Serie: Wanderlust Teil 3

Der Nordpfad Federlohmühlen im Landkreis Rotenburg

"Shinrin Yoku“ heißt die Erfindung der Japaner, zu Deutsch "Waldbaden". Auf der dritten Tour unserer Serie Wanderlust auf den Nordpfaden im Landkreis Rotenburg tun wir genau das: Waldbaden.
31.07.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Der Nordpfad Federlohmühlen im Landkreis Rotenburg
Von Marc Hagedorn
Der Nordpfad Federlohmühlen im Landkreis Rotenburg

Man muss nicht ins Wasser steigen, um ein Bad im Wald zu nehmen. Auf der Federlohmühlen-Tour geht Waldbaden, ohne nass zu werden.

Björn Wengler

Heute hat Buddy keine Lust. Und das ist gut für seine Familie. Buddy ist der Wachhund von Bamanns Hof in Federlohmühlen, und an manchen Tagen schließt sich Buddy einfach den Wanderern an, die des Weges kommen, und folgt ihnen. Manchmal viele Kilometer weit. Dann ist die Sorge bei Buddys Menschenfamilie groß: Wo ist der Hund denn jetzt schon wieder? An mehreren Bäumen und Zäunen sind entsprechende Hinweise befestigt. „Wenn ihr mich zufällig bei eurer Wanderung hier antrefft, nehmt mich nicht mit“, steht dort, „macht mir deutlich, dass ich weiter auf den Hof und die Wassermühle aufpassen soll.“

Tatsächlich treffen wir Buddy an Ort und Stelle an, aber an diesem Vormittag ist es so heiß, dass er keine Lust hat, sich zu bewegen. Faul liegt er vor der Eingangstür eines Fachwerkhauses gleich neben der Wassermühle. Die liebevolle Bitte an die Wanderer passt zum Charakter dieser Tour. Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Die Strecke führt uns vom Bauerndörfchen Riekenbostel im Landkreis Rotenburg durch prächtige Wälder mit einem Abstecher durchs Große und Weiße Moor zurück nach Riekenbostel.

Sich zu verlaufen ist schwer

Die Wanderung heißt Federlohmühlen und gehört zu den sogenannten Nordpfaden. 24 davon gibt es im Landkreis Rotenburg – und sie sind ein Geschenk für jeden Wanderer. Die Netzabdeckung mag in dieser Gegend in Teilen lückenhaft sein, wer nach Karte auf dem Handy wandert, bekommt also Probleme. Aber das Gute: Sämtliche Touren der Nordpfade sind so erstklassig ausgezeichnet, dass man überhaupt keinen elektronischen Wegweiser benötigt. Es ist im Grunde ausgeschlossen, dass man sich auf den Nordpfaden verläuft. Sehr schön.

Die verschiedenen Routen der Nordpfade sind zwischen fünf und 32 Kilometer lang. Nordpfade bedeuten: leichte Wanderungen im Flachen, naturnah und abwechslungsreich mit Wäldern, Wiesen und Feldern, Mooren, Heideflächen und Seen. Nur wenige Streckenabschnitte verlaufen neben befahrbaren Straßen, manche Feldwege sind asphaltiert, aber in der Mehrheit sind die Wege naturbelassen. Kein Wunder, dass mehrere Touren der Nordpfade in der Vergangenheit schon ausgezeichnet worden sind.

Sieht aus wie ein Stillleben aus Uhlenbusch anno 1978, ist aber Riekenbostel im Jahr 2020.

Sieht aus wie ein Stillleben aus Uhlenbusch anno 1978, ist aber Riekenbostel im Jahr 2020.

Foto: Marc Hagedorn

Das Besondere an der Federlohmühlen-Tour ist, dass sie über weite Strecken durch Wälder führt. Das ist hier oben in der norddeutschen Tiefebene nicht selbstverständlich, wo vielerorts Niederungen und Moore die Landschaft prägen. Hier dagegen gibt es viel ursprünglichen Wald, den Ützenbusch, den wildreichen Buhlen, das Waldgebiet Federloh und den Nadelwald Sehlbruch. Die Japaner haben vor Jahren "Shinrin Yoku“ erfunden, Waldbaden heißt das auf Deutsch. Hier versteht man, was damit gemeint ist, hier kann man sich der Atmosphäre des Waldes auf die angenehmste Art und Weise hingeben. Dass Hofhund Buddy davon manchmal gar nicht genug bekommen kann, versteht man als Wanderer sehr schnell, denn es geht einem selbst nicht viel anders.

Fast wie früher in Uhlenbusch

Am Straßenrand steht eine alte Holzkutsche. Jemand hat ein Schild mit der Aufschrift „Ponyreiten zwischen 10 bis 19 Uhr“ davor gestellt und von Hand eine strahlende Sonne, eine Blume und einen Pferdekopf dazu gemalt. Dorfidyll. Fehlt nur noch, dass Briefträger Onkel Heini wie früher in Uhlenbusch mit dem Fahrrad um die Ecke kommt. „Neues aus Uhlenbusch“ war Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre eine äußerst beliebte Kinderserie im ZDF über das Leben in einem Bauerndorf in Norddeutschland. Riekenbostel würde sich heute bestens für eine Fortsetzung eignen. Hier scheint an manchen Stellen die Zeit stehen geblieben zu sein, nicht nur beim Ponyreiten. In Riekenbostel gibt es alte Bauernhöfe, imposante Eichen und das aufwendig restaurierte Hofensemble „Cohrs Hof“ in der Nähe unseres Ausgangs- und Endpunktes am Parkplatz in Riekenbostel mit Hütte und Sitzgelegenheit. Der Parkplatz ist ideal für unsere Tour, nicht nur weil er kostenfrei ist. Eine mannshohe Infotafel mit Nordpfade-Logo und ausführlicher Wegbeschreibung verschafft einen prima Überblick. Man geht nur wenige hundert Meter und ist schon im ersten Waldgebiet auf der Strecke, Buchwörth genannt, angekommen. Spätestens ab hier gilt: eintauchen, entspannen, auftanken.

Das Naturschutzgebiet Großes und Weißes Moor gehört zu den am besten erhaltenen Hochmooren in Niedersachsen.

Das Naturschutzgebiet Großes und Weißes Moor gehört zu den am besten erhaltenen Hochmooren in Niedersachsen.

Foto: Marc Hagedorn

Abstecher ins Moor zum „Bodderpad“

Die eigentliche Federlohmühlen-Tour ist 13,7 Kilometer lang. Wem das nicht reicht, dem kann geholfen werden, denn ab Parkplatz Federloh ist ein Abstecher zum Naturschutzgebiet Großes und Weißes Moor sowie zum Bullensee möglich. Sehr hilfreich: Auch die Tour „Dör’t Moor“ gehört zu den Nordpfaden, und das heißt: Sie ist ebenfalls erstklassig ausgeschildert und kann je nach Tagesform in voller Länge (das wären noch einmal 13,7 Kilometer zusätzlich) oder in kleineren Etappen gewandert werden. Wir entscheiden uns für den „Butterweg“ oder „dee Bodderpad“, wie er plattdeutsch heißt. Viele Moorbauern nutzten ihn damals, um ihre Butter in Rotenburg zu verkaufen. Die „kleine Moorrunde“ ist 7,5 Kilometer lang und war einst die kürzeste Verbindung zwischen Kirchwalsede und Rotenburg. Das Naturschutzgebiet Großes und Weißes Moor, 654 Hektar groß, gehört zu den am besten erhaltenen Hochmooren in Niedersachsen. Themenpavillons informieren über Ursprung, Geschichte und Tierbestand, in zwei Aussichtstürmen verschafft man sich den dazugehörigen Überblick, im Westen auch über die Grabhügel aus der Jungsteinzeit. Lässt man das Moor hinter sich, führt der Weg vorbei am Kleinen und Großen Bullensee zurück zum Parkplatz Federloh und damit auf die letzten Kilometer der ursprünglichen Strecke Federlohmühlen.

Fachwerkensemble Federlohmühlen mit der Wassermühle, die gleichzeitig als Standesamt dient.

Fachwerkensemble Federlohmühlen mit der Wassermühle, die gleichzeitig als Standesamt dient.

Foto: Bjoern Wengler

Heiraten in der Wassermühle

Der Ort ist wie gemacht für Romantik. Über 200 Jahre alt ist die Wassermühle in Federlohmühlen, die im Laufe der vergangenen Jahre sorgfältig restauriert worden ist. In einem Raum des Gebäudes sind schon viele Ehen geschlossen worden, im Mühlenzimmer, denn in der Wassermühle ist das Standesamt Bothel zu Hause. Inschriften auf dem Fachwerk lassen erkennen, dass der letzte größere Umbau der Wassermühle im Jahre 1789 erfolgte. Bis 1975 wurde die Mühle auf herkömmliche Art betrieben, dann erhielt sie einen Motor. Heute sind Mühlenrad und Mühlenbach rekonstruiert, und bei ausreichend hohem Wasserstand kann die Mühle wieder in Betrieb genommen werden. Eine Ausstellung im Haus erzählt die Geschichte der Mühle. Der angrenzende See mit Sitzgelegenheiten ist wie gemacht zum Rasten und Stärken, ehe es weitergeht, vorbei an mehreren Teichen, die von 400 umliegenden Quellen gespeist werden.

Info

Zur Sache

Wer, wie, wo, was, wann?

Anreise: Mit dem Pkw zum Parkplatz Riekenbostel, Im Brink

Streckenlänge: 23,1 Kilometer (inklusive Abstecher)

Dauer: 4:16 Stunden (ohne Pausen, reine Laufzeit)

Wegbeschaffenheit: überwiegend naturbelassen und befestigt, nur sehr wenig Asphalt

Vorschläge für die kleine Pause am Wegesrand : Hartmannshof, Hartmannshof 1, Rotenburg/Wümme; Hofcafé, Nähe des Kleinen Bullensees, das Hofcafé, öffnet voraussichtlich ab August wieder. Informationen dazu unter 0421/920888 Zum Grünen Jäger, Im Dorf 9, Kirchwalsede; traditioneller Dorfgasthof gut sechs Kilometer südlich vom Großen Bullensee gelegen; auch mit regionaler Küche; geöffnet freitags bis dienstags ab 17.30 Uhr: sonnabends und sonntags auch von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr

Weiterführende Informationen:

www.nordpfade.de

www.nabu-rotenburg.jimdo.com

www.hartmannshof.info

Hinweis: Wegen Corona sind Bei Öffnungszeiten kurzfristige Änderungen möglich.

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