Serie Wanderlust: Teil 8

Zu Fuß auf dem Fernwanderweg Jadeweg

Wir haben diesmal das Teilstück eines Fernwanderweges ausprobiert: auf dem Jadeweg von Oldenburg nach Sandhatten. Wir lernen eine schöne Strecke kennen, wenn nur nicht die Hitze an diesem Tag gewesen wäre.
04.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Zu Fuß auf dem Fernwanderweg Jadeweg
Von Marc Hagedorn

Ob die Idee, heute zu wandern, wirklich so gut war? Es wird immer wärmer. Wie vorhergesagt. Bis zu 35 Grad heiß sollte es heute werden. Weil wir unsere wöchentliche Wandertour aber nicht ausfallen lassen wollten, haben wir uns ganz früh auf den Weg gemacht. Sind um 5.30 Uhr aufgestanden. Waren um kurz nach 7 Uhr am Ausgangspunkt, dem Hauptbahnhof Oldenburg. Um die Zeit war es noch angenehm kühl.

Aber jetzt steigt die Temperatur. Und wir sind auf einem Teilstück unterwegs, das uns alles abverlangt. Nicht, weil es steil bergauf ginge oder durch unwegsames Gelände. Im Gegenteil: Die Gegend hier entlang der Hunte ist platt und der Weg befestigt und gut ausgeschildert, ein weißes J auf schwarzem Grund. Aber die Sonne brennt inzwischen und nirgends ein Baum.

Wir marschieren unterhalb des Deichs Richtung Sandkrug, rund fünf Kilometer in praller Sonne. Bei sieben, acht Grad weniger wäre dies ein schöner Abschnitt, aber jetzt müssen wir kämpfen und haben wenig Muße, die Umgebung, also die Weiden und die weitläufigen Maisfelder, auf uns wirken zu lassen. Aber wir haben es ja so gewollt – und tatsächlich ist es bis Sandkrug, unserem Zwischenziel, irgendwann nicht mehr weit. Und so viel sei schon jetzt verraten: Die Mühen und unser Durchhaltevermögen werden sich am Ende gelohnt haben.

Aufgeben? Oder durchhalten?

Wir haben uns diesmal einen Fernwanderweg vorgenommen. Den Jadeweg. Er führt vom Großen Hafen in Wilhelmshaven über Oldenburg zur St.-Peter-Kirche in Wildeshausen. 129 Kilometer, wenn man die komplette Strecke absolvieren will. Rund 24 Kilometer für uns, die das Teilstück von Oldenburg nach Sandhatten ausgewählt haben. Oder sollen wir in Sandkrug vorzeitig Schluss machen?

Es wäre ein legitimer Abbruch. Erstens muss man sich beim Wandern ja nicht sinnlos quälen, es soll schließlich ein Vergnügen sein, Geist und Körper gut tun. Und zweitens wäre der Rückweg gesichert: Wir könnten ab Sandkrug mit der Bahn bequem zurück zum Startpunkt nach Oldenburg fahren.

Wir müssen darüber nachdenken und machen erst einmal Pause auf der malerischen Sportanlage von SW Oldenburg. Hier gibt es Schatten, und wir rekapitulieren die bis dahin absolvierten rund 16 Kilometer Strecke. Zwar sind wir am Morgen mitten in der Stadt gestartet, aber es dauert keine fünf Minuten, und es fühlt sich an, als seien wir schon im Grünen. Ruhig, fast einsam ist es hier, zumal um diese frühe Uhrzeit. Vom Paradewall geht es durch den wunderbaren Schlossgarten. Danach wird es für kurze Zeit wieder urbaner, wir passieren schmuddelige Parkplätze und sehen mit Graffiti verzierte Brückenpfeiler. Aber wenn man erst einmal unter der A 28 hindurch ist und oberhalb des Osternburger Kanals der Stadt den Rücken kehrt, ist man tatsächlich draußen im Freien. Jetzt heißt es: immer am Fluss entlang, einfach dem Lauf der Hunte folgen.

Hunde in der Hunte

Jogger sind unterwegs, triefend nass trotzen sie der Hitze. Frauchen und Herrchen gehen mit ihren Hunden Gassi, die sie von der Leine lassen, damit die Tiere eine Abkühlung im Wasser der Hunte nehmen können. Als wir in unserer Pause auf dem Sportplatz in Sandkrug über diese Bilder nachdenken, ist der Entschluss rasch gefasst: Wir wandern weiter, von Sandkrug nach Sandhatten, wie ursprünglich geplant.

Die Pause hat die Lebensgeister wieder geweckt. Und auch die Aussicht auf das, was kommt, gibt uns einen neuen Schub, denn um nach Sandhatten zu gelangen, müssen wir durch das Barneführer Holz. Fortan geht es fast ausschließlich durch Wald. Hier ist es die ersehnten fünf, sechs Grad kühler, und irgendwie machen uns und unseren Füßen Waldwege doch mehr Spaß als Asphalt und Schotter. Ab jetzt ist das Wandern wieder so, wie es nach unserem Empfinden sein soll: ein Naturerlebnis, entspannend, ja beinahe meditativ.

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Einmal müssen wir über eine Brücke, die ihre besten Tage lange hinter sich hat. Es ist fast eine kleine Mutprobe: Wollen wir die morschen Bohlen wirklich betreten? Warum nicht! Schließlich haben wir heute schon mehrere Prüfungen bestanden. Im Schlossgarten Oldenburg sind wir einem Rasensprenger ausgewichen, der mitten auf dem Weg seiner Bestimmung nachkam und ordentlich Wasser in unsere Richtung spritzte. Am Ufer der Hunte versperrte uns später wie aus dem Nichts ein Gatter den weiteren Weg. Gut zu wissen, dass unsere Kletterkünste für derartige Hindernisse noch ausreichen. Und auch die Brücke im Wald überqueren wir schließlich unbeschadet. Kein Zweifel: Es hat sich gelohnt, bis Sandhatten durchzuhalten. Allerdings reicht das für diesen Tag auch vollkommen.

Wer, wie, wo, was, wann

Anreise: Mit dem Zug zum Hauptbahnhof Oldenburg, zurück ab Sandkrug mit der Bahn nach Oldenburg. 16 Kilometer lang ist die gewanderte Strecke in diesem Fall. WIr sind noch weiter gegangen bis Sandhatten und haben uns dort privat abholen lassen.

Streckenlänge: 24,7 Kilometer

Dauer: 4:33 Stunden (reine Laufzeit) Wegbeschaffenheit zunächst viel Asphalt, später Schotter und im letzten Drittel vor allem Waldwege

Vorschläge für die Kleine Pause:

Zum Pfefferkorn, Bahnhofstraße 11 in Hatten, geöffnet mittwochs bis sonntags von 11.30 bis 14.30 Uhr sowie 17.30 bis 21.30 Uhr und montags und dienstags 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr.

Tee und Cafe am Museum, Astruper Straße 42 in Hatten, sonnabends und sonntags von 13 bis 18 Uhr selbstgebackener Kuchen und Torten

Alte Post, historisches Wirtshaus, Huntloser Straße 8 in Sandhattten, mittwochs bis sonnabends 16.30 bis 22 Uhr, sonntags 11 bis 22 Uhr, montags und dienstags Ruhetag.

Weiterführende Informationen im Netz:

www.wiehengebirgsverband-weser-ems.de

www.rastede-touristik.de

www.hatten.de

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