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Kathrin Aldenhoff zu Drittmitteln Es klingt so einfach: Die öffentliche Hand muss sparen, dann springt eben die Wirtschaft ein. In Zeiten, in denen an Universitäten und Hochschulen ganze Studiengänge wegen mangelnder Finanzierung geschlossen werden, scheinen Gelder aus der Wirtschaft eine Lösung zu sein.
18.02.2015, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Kathrin Aldenhoff
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Kathrin Aldenhoff - Kommentar

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Kathrin Aldenhoff

zu Drittmitteln

Es klingt so einfach: Die öffentliche Hand muss sparen, dann springt eben die Wirtschaft ein. In Zeiten, in denen an Universitäten und Hochschulen ganze Studiengänge wegen mangelnder Finanzierung geschlossen werden, scheinen Gelder aus der Wirtschaft eine Lösung zu sein. Die Universität Bremen ist stolz darauf, sich zu einem Drittel aus Drittmitteln zu finanzieren.

Sicherlich ist es richtig, dass an Hochschulen zu Themen geforscht wird, die für die Wirtschaft relevant sind. Und es ist auch prinzipiell in Ordnung, wenn Unternehmen Hochschulen Gelder zur Verfügung stellen, damit deren Professoren, Mitarbeiter und Studenten wissenschaftliche Höchstleistungen bringen können.

Doch genauso richtig ist der alte Spruch: Wer zahlt, schafft an.

Auf dem Portal Hochschulwatch ist zum Beispiel nachzulesen, dass das Raumfahrtunternehmen OHB der Universität Bremen Geld für eine Stiftungsprofessur für Raumfahrttechnologie gibt, Kellogg’s und Frosta eine Stiftungsprofessur im Bereich Logistik mitfinanzieren.

Wenn ein Unternehmen Zehntausende Euro in ein Forschungsgebiet steckt, sollte sich jeder die Frage stellen, wie es um die immerhin im Grundgesetz verankerte Freiheit von Wissenschaft und Forschung denn eigentlich steht. Da muss man gar nicht unterstellen, dass die Gelder die Richtung der Forschungsergebnisse beeinflussen. Es würde schon reichen, wenn die Hochschulen irgendwann vor allem Studiengänge fördern, die interessant für die Wirtschaft sind. Die Entwicklung hin zu immer mehr Drittmitteln an Hochschulen wird nicht mehr rückgängig zu machen sein. Das muss auch nicht sein, Drittmittel können in Zeiten knapper Kassen gute Forschung ermöglichen. Dafür sollten Hochschulen und Studierende dankbar sein. Wichtig ist aber Transparenz: Jeder sollte einsehen können, welches Unternehmen den Hochschulen wofür Geld gibt. Und das sollte auch die Wirtschaft einsehen.

kathrin.aldenhoff@weser-kurier.de

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