Serie Wanderlust - Teil 9

Drei Tipps für eine schnelle Runde in der Region

Die ehemals älteste Eiche Deutschlands, eine riesige Röhre und ein Scheunenviertel. Sie sind Sehenswürdigkeiten auf kleinen Wanderrouten in Syke, Hasbruch und Neubruchhausen.
11.09.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Drei Tipps für eine schnelle Runde in der Region
Von Marc Hagedorn
Drei Tipps für eine schnelle Runde in der Region

Drei besondere Touren: Den Eingang zur Amalieneiche im Hasbruch bildet ein umgestürzter Baum. Das Restaurant "Zum Mühlenteich" ist idyllisch gelegen, und an den Goldschatzfund erinnert eine Röhre.

Fotos: Marc Hagedorn (2), Vasil Dinev

Nach zuletzt mehreren langen Touren ist es mal wieder Zeit für ein paar schnelle Runden. Schon im vierten Teil dieser Serie haben wir drei Tipps gegeben. Unsere drei Empfehlungen diesmal: Wir haben im Hasbruch einige der ältesten Eichen Deutschlands besucht. Wir waren in Syke auf einem Weg unterwegs, der erst demnächst ganz offiziell wird. Und wir sind in Neubruchhausen sehr alten Gebäuden begegnet.

Durch den Hasbruch

Wäre ja auch gelacht, wenn der Weg zur Amalieneiche einen stinknormalen Zugang hätte. Die Amalieneiche ist schließlich einer der großen Stars im Hasbruch. Jahrzehnte lang war sie eine der ältesten, dicksten und bekanntesten Eichen in ganz Deutschland. Bis sie im Februar 1982 zusammenbrach und seitdem vor sich hin modert. Um zur Amalieneiche zu gelangen, muss man den Kopf einziehen. Ein Baum liegt quer über dem Weg, aber einer der Äste ist schlangenförmig gewachsen, so dass man darunter hindurch kann.

Der Hasbruch, seit 1997 Naturschutzgebiet, ist voll von solchen Besonderheiten. Im Kernstück, dem Urwald, scheint die Zeit still zu stehen. Seit 150 Jahren ist er sich selbst überlassen, keine Menschenhand und keine Maschine greift mehr forstwirtschaftlich ein. Hier ruht die Amalieneiche im östlichen Teil. Im westlichen Teil des Urwaldes ragt ihre Nachfolgerin als nun beeindruckendste Eiche empor: die Friederikeneiche. Ihr Alter wird auf 1250 Jahre geschätzt, 3,20 Meter dick ist sie.

Der Hasbruch ist kein Geheimtipp mehr, aber das ändert nichts daran, dass man ihn besucht haben sollte. Weil wir schon häufiger hier waren, müssen wir nicht mehr an jeder Station Halt machen. Dabei lohnt sich das: Tafeln am Wegesrand informieren über das Leben im Wald, über Frühblüher und Totholz, über Spechte und Schmetterlinge, Frösche und Fledermäuse. Ein Aussichtsturm, zwölf Meter hoch, erlaubt einen Blick auf die Jagdhüttenwiese und die renaturierte Brookbäke, die sich durch den Hasbruch schlängelt. Die Jagdhütte, 1857 erbaut und heute denkmalgeschützt, lädt zum Verweilen ein. Wir brauchen gut eineinhalb Stunden für den Rundweg durch den Wald, man kann sich hier aber auch ohne Probleme doppelt solange aufhalten.

Und wer noch Lust auf einen kleinen Abstecher hat beziehungsweise dringend eine Erfrischung braucht, der sollte dem Vielstedter Melkhus einen Besuch abstatten. Dafür verlässt man den Rundweg und folgt der Ausschilderung. Wir machen es noch anders: Wir steigen nach unserer Tour ins Auto und fahren ein kleines Stück Richtung Ganderkesee. In Kühlingen gibt es ein weiteres Melkhus. Vor allem Kinder werden es lieben: Hier gibt es Spiel- und Sportzeug satt.

Anreise: Mit dem Auto zum Parkplatz „Schwarzes Heck“ an der Vielstedter Straße gleich an der Abfahrt Hude an der A28

Streckenlänge: 8,49 Kilometer

Dauer: 1:32 Stunden

Wegbeschaffenheit: Waldwege

Vorschläge für die kleine Pause:

Vielstedter Burnhus, Am Bauernhaus 1, Hude, montags und dienstags geschlossen, mittwochs und donnerstags ab 17 Uhr, freitags und sonnabends ab 15 Uhr, sonntags ab 11 Uhr

Vielstedter Melkhus, Steinweg 5, Hude-Vielstedt, donnerstags bis montags von 14 bis 18 Uhr, sonntags ab 11 Uhr, dienstags und mittwochs geschlossen

Melkhus Kühlingen, Kühlinger Straße 33a, Ganderkesee, sonnabends von 11 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr, ab 19. September wieder geöffnet

Weiterführende Informationen im Netz:

www.hasbruch.de

www.landesforsten.de

Goldschatzweg in Syke

Eigentlich sind wir mit diesem Weg zu früh dran. Die Stadt Syke arbeitet gerade daran, die Karten und die Ausschilderung für den Goldschatzweg aufzufrischen. Aber weil wir freundlich angefragt haben, hat uns die Verwaltung Material über die künftige Streckenführung zur Verfügung gestellt. 10,5 Kilometer lang soll die Tour sein, teilweise ist sie identisch mit dem bereits etablierten Wanderweg „Hoher Berg“.

Und hier, am Aussichtspunkt „Hoher Berg“, sind wir nun auch, ziemlich genau auf halber Strecke. Vor uns liegt ein Rohr im Sand. Durchmesser 1,42 Meter, ungefähr fünf Meter lang und vier Tonnen schwer. Solche Rohre sind hier vor ein paar Jahren als Erdgasleitungen verlegt worden, und bei diesen Arbeiten sind Grabungsexperten auf einen Goldschatz gestoßen, den sogenannten „Gesseler Goldschatz“, 3400 Jahre alt. Er hat es inzwischen zu einiger Berühmtheit gebracht. Das Kreismuseum etwa widmet den Goldfunden aus der Bronzezeit eine eigene Ausstellung in eigens dafür angebauten Räumen. Da der Goldschatzweg am Kreismuseum beginnt und endet, liegt ein Besuch der Ausstellung nahe. Allerdings musste die Eröffnung wegen Corona auf Anfang Oktober verschoben werden.

Ein längerer Aufenthalt lohnt auch auf dem „Hohen Berg“. Hier ist ein Naturentwicklungsgebiet mit einem Aussichtsturm entstanden, der einen Blick bis nach Bremen ermöglicht. Liegebänke laden zum Ausruhen ein, eine Hütte sowie Feuer- und Grillstellen zum geselligen Beisammensein. Kinder toben sich auf dem Spielplatz aus. Mehrere Informationstafeln liefern Wissenswertes über die angelegten Biotope.

Der Weg bis zum „Hohen Berg“ ist abwechslungsreich. Anfangs geht es durch Wohngebiete, aber schon nach rund eineinhalb Kilometern ändert sich die Umgebung. Es wird grüner. Die Strecke ist auch bei Radfahrern sehr beliebt. Nach rund 3,8 Kilometern biegen wir in einen Wald ab und bewegen uns fortan am Waldrand entlang vorbei an Feldern und Wiesen.

Anreise: mit dem Auto oder der Bahn; Ausgangspunkt und Ziel ist das Kreismuseum Syke, Herrlichkeit 65. Da der Weg erst in Kürze komplett ausgeschildert sein wird, empfiehlt es sich, mit Karte, per GPS oder mittels App zu wandern.

Streckenlänge: 10,5 Kilometer

Dauer: 1:51 Stunden

Wegbeschaffenheit: Relativ viel Asphalt, aber auch Wald- und Feldwege

Vorschläge für die kleine Pause:

Ristorante da Nino, Bassumer Straße, 4, Syke; täglich geöffnet von 12 bis 14.15 Uhr und 18 bis 23.30 Uhr, sonnabends von 18 bis 23.30 Uhr, montags Ruhetag

Maximilian, Herrlichkeit 57, Syke; täglich geöffnet ab 17 Uhr, sonntags ab 10 Uhr, dienstags geschlossen

Weiterführende Informationen im Netz:

www.kreismuseum-syke.de

www.syke.de

Scheunenweg in Neubruchhausen

Eines vorweg: Das Scheunenviertel, das dem Rundweg, den wir gehen, seinen Namen gibt, ist einen Besuch wert, und zwar unbedingt. Acht Feldscheunen sind am Ortsausgang Neubruchhausen Richtung Bruchhausen-Vilsen versammelt, ein historisches Ensemble, die älteste Scheune stammt aus dem Jahre 1696. Aber man sollte sich vom Namen des Wanderweges auch nicht täuschen lassen und noch mehr erwarten: Wenn man das Scheunenviertel erst einmal hinter sich gelassen hat, war es das mit den historischen Scheunen auch schon. Danach folgen nur noch Wälder und Wiesen. Aber das ist ja nicht schlimm. Im Gegenteil: Wer Erholung vom Alltag und Entspannung im Grünen sucht, ist auf diesem Rundweg genau richtig. Die Tour ist eine unserer persönlichen Lieblingsstrecken für einen Sonntagsspaziergang.

Zumal der Scheunenweg zu einem Quartett aus Wanderwegen in dieser Gegend gehört. Es gibt hier auch noch den Waldrundweg, den Siebensternweg und den Hallstedter Laubfroschweg, alle zwischen 5,5 und 6,4 Kilometer lang. Der Clou an der Konzeption dieses Vierers: Die Touren sind miteinander verbunden, das heißt, dass man sie perfekt kombinieren kann. Dafür, dass man sich nicht verläuft oder bei der Neuzusammenstellung durcheinanderkommt, sorgt eine Ausschilderung, die man perfekt nennen darf.

Dieses Prädikat passt auch auf das Finale. Denn nach der Runde, wie groß sie am Ende auch immer geraten sein mag, ist ein Abschluss im Restaurant und Café „Zum Mühlenteich“ unbedingt zu empfehlen. Nach mehrjährigen Renovierungsarbeiten ist hier ein idyllisch zwischen Mühlenteich und Hache gelegenes Hotel mit angeschlossener Gastronomie entstanden. Unsere Empfehlung: ein Stück vom selbstgebackenen Kuchen.

Anreise: mit dem Auto zum Parkplatz am Restaurant und Café „Zum Mühlenteich“

Streckenlänge: 5,15 Kilometer

Dauer: 54 Minuten

Wegbeschaffenheit: viel Waldweg, etwas Asphalt

Vorschläge für die kleine Pause:

Hotel und Gasthaus „Zur Post“, Hauptstraße 16, Neubruchhausen; täglich geöffnet außer mittwochs

Kreyenhoop’s Gasthaus, Hauptstraße 58, Neubruchhausen, geöffnet mittwochs bis freitags ab 16 Uhr, sonnabends und sonntags ab 11.30 Uhr, montags und dienstags Ruhetag

Landgasthaus Karnebogen, Freidorf 16, Bassum-Freidorf; keine festen Öffnungszeiten, aber sonntags ist immer jemand vor Ort und an den anderen Tagen meistens; wer auf Nummer sicher gehen will, meldet seinen Besuch telefonisch an unter 04248/359

Restaurant und Café „Zum Mühlenteich“, Nienburger Straße 8, Neubruchhausen, täglich geöffnet von 9.30 bis 23 Uhr

Weitere Informationen im Netz:

www.bassum.de

www.meine-umweltkarte-niedersachsen.de

Das Restaurant "Zum Mühlenteich" ist der Startpunkt des Scheunenweges.

Das Restaurant "Zum Mühlenteich" ist der Startpunkt des Scheunenweges.

Foto: Vasil Dinev
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