Hochwasser Tausende fliehen vor Weichsel-Flut

Warschau/Bratislava. Die zweite Flutwelle der Weichsel verschärft von Stunde zu Stunde das Hochwasserdrama in Polen. Zahlreiche Dammbrüche und gefährliche Erdrutsche trieben am Dienstag Tausende Menschen in die Flucht.
08.06.2010, 21:00
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Warschau/Bratislava. Die zweite Flutwelle der Weichsel verschärft von Stunde zu Stunde das Hochwasserdrama in Polen. Zahlreiche Dammbrüche und gefährliche Erdrutsche trieben am Dienstag Tausende Menschen in die Flucht.

Hunderte Häuser standen unter Wasser, Ackerfelder waren überflutet. Vielerorts herrscht Hochwasseralarm. Der Hochwasserscheitel sollte an diesem Mittwoch die polnische Hauptstadt Warschau erreichen. Auch in der Slowakei kam es zu neuen bedrohlichen Erdrutschen und Dammbrüchen.

Die angeschwollene Weichsel durchbrach in der Nacht zum Dienstag an mehreren Stellen Deiche südlich von Warschau und richtete erneut enorme Schäden an. In den Überschwemmungsgebieten leiden Menschen seit mehr als drei Wochen unter den Folgen - die erste Flutwelle hatte bereits Ende Mai große Landstriche verwüstet.

In Janowiec bei Pulawy flutete das Wasser durch einen hundert Meter langen Riss in dem Damm. Überschwemmt wurden drei Ortschaften mit 120 Häusern auf einem Gebiet von rund 1000 Hektar. «Niemand rechnete damit, dass der Deich ausgerechnet an dieser Stelle nachgibt», sagte ein Feuerwehrsprecher. 170 Menschen mussten schnellstens in Sicherheit gebracht werden.

In der Gemeine Wilkow auf dem gegenüberliegenden Weichsel-Ufer spitzte sich die Situation noch weiter zu, weil ein Nebenfluss die aufgeweichten Dämme durchbrach. «Das ist ein totales Drama», sagte Gemeindevorsteher Grzegorz Tarasinski. Seit der ersten Überflutung vor anderthalb Wochen stehen hier mehrere Ortschaften unter Wasser. Das sei eine Katastrophe für diese Region, die von der Landwirtschaft lebe, sagte ein Wirtschaftsexperte.

Auch im weiter südlich gelegenen Ostrow gab am Morgen ein Deich nach. Mehrere Dörfer seien bedroht, hieß es aus dem Krisenstab. «Wir hatten keine Chance, das Wasser zu stoppen, der Strom war zu stark», sagte ein Sprecher. Hochwasseralarm galt weiterhin in 23 Gemeinden an dem Strom. 3600 Soldaten mit acht Hubschraubern unterstützten rund um die Uhr die Feuerwehr beim Kampf gegen die Fluten.

Der Scheitelpunkt der Weichsel wird in Warschau an diesem Mittwoch erwartet. Die Flutwelle soll dann mit 7,80 Metern den Höchststand der vergangenen drei Wochen erreichen. In Teilen der Stadt wurden bereits Schulen und Kindergärten geschlossen. Eine wichtige Nord-Süd- Straßenverbindung wurde gesperrt.

In den Überschwemmungsgebieten im Süden Polens wächst mit jedem Tag die Gefahr der Erdrutsche. Wegen Einsturzgefahr mussten unter anderem in der Gemeinde Chelmiec bei Nowy Sacz 46 Menschen Häuser räumen. In letzter Zeit sei ein Dutzend Erdrutschstellen aktiv geworden, sagte eine Bezirkssprecherin in Krakau.

Innenminister Jerzy Miller wies erneut Appelle um eine Ausrufung des Notstands zurück. Die Dämme würden dadurch nicht standfester und der Geldbeutel für die Flutopfer nicht größer, sagte er. Um den Menschen eine Stimmabgabe zu ermöglichen, sollen in Überschwemmungsgebieten Wahlzelte aufgestellt werden. Am 20. Juni soll in Polen ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden.

Im nordostslowakischen Kapusany wurden 79 Menschen eilends in Sicherheit gebracht, weil ein unterspülter Hang ins Rutschen kam und mehrere Einfamilienhäuser mit sich riss. Weiter südlich wurden mehrere Gemeinden überflutet, als der Fluss Ondava die seit Tagen von Hochwasser belasteten Dämme an mehreren Stellen durchbrach. Allein im Dorf Malcice mussten 120 Menschen ihre Häuser verlassen, wie örtliche Medien berichteten. Im Großteil des Landes hingegen entspannte sich die Hochwassersituation weiter. (dpa)

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