BIZ-Konzept für mehr Nachhaltigkeit Umweltfreundlich feiern

Neuer Leitfaden des Bremer Informationszentrums für Menschenrechte und Entwicklung (BIZ) gibt Tipps, wie sich Veranstaltungen möglichst nachhaltig organisieren lassen.
06.07.2018, 18:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Christiane Mester

Ganz gleich, ob eine Familienfeier ansteht oder ein Vereinstreffen für 100 Mitglieder zu organisieren ist, wer eine Veranstaltung plant, der sollte Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Dieser Ansicht sind Gertraud Gauer-Süß, Randy Haubner und Corinna Brandenburger vom Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (BIZ). In einem gerade erschienen Online-Leitfaden geben sie Tipps, wie sich das in Bremen praktisch organisieren lässt.

Wie viele Personen werden kommen, reicht der Platz für alle aus und was soll es zu Essen geben? Das sind typische Fragen, mit denen sich wohl jeder beschäftigt, der eine kleine Feier oder eine Konferenz mit vielen Teilnehmern auf die Beine stellen möchte. Soll die Veranstaltung den Zusatz „nachhaltig organisiert“ tragen, gibt es noch wesentlich mehr zu beachten. Das verdeutlichten die BIZ-Verantwortlichen bei der Vorstellung ihres Ratgebers mit dem Titel „Nachhaltiges fairanstalten“.

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Demnach könnte die Energieeffizienz der anzumietenden Lokalität eine Rolle spielen, genau wie möglichst kurze Anfahrtswege des Caterers zum Veranstaltungsort. Wer zu einer privaten Festivität einlädt oder gar beruflich mit dem Ausrichten von größeren Events befasst ist, der sollte dabei auch an die Umwelt denken, so die Botschaft. Und zwar laut Leitfaden bis ins Detail – die Frage, ob den Gästen Recycling-Toiletten-Papier zur Verfügung steht, bleibt nicht ausgespart.

Produktionskette im Fokus

„Der Begriff der Nachhaltigkeit schließt auch ökonomische und soziale Aspekte mit ein“, erläuterte Projektleiterin Randy Haubner den Zusatz „fair“ im Titel der BIZ-Publikation. Damit steht die gesamte Produktionskette im Fokus; also auch die Bedingungen, unter denen der einzelne Erzeuger tätig ist. Dies sowohl regional und vor Ort als auch in anderen Teilen der Erde. Der abstrakte Begriff der Nachhaltigkeit bedeute, so Haubner weiter, „so zu leben, das auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können“.

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Der Wahlspruch, der seit den 1980er-Jahren Leitbild internationaler Entwicklung ist, sei nicht nur Richtschnur für das globale Handeln von Staaten, sondern solle gleichermaßen Maßgabe für den Konsumenten sein. Je nachdem, in welcher Größenordnung eine Veranstaltung stattfindet, kann dies eine ganze Menge an Personen sein. „Wir hatten eine Teilnehmerzahl von zehn bis hundert Personen im Blick“, erläutert Randy Haubner die Konzeption des Ratgebers.

Aufgebaut ist die Online-Publikation entlang von neun grundlegenden Fragen: Veranstaltungsort, Mobilität, Catering und Einkaufen, Drucksachen und Veranstaltungstechnik, Übernachtungen, Rahmenprogramm, Diversity, Kommunikation und Kompensation. Auf insgesamt 36 Seiten sind die Kapitel allesamt nach demselben dreiteiligen Schema strukturiert. Ein Einleitungstext gibt einen Überblick, wo nachhaltige Aspekte bei dem jeweiligen Thema zum Tragen kommen könnten.

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Entlang des darauf folgenden Fragenkatalogs lässt sich die eigene Planung weiter konkretisieren und unter der Überschrift „Konkret vor Ort“ sind nützliche Adressen gelistet. Berücksichtigt werden vornehmlich regionale und lokale Anbieter. Das soll Bremerinnen und Bremern helfen, die guten Vorsätze direkt vor Ort in die Tat umzusetzen, äußern sich die Herausgeberinnen vom BIZ zur anvisierten Zielgruppe ihrer Veröffentlichung.

Die Auswahl an hiesigen Unternehmen und Dienstleistern sei „handverlesen“, betonte BIZ-Geschäftsführerin Gertraud Gauer-Süß. Dementsprechend ist kein vollumfängliches Firmenverzeichnis enthalten. Der Leitfaden erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellte Randy Haubner klar und Corinna Brandenburger, die Projektverantwortliche, begründete: „Wir mussten eine Auswahl treffen, damit die Liste übersichtlich bleibt.“

Kriterien werden nicht deutlich

Welche Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Anbieter zugrunde gelegt wurden, wird für den Leser des Leitfadens allerdings nicht deutlich. Ein Bewertungssystem mit Punktevergabe, das die Ergebnisliste transparent machen würde, gibt es nicht. Der Leitfaden kommt somit eher einer individuellen Empfehlung gleich und ist nicht so etwas wie die neuen „Gelben Seiten“ der nachhaltigen Veranstaltungsplanung.

Finanziert wurde die Veröffentlichung unter anderem vom Bremer Senat. Bei der Präsentation am vergangenen Montag im BIZ, lobte der zuständige Senator Joachim Lohse (Grüne) vor allem die Übersichtlichkeit der Handreichung. Gefragt nach der nachhaltigen Veranstaltungsorganisation im eigenen Hause, sagte Lohse: „Bei der Umweltministerkonferenz, die vor Kurzem in Bremen stattgefunden hat, haben wir den Caterer dazu überreden können, darauf zu achten.“

Sein Sprecher wusste es auf Nachfrage ganz genau. Die Verpflegung sei regional und Bio-zertifiziert gewesen. Geplant habe man die Konferenz zudem bewusst fußläufig vom Hauptbahnhof ausgehend und den mehr als 120 Teilnehmern seien als Tagungsmaterialien Holzkugelschreiber und Recyclingpapier angeboten worden. Ein begrenztes Budget sei kein Grund, den Aspekt der Nachhaltigkeit außen vor zu lassen, fand Umweltsenator Lohse bei der Präsentation des Leitfadens.

Weitere Informationen

Die BIZ-Publikation „Nachhaltig fairanstalten. Ein Leitfaden“ steht unter www.bizme.de zum kostenlosen Download bereit.

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