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"Unsachlich und irritierend" - Böhmermann zu Antisemitismus-Vorwurf

Nach mehr als einer Woche äußert sich Jan Böhmermann nun zu dem Antisemitismus-Vorwurf, der öffentlich gegen ihn geäußert wurde. Der Satiriker vermutet persönliche Motive.
04.11.2018, 09:18
Lesedauer: 2 Min
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Von Sarah Haferkamp

Oliver Polak veröffentlichte kürzlich sein Buch "Gegen Judenhass". Darin beschreibt der jüdische Comedian den Antisemitismus in Deutschland aus seiner persönlichen Sicht - und vor allem aus seiner eigenen Erfahrungswelt. Und Polak beklagt auch, dass ein deutscher TV-Moderator ihn antisemitisch beleidigt hätte. Polak nennt keinen Namen. Medienjournalist Stefan Niggemeier schon. Für die Wochenzeitung "Der Freitag" schrieb er auf, dass es sich bei dem besagten Moderator um Jan Böhmermann handele. Jan Böhmermann? Ein Antisemit? Im deutschen Feuilleton entbrannte eine Debatte, die äußerst scharf geführt wurde. Böhmermann äußerte sich nicht - twitterte lediglich lakonisch "Ich kann leider ohne eine angemessene Umsatzbeteiligung nicht an der nachträglichen Umdeutung von ultrakrassen Ficki-Ficki-Comedykarrieren in schillernde, sensible Intellektuellenbiografien mitwirken."

Auch beim WESER-KURIER-Talk WESER-Strand, bei dem Böhmermann am vergangenen Freitag zu Gast war, speist er Moderator Axel Brüggemann elegant ab, verweist auf seinen Podcast mit dem Musiker Olli Schulz. Und tatsächlich, zu seinen Bedingungen, im Austausch mit Schulz, äußert sich Böhmermann nun und verweist zuerst auf die Faktenlage. Der Sketch, auf den sich Polaks Vorwürfe beziehen, sei 2010 entstanden - vier Kollegen seien daran beteiligt gewesen, haben sich den Sketch gemeinsam ausgedacht, gemeinsam geprobt. Das erste Buch von Thilo Sarrazin war gerade erschienen. "Ich bin wahnsinnig überrascht und enttäuscht von dieser irritierend unsachlichen Diskussion", sagt Böhmermann. Und dass man so eine Debatte nicht so unseriös und persönlich führen solle. Das werde der Ernsthaftigkeit des Themas nicht gerecht. Starke Worte, die aber auch erahnen lassen, dass er hinter dem Vorwurf ein persönliches Motiv sieht. Man könne zudem, führt er weiter aus, heutzutage nicht mehr undiffenziert an solche Themen rangehen. Die alten Reflexe würden in Zeiten von Juden in der AfD nicht mehr funktionieren. Gehegten Groll mit Themen zu mischen, die in einer ernsthaften Debatte zu besprechen seien, hält Böhmermann für unangemessen.

69 Minuten dauert die aktuelle Folge, die beim Streaming-Anbieter Spotify zu hören ist. In etwas mehr als acht Minuten sprechen Schulz und Böhmermann über den Vorwurf. Das Thema Antisemitismus ist für beide kein Neues. Erst jüngst war die Debatte um die Rapper Kollegah und Farid Band immer wieder Gegenstand ihrer Gespräche. Ob der Streit um die Vorwürfe nun weiter in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, bleibt abzuwarten.

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