Rezeptfreie Schmerzmittel

Vorsicht, Nebenwirkungen

Schmerzen will jeder so schnell wie möglich loswerden. Um vorbereitet zu sein, haben viele ein Schmerzmittel zu Hause auf Vorrat. Doch Vorsicht! Auch rezeptfreie Schmerzmittel dürfen nicht unbedarft eingenommen werden.
22.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sabine Meuter
Vorsicht, Nebenwirkungen

Eine ganze Reihe von Schmerzmitteln sind in der Apotheke ohne Rezept vom Arzt erhältlich.

Uli Deck, dpa

Schmerzen will jeder so schnell wie möglich loswerden. Um vorbereitet zu sein, haben viele ein Schmerzmittel zu Hause auf Vorrat. Doch Vorsicht! Auch rezeptfreie Schmerzmittel dürfen nicht unbedarft eingenommen werden.

Im Kopf hämmert es, ein Zahn pocht, und der untere Teil des Rückens tut höllisch weh: Schmerzen will jeder so schnell wie möglich loswerden. Um vorbereitet zu sein, haben viele ein Schmerzmittel zu Hause auf Vorrat. Präparate zum Beispiel mit Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen sind oft ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Doch die Arzneimittel haben einen Haken: Auch wenn sie den Schmerz kurzzeitig ausschalten, seine Ursache bekämpfen sie nicht. Außerdem können sie nach der Einnahme auch Nebenwirkungen auslösen.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IMS Health ist der Absatz von Schmerzmitteln in Deutschland zuletzt leicht gestiegen. Im Jahr 2015 wurden knapp 162 Millionen Packungen Analgetika – so der medizinische Fachausdruck – in Apotheken verkauft, im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 2,4 Prozent. Knapp 115 Millionen der verkauften Schmerzmittel-Packungen hatten Verbraucher rezeptfrei erworben, das sind 1,4 Prozent mehr als 2014.

„Es spricht nichts dagegen, wenn bei kurzzeitigen Schmerzzuständen ein ansonsten gesunder Patient auf eigene Faust eine Schmerztablette schluckt“, sagt Peter Walger. Er ist leitender Arzt für Internistische Intensivmedizin und Infektiologie an den Evangelischen Kliniken in Bonn. Bei anhaltenden Schmerzen ist das aber anders: „In keinem Fall sollten rezeptfreie Schmerzmittel in der Selbstmedikation länger als drei Tage hintereinander eingenommen werden“, sagt Julia Richter vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).

Körper sendet Signale

Mit Schmerzen signalisiert der Körper: Etwas ist nicht in Ordnung. Auf der Haut oder in Organen hat der Mensch eine Art Fühler, in der Fachsprache heißen sie Nozirezeptoren. Sie reagieren bei bestimmten chemischen Stoffen, bei hohem Druck, aber auch bei Wärme und Kälte mit Impulsen, die an die nächstgelegene Nervenzelle geleitet werden. Von dieser wandert der Schmerz weiter an die Nervenfasern, von dort ins Rückenmark, und schließlich landet er im Gehirn, und man nimmt den Schmerz bewusst wahr.

Unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen. „Als chronisch werden solche Schmerzen bezeichnet, die seit mindestens drei Monaten regelmäßig auftreten und den betroffenen Patienten physisch, psychisch-kognitiv und sozial beeinträchtigen“, erklärt Richter. Kehren Schmerzen immer wieder, dann ist es unabdingbar, mithilfe eines Arztes den Auslöser hierfür zu finden. „Wichtig ist eine ganzheitliche Diagnostik“, sagt Walger. Ähnlich äußert sich die Heilpraktikerin und Diplom-Psychologin Brigitte Gudra aus München. Das heißt, neben einer körperlichen Untersuchung müssten auch psychische sowie soziale Faktoren bei einem Patienten ausgelotet werden.

Akute Schmerzen sind zum Beispiel eine Migräne-Attacke oder Zahnschmerzen. In solchen Fällen greifen Betroffene nicht selten zu einem rezeptfreien Schmerzmittel. Vorübergehend und in Maßen ist das häufig kein Problem. „Bestimmte Schmerzmittel können jedoch unmittelbar eine Magenschleimhaut-Entzündung auslösen“, erklärt Walger.

Magenblutungen durch unkontrollierte Einnahme

Nach seinen Angaben ist daher bei einer unkontrollierten Einnahme das Risiko von Magenblutungen verdoppelt bis vervierfacht. Eine Magenblutung kann im schlimmsten Fall eine notärztliche Behandlung erforderlich machen. Anzeichen für eine Magenblutung sind etwa das Ausscheiden von Blut über den Stuhlgang oder das Erbrechen von Blut. Nicht selten bleiben Magenblutungen unentdeckt und können dann eines Tages Ursache von Eisenmangel und chronischer Blutarmut sein.

Bei einer unkontrollierten Einnahme von Schmerzmitteln besteht außerdem das Risiko, dass die Nieren Schaden nehmen – das sei vor allem bei älteren Menschen eine Gefahr. „Auch steigt im Fall von Vorerkrankungen die Gefahr, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden“, sagt Walger. Wer ohnehin Medikamente gegen bestimmte Krankheiten schluckt, zum Beispiel blutdrucksenkende Mittel, sollte bei längerer Einnahme von Schmerzpräparaten Rücksprache mit einem Arzt halten.

Schmerzmittel können Asthma verstärken

„In solchen Fällen muss gegebenenfalls die Blutdruckmedikation angepasst werden“, sagt Walger. Nicht ausgeschlossen ist außerdem, dass Schmerzmittel asthmatische Beschwerden verstärken können. Grundsätzlich sollten die längerfristige Einnahme von verschiedenen Präparaten und die Einnahme von Mitteln bei Vorerkrankungen immer mit einem Arzt abgeklärt werden.

Ein weiterer Grund, weshalb Verbraucher nicht unbedarft Schmerzmittel einnehmen sollten: Das Präparat entfaltet nicht unbedingt die gewünschte Wirkung. „So gelten Paracetamol, Ibuprofen oder ASS als Entzündungshemmer“, erläutert Walger. Entzündungshemmer sind aber nicht selten bei Spannungskopfschmerzen oder Rückenschmerzen fehl am Platz. „Helfen kann in solchen Fällen oft eher Physiotherapie, sportliche Betätigung oder einfach ein Spaziergang an der frischen Luft“, weiß Gudra. Bei Kopfschmerzen hat es oft schon eine wohltuende Wirkung, ausreichend Wasser zu trinken.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+