Pandemie Virologe Fickenscher sieht angemessenen Corona-Kurs in SH

Fällt nach der Isolationspflicht für Corona-Infizierte auch bald die Maskenpflicht in Bus und Bahn? Noch ist dafür keine Einigung der Länder in Sicht. Für den Kieler Virologen Fickenscher wäre das aber folgerichtig.
03.12.2022, 08:40
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Bei Corona-Schutzmaßnahmen fährt Schleswig-Holstein nach Ansicht des Virologen Helmut Fickenscher einen gut vertretbaren Öffnungskurs. „Wesentlich ist der Übergang in die Normalität, da die außerordentliche Gefährdung durch schwere Erkrankung und Tod bei Sars-CoV-2 unter anderem aufgrund der hohen Impf- und Genesenen-Raten nicht mehr besteht“, sagte der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin der Universität Kiel der Deutschen Presse-Agentur gut zwei Wochen nach Auslaufen der Isolationspflicht für Infizierte.

Wesentlich bleibe aber auch der Grundsatz, dass akut und symptomatisch an Atemwegserregern erkrankte Personen nicht am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben erscheinen sollen. „Damit wird sehr effizient die weitere Übertragung reduziert.“

Nach einem sehr starken Rückgang der Fallzahlen nehmen diese Fickenscher zufolge aktuell wieder deutlich zu. „Aber das geschieht noch auf niedrigem Niveau und nur im Rahmen einer ausgeprägten Erkältungswelle, an der das Influenzavirus bereits wesentlich stärker beteiligt ist als Sars-CoV-2.“ Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen liegt der Norden derzeit in Deutschland im Mittelfeld und etwas über dem Bundesschnitt.

Fickenscher appellierte an die Eigenverantwortung der Menschen: „Wir alle können nun unsere persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Masken nutzen, um unser eigenes Risiko und das anderer zu reduzieren, egal durch welchen Erreger.“ Dazu seien aber gesetzliche Pflichten nicht mehr notwendig.

Mit Blick auf die nach aktuellem Stand noch bis Jahresende geltende Maskenpflicht in Bus und Bahn sagte Fickenscher, Einschränkungen der Bürgerrechte seien immer weniger vertretbar - weil die Bedrohung kleiner geworden sei. Ein Ende dieser Pflicht wäre aus seiner Sicht auch vertretbar. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte vor gut zwei Wochen angekündigt, die Maskenpflicht in Bus und Bahn nicht zu verlängern. Er wolle dafür im Gespräch mit den anderen Ländern möglichst eine einheitliche Regelung erreichen. Wie eine Regierungssprecherin der dpa sagte, werde die Landesregierung über ihr weiteres Vorgehen nach weiteren Gesprächen mit Experten in der übernächsten Woche entscheiden.

Hinsichtlich der Regeln im Öffentlichen Nahverkehr scheine derzeit noch kein Konsens absehbar, sagte Virologe Fickenscher. „Aber spätestens im Frühling erwarte ich, dass die Maskenpflicht im ÖPNV nicht mehr haltbar sein wird.“ Sie sollte durch eine Maskenempfehlung für besondere Situationen ersetzt werden. „Beispielsweise wäre die aktuelle Grippe-Welle dafür bereits ein guter Anlass.“

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