühner gemacht, bis zum 16-Kilo-Apparat. Der Hammer. Meine erste Idee war eigentlich, einen ganzen Strauß eine ganze Nacht lang in der Sauna zu garen. Das geht aber noch nicht. Die Zuschauer müssen sich erst mal an uns gewöhnen. Wenn sie uns mögen, dann können wir auch mal solche Knaller bringen. Oder ein Lamm in den Hochofen stecken ... Noch zeigen die anderen mir den Vogel, aber ich krieg sie schon rum!

teleschau: Herr Marquard, Sie tragen gerade Kochkluft. Eigentlich sind Sie doch bekannt dafür, dass Sie sehr leger arbeiten ...

Marquard: (lacht) Ich bin der klassische T-Shirt-Koch, weil mir die Kochuniformen einfach nicht gefallen. Ich glaube, ich habe über 500 T-Shirts zu Hause. Die Uniform hier hab ich mir selbst gemacht, das ist meine.

teleschau: Sie bestanden also nicht darauf, Herr Buchholz? Mit Ihrem weißen Kittel sind Sie ja eher traditionell.

Buchholz: Nee, ich habe nicht darauf bestanden. Aber ich finde, das passt einfach, und wenn's schmutzig wird, kann man's halt waschen. Selbst wenn ich zu Hause was mache, sei es im Garten, in der Garage oder in der Küche - ich könnte nie zivil da arbeiten, weil ich einfach Angst hätte, mir die Sachen zu versauen. Aber hiermit geht alles, das ist mein Arbeitskittel.

Marquard: Sein Blaumann in Weiß.

teleschau: Trotz Ihrer unterschiedlichen Stile wirken Sie beide wie ein eingespieltes Team. Kannten Sie sich schon vor der Sendung?

Buchholz: Ja, schon 15, 16 Jahre. Mal hatten wir mehr Kontakt, mal weniger. Aber in dem Job ist das so: Wenn man sich einmal kennt und gut riechen konnte, dann bleibt diese Freundschaft auch. Im Alltag haben wir leider nur wenig Zeit, das richtig zu pflegen, aber als Stefan mich anrief und fragte, ob ich bei der Sendung mitmachen wolle, war ich gleich dabei. Ich bin auch froh, dass ich diese fünf Tage mit ihm verbringen durfte, es war eine witzige Zeit.

teleschau: In der Sendung müssen Sie auf die Rockmusik verzichten, die Sie sonst beim Kochen hören, Herr Marquard. Schmerzt das?

Marquard: Nein, das muss ja sein, damit wir beide kommunizieren können. Ich vermute ohnehin, dass der Frank eher so ein Weichei-Musik-Hörer ist ...

Buchholz: Ich höre alles.

Marquard: Das sind die Richtigen, die Radiohörer: "Ich höre alles" ... Nein, im Ernst: Wir müssen mit dieser Geschichte erst mal laufen lernen. Das funktioniert eigentlich schon ganz gut, und vor allem merkt man - hoffe ich -, dass wir da richtig Bock drauf haben. Frank hat seinen ganz individuellen Charakter, und ich bin halt, wie ich bin. Wir funktionieren blind. Obwohl wir grundsätzlich - na ja, sehr oft - verschiedener Meinung sind.

teleschau: Sind Sie sich schon einmal in die Haare geraten?

Marquard: Ständig. Alle fünf Minuten! Aber letztendlich haben wir den gleichen Beruf, und uns sind die gleichen Dinge wichtig: Respekt vor den Produkten und vor den Geräten, mit denen wir arbeiten. Dass man damit keinen Bullshit macht. Selbst wenn mal was völlig in die Hose geht, überlegen wir, was man daraus noch kochen kann, damit wir nichts wegwerfen müssen.

teleschau: Sie haben jetzt schon zum zweiten Mal Respekt vor den Produkten erwähnt. Wie äußert sich das? Kaufen Sie nur vom Biobauern?

Marquard: Bio ist nicht das goldene Ei. Das ist natürlich ein guter Trend, der in die richtige Richtung geht. Aber Bio muss noch lange nicht heißen, dass die Qualität gut ist. Aus Bio kann man genauso viel Mist machen wie aus allem anderen auch. Es kann einfach nicht sein, dass sich Familien über Generationen viel Mühe geben, und nur weil sie nicht Bio-zertifiziert sind, ist ihre ganze Arbeit nichts mehr wert.

teleschau: Kommt das auch in der Sendung zur Sprache?

Marquard: Ja. Für uns ist es einfach: Wir haben unsere Quellen, wir wissen, wo wir gute Ware bekommen. Und wir wollen das auch den Zuschauern vermitteln. Wenn man will, geht das. Kostet natürlich mehr, aber es kann doch nicht sein, dass jeder für sein Auto das teuerste Öl kauft und für den eigenen Körper irgendeinen Billigscheiß. Und man muss ja auch nicht jeden Tag Fleisch essen, einmal die Woche reicht.

teleschau: Sie sind also nicht der typische Fleischfresser-Mann, der nach Steaks giert?

Marquard: Ich esse gerne mal ein Steak. Aber höchstens einmal in 14 Tagen.

teleschau: Ehrlich? Dabei begannen Sie Ihre Laufbahn als Metzger ...

Marquard: Eigentlich bin ich auch ein Fleisch-Fan. Aber ich brauche es eben nicht bergeweise. Metzger zu sein, ist für mich immer noch was Tolles. Ich schlachte noch einmal im Jahr, bei meinen Eltern zu Hause. Dann hole ich in der Metzgerei, in der ich gelernt habe, direkt nach dem Schlachten ein Schwein, das noch warm ist - die Sauerei mach ich mir nicht mehr daheim. Ich hole die zwei Hälften, und dann wird gewurschtelt. Das Standardprogramm aus Blutwurst, Leberwurst, Bratwurst und weißem Presssack nach altfränkischer Art.

teleschau: Wäre so was auch ein Zeitvertreib für Sie, Herr Buchholz?

Buchholz: Das ist bei uns Alltag. Bei uns in Mainz haben wir Bauern, die das Gemüse und die Wildkräuter für uns anbauen, und auch welche, die die Schweine und Lämmer züchten. Die werden auch voll verarbeitet. Da liege ich wieder mit Stefan auf einer Linie.

Marquard: Genau. Ich habe immer nur ganze Tiere verarbeitet. Vom Kopf bis zum Schwanz. Aus den Edelteilen was Hübsches zu zaubern, das hat nicht viel mit Kochen zu tun. Aber dort, wo's schwierig wird: aus Bauchlappen was Tolles zu machen - das ist Kochen!

teleschau: Bekochen Sie eigentlich auch Ihre Familien? Macht man das überhaupt noch gerne, wenn es ohnehin der Beruf ist?

Buchholz: Ich nicht. Ich koche nur, wenn wir Gäste haben, zusammen mit meiner Frau. Aber den Alltag bewältigt sie alleine, sie ist mittlerweile eine sehr gute Köchin.

Marquard: Wenn ich zu Hause bin, dann koche ich grundsätzlich immer. Sonst halt meine Frau.

teleschau: Haben Ihre Kinder schon mal so etwas gesagt wie: "Bei Mama schmeckt's besser"?

Marquard: Mal so, mal so. Es gibt Dinge, die kann Christine viel besser als ich. Da hab ich aber auch kein Problem mit, ich bin nicht so eitel.

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