Trotz Rassismus-Vorwürfen Universität Oxford: Kolonialisten-Statue bleibt

Seit vielen Jahrzehnten steht der steinerne Cecil Rhodes, ein Kolonialist, an der Universität Oxford. Kritik kommt von Aktivisten: Rhodes sei der "Hitler vom Süden Afrikas". Doch das Denkmal bleibt.
30.01.2016, 00:00
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Universität Oxford: Kolonialisten-Statue bleibt
Von Katrin Pribyl

Seit vielen Jahrzehnten steht der steinerne Cecil Rhodes, ein Kolonialist, an der Universität Oxford. Kritik kommt von Aktivisten: Rhodes sei der "Hitler vom Süden Afrikas". Doch das Denkmal bleibt.

Über dem Portal seiner ehemaligen Ausbildungsstätte ist ihm ein Denkmal gesetzt. Der steinerne Cecil Rhodes steht seit vielen Jahrzehnten zwischen zwei Säulen am Oriel-College an der Universität Oxford, die er nach seinem Tod mit einem beträchtlichen Vermögen bedachte. Doch einige Aktivisten finden, die Statue müsse fallen und und gründeten die Kampagne „Rhodes Must Fall“. Ihrer Meinung nach feiere das Denkmal die koloniale Gewalt.

Rhodes sei „der Hitler vom Süden Afrikas“, erklärt der Student Brian Kwoba. „Würde irgendjemand eine Statue von Hitler tolerieren?“ Dass an Rhodes noch immer mit Denkmälern, Tafeln und Gebäuden erinnert werde, zeige „das Ausmaß und die Dauerhaftigkeit des imperialistischen blinden Flecks Großbritanniens“. Der Universität wurde gar Rassismus unterstellt.

Rhodes betrachtete Briten als "erste Rasse der Welt"

Das College Oriel hat sich ausdrücklich von den Ansichten seines Stifters distanziert. Das Aufbegehren einiger Studenten im altehrwürdigen Oxford hat wiederum eine hitzige Diskussion auf der Insel entfacht über den Umgang mit der Geschichte. Ein Kritiker bezeichnete die Aktion als „moralische Säuberungskampagne“. Cecil Rhodes, der die Briten als „erste Rasse der Welt“ betrachtete, ist freilich umstritten. Im 19. Jahrhundert stand der skrupellose Unternehmer an der Spitze der britischen Kolonialbewegung.

Er erwarb für das Empire Kolonien, zwei wurden gar nach ihm benannt: Nordrhodesien, das heutige Sambia, und Südrhodesien, das heutige Simbabwe. Er sei verantwortlich für alle möglichen Verbrechen wie „Landdiebstahl, das Massakrieren von Zehntausenden schwarzen Afrikanern, der Einführung von unbeschreiblicher Ausbeuterei von Arbeitern in den Diamantenminen und der Entwicklung von Ur-Apartheid-Stategien“, so ein Student. Gleichwohl gehört Rhodes zu den Gönnern der berühmten Universität. Nach seinem Tod 1902 hinterließ er dem College ein beträchtliches Vermögen und brachte einen Großteil seines Gelds testamentarisch in eine Stiftung ein, die bis heute jungen Menschen ein Studium in Oxford ermöglicht.

"Man kann nicht alle Gebäude abreißen"

Der spätere US-Präsident Bill Clinton profitierte etwa vom Rhodes-Stipendium. Genauso wie Ntokozo Qwabe aus Südafrika. Dass der Jurastudent die „Rhodes Must Fall“-Kampagne mitgegründet und von Kapstadt nach Oxford getragen hat und gleichzeitig von dem finanziellen Zuschuss der Stiftung profitiert, kritisieren viele Briten als „widersprüchlich“ und „schmarotzerisch“. Nun mussten er und seine Mitstreiter eine Niederlage einstecken.

Eine „überwältigende“ Mehrheit spreche sich für den Erhalt der Statue aus, hieß es Ende der Woche von Seiten der Universität. Aber man wolle in Zukunft versuchen, es in einen klaren historischen Kontext einzuordnen. Die Aktivisten reagierten wütend: „Dieser Schritt ist empörend, unehrlich und zynisch.“ Mit besonnenen Worten äußerte sich zuvor bereits der Kanzler von Oxford, Lord Patten. Es gebe in Oxford wie auch an anderen britischen Universitäten und Städten zahlreiche Gebäude, die gegründet wurden dank des Ertrags von Leuten und von Taten, etwa dem Sklavenhandel, die „wir heute zu Recht als abscheulich verurteilen“. Man könne sie jedoch nicht alle abreißen, Geschichte nicht einfach entfernen.

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