Toyota RAV4 Mit der Kraft des Steckers

Der RAV4 fährt ab sofort auch als Plug-in-Hybrid (PHEV) vor. Damit macht Toyota sein Erfolgsmodell endgültig zukunftstauglich. Bis vor Kurzem war der Japaner schließlich nur als selbstladendes Modell verfügbar.
20.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Heinrich Rohne

Hybrid, das haben sie bei ­Toyota ja schon lange drauf – nur eben in erster Linie als selbstladende Variante mit magerer E-Reichweite. Bei ihrem Erfolgsmodell RAV4 haben die Japaner nun einen Plug-in nachgelegt. ­Mächtig, insbesondere in Sachen Systemleistung.

Wenn es um ihre leistungsstarken Topmodelle geht, mit denen sich Autohersteller so gern schmücken, dann kommen meistens auch solche Begriffe ins Spiel: V6, manchmal sogar V8, Turbo, besser noch Bi-Turbo. Toyota, in der Vergangenheit eher selten als PS-Protz auffällig geworden, setzt seine interne Messlatte auf eine andere Weise: per Plug-in Hybrid. Das passt schließlich zur Politik des Konzerns, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der Aufgabe verschrieben hat, das Mischprinzip aus Benziner und unterstützendem E-Motor massenkompatibel zu machen. Bisher vor allem durch sogenannte Vollhybride mit kleinem Akku und geringer E-Reichweite. Nun aber starten die Japaner auch bei den Plug-ins, also den extern aufladbaren Versionen, richtig durch.

Der sparsamste RAV4 aller Zeiten

Das Ergebnis: die Stecker­variante des ­Erfolgsmodells RAV4, das stärkste je in Eigenregie gebaute Fahrzeug. Denn abseits des kompromisslosen Zweisitzers Supra – als Kooperation mit BMW von einem fantastischen Dreiliter-Sixpack aus München angetrieben – bietet kein Toyota mehr als jene 225 kW / 306 PS Systemleistung des neuen RAV4 Plug-in.

Klingt widersprüchlich, ist aber so: Mit dieser Antriebskombination ist er der schnellste und – laut Prüfstand – gleichzeitig sparsamste RAV4 aller Zeiten. Schließlich sind laut Versprechen jetzt auch rein elektrisch 75 Kilometer Reichweite möglich. Das geht auf das Konto einer Antriebsbatterie mit Lithium-Ionen-Technik, die unter dem Fahrzeugboden verbaut ist und 18,1 kWh Kapazität bietet. Sie versorgt gleich zwei Elektromotoren, was den RAV4, ob nun teil- oder vollelektrisch betrieben, bei Bedarf jederzeit zum Allradler macht. Der vordere der beiden E-Motoren hat dabei beachtliche 134 kW / 182 PS, die hintere E-Maschine steuert 40 kW / 54 PS bei. In der Gesamtrechnung mit dem 2,5-Liter-Benziner, der auf mehr Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen getrimmt wurde und 136 kW / 185 PS produziert, ergibt das die üppige Systemleistung.

Wobei nicht vergessen werden darf: Die aufwendige Antriebstechnik bringt auch einen Gewichtsanstieg von rund 250 Kilogramm auf nun 1,9 Tonnen mit sich. Macht das was? Macht nix. Denn einerseits hat der RAV4 noch nie den Finger gehoben, wenn es darum ging, fahrdynamisch besonders glänzen zu wollen. Und andererseits gelingt dem Plug-in-Modell trotzdem in beherzten sechs Sekunden der Sprint auf Tempo 100 – und damit gut zwei Sekunden schneller als beim bisher bekannten Vollhybrid. Aber ehrlich: Das braucht in und will von diesem Auto kein Mensch.

Was die Hybridversionen des RAV4 – ob nun mit oder ohne Stecker – verbindet. Die Antriebseinheit ist an das stufenlose E-CVT-Getriebe gekoppelt – was vor allem dann recht gewöhnungsbedürftig ist, wenn der großvolumige Vierzylinder-Verbrenner alleine arbeitet. Grundsätzlich aber fährt der vollgeladene RAV4 Plug-in ja immer im reinen E-Modus los. Mit dem Wechsel auf den Hybrid-Modus holt sich das Auto dann immer dort die Energie, wo es gerade sinnvoll erscheint – und auch das ist in erster Linie der E-Motor. Erst wenn die Batterie leer ist, fährt der RAV4 wie ein normaler Vollhybrid weiter.

Und was verbraucht der RAV4 Plug-in so? Im Hybridbetrieb, also bei einer nahezu leer gefahrenen Traktionsbatterie, werden für den japanischen Heimatmarkt 4,5 Liter pro 100 Kilometer angegeben. Für Deutschland wird stattdessen der kombinierte Verbrauch gelistet: 1,2 Liter Benzin plus 16,6 kWh Strom auf 100 Kilometer. Das mag man interpretieren, wie man mag: Realistisch erscheinen im Alltagsbetrieb jene vier bis fünf Liter Super auf 100 Kilometer. Zumal ja nicht immer gewährleistet ist, dass ein vollgeladener Akku zur Verfügung steht.

Geladen ist er in gut fünf Stunden

Und da wären wir auch schon beim Stichwort Laden. Das ist ja stets der Knackpunkt beim Plug-in-Hybrid. Angesichts der beschränkten E-Reichweite sollte es an den klassischen Haltepunkten – zu Hause oder bei der Arbeit – eine fixe Lademöglichkeit haben, damit die Technik überhaupt Sinn ergibt. Im Gegensatz zu reinen E-Autos genügt den kleineren Plug-in-Batterien aber auch schon eine Haushaltssteckdose. Besser aber: eine Wallbox. Doch auch damit erfordert eine komplette Batterieladung gute fünf Stunden.

Ansonsten ist wenig Genüg­samkeit im RAV4 Plug-in gefragt. Zur Serienausstattung zählen etwa Scheinwerfer und Leuchten mit LED-Technologie, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, schlüsselloser Zugang, Klimaautomatik, Sitzheizung in beiden Reihen und ein Infotainment mit Digitalradio. Mindestens 47.490 Euro ruft Toyota dafür auf – was abzüglich der Förderung sogar günstiger ist als die Allradversion des schwächeren Vollhybrids.

Dass der RAV4 seinen Status als weltweit meistverkauftes SUV durch den Plug-in wahren wird – für diese Prognose braucht es dann wohl nur einen Rechenschieber, aber keine Glaskugel.

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