Neue Studie Was Menschen motiviert

Bremen. Eine aktuelle Studie geht der Frage nach, welche Rolle die Willenskraft spielt, wenn Menschen sich selbst motivieren.
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Was Menschen motiviert
Von Jürgen Wendler

Ob es um die Schule geht, um Arbeit oder Sport: Menschen handeln nur deshalb in einer bestimmten Weise, weil sie ein entsprechendes Motiv haben. Mit der Vielfalt der möglichen Motive und deren Wirkungen beschäftigen sich nicht nur Psychologen, sondern auch Evolutionsbiologen und Hirnforscher. Eine aktuelle Studie geht der Frage nach, welche Rolle die Willenskraft spielt, wennMenschen sich selbst motivieren.

Der Ausdruck Motiv geht auf das Lateinische zurück; das Verb „movere“ bedeutet bewegen. Mit anderen Worten: Ein Motiv bewegt einen Menschen oder auch andere Lebewesen, etwas zu tun. Wie der Neurobiologe Professor Gerhard Roth von der Universität Bremen schreibt, streben Menschen danach, Ereignisse herbeizuführen, die zu positiven Gefühlszuständen führen, und Ereignisse zu vermeiden, die von negativen Gefühlszuständen begleitet sind. Hinter vielen Handlungen stecken körperliche Grundbedürfnisse, das heißt: Es geht zum Beispiel darum, Hunger und Durst zu stillen, sich bei Kälte zu wärmen oder bei Hitze abzukühlen.

Evolutionsbiologen, die sich mit der Entwicklungsgeschichte von Lebewesen wie dem Menschen befassen, bringen das Handeln mit der Evolutionstheorie Charles Darwins (1809 bis 1882) in Verbindung. Eine entscheidende Triebfeder ist demnach das Bedürfnis, sich fortzupflanzen und zu überleben. Während manche Motive wie etwa die Fortpflanzung angeboren sind, entwickeln sich andere erst im Miteinander mit anderen Menschen. Ein Beispiel dafür liefern Geld und Besitz. Wenn sie in einer Gesellschaft als besonders wichtig gelten, kann das Streben danach als Handlungsmotiv große Bedeutung erlangen.

Individuelle Unterschiede

Die Gesamtheit der Motive, die Handlungen zugrunde liegen, wird als Motivation bezeichnet. Sie ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt bewusste, leicht erkennbare Ziele und Wünsche und solche, die tief in der Gefühlswelt verankert und weniger offensichtlich sind.

So kann hinter einer Handlung zum Beispiel die bewusste Absicht stecken, eine besonders gut bezahlte Stelle in einem Unternehmen zu bekommen, Macht oder Ruhm zu erlangen. Eine wichtige Rolle kann aber auch spielen, dass jemand sich selbst etwas beweisen möchte oder die Nähe zu anderen sucht, ohne dass ihm dies selbst bewusst ist.

Nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern sind Menschen dann besonders leistungsfähig, etwa im Beruf, wenn die unbewussten Motive gut zum Tragen kommen können. Dass es ihnen unter dieser Voraussetzung leichter fällt, genügend Willenskraft für die Bewältigung bestimmter Aufgaben aufzubringen, zeigen aktuelle Untersuchungen der Psychologie-Professoren Hugo Kehr und Peter Gröpel von der Technischen Universität München. Ihre Ergebnisse haben sie im „Journal of Personality“ veröffentlicht.

Die Forscher ermittelten zunächst mithilfe von Tests, wie ausgeprägt das Machtmotiv, das heißt das innere Bestreben, andere zu beeinflussen und zu kontrollieren, und die Neigung, mit seinen Leistungen vor sich selbst bestehen zu können, bei den Studienteilnehmern waren.

Bei einem Experiment wurden diese aufgefordert, eine Szene aus dem Film „Club der toten Dichter“ nachzuspielen, in der der Vater seinem Sohn mit drastischen Worten verbietet, Schauspieler zu werden. Anschließend bekamen sie eine witzige Szene aus dem Film „Ice Age“ zu sehen, bei der sie nicht lächeln oder lachen sollten. Um den autoritären Vater zu spielen und nicht zu lächeln, mussten sie Willenskraft aufbringen.

Studienteilnehmern mit starker Machtmotivation fiel es leichter, in die Rolle des Vaters zu schlüpfen. Die Folge war, dass sie auch die zweite Aufgabe besser bewältigen konnten. Die Ressource Willenskraft war bei ihnen weniger schnell erschöpft. Ein ähnliches Ergebnis brachte ein Experiment, bei dem sich eine hohe Leistungsmotivation als vorteilhaft erwies.

Die Psychologen ziehen aus ihrer Studie den Schluss, dass es zum Beispiel für Unternehmen ratsam ist, Mitarbeitern unterschiedliche Anreize zu bieten. „Einer machtmotivierten Person könnte ein Unternehmen die Leitung eines Teams übertragen. Dagegen lässt sich ein leistungsmotivierter Mitarbeiter durch ein kreatives Projekt ohne großen bürokratischen Aufwand am besten anspornen“, erklärt Kehr.

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