Kommentar Weg von billig, billig

Felix Lee zur Wirtschaftsmacht China China war die vergangenen Jahrzehnte vor allem für eines bekannt: dafür, eine Flut von Industrieprodukten zu unschlagbaren Preisen auf die Märkte zu werfen. Doch das will Peking ändern.
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Weg von billig, billig
Von Felix Lee

Felix Lee

zur Wirtschaftsmacht China

China war die vergangenen Jahrzehnte vor allem für eines bekannt: dafür, eine Flut von Industrieprodukten zu unschlagbaren Preisen auf die Märkte zu werfen. Doch das will Peking ändern. Angesichts der Mittel, die angewandt werden, wird das sehr wahrscheinlich auch gelingen – mit weltweiten Folgen. Das Schwellenland hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine von außen betrachtet beeindruckende Wirtschaftsentwicklung hingelegt. Zweistellige Wachstumsraten fast durchgehend über drei Jahrzehnte hinweg – das ist bemerkenswert. Gewachsen ist die inzwischen zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt vor allem über ihre Exportindustrie. Ob Plastikschüsseln, Nike-Schuhe oder Computer – kaum ein Konsumprodukt, dass die Chinesen nicht kostengünstig hergestellt haben.

Der Preis dafür ist jedoch hoch: Angesichts der vielen Fabrikschlote und Chemiefabriken sind viele chinesische Städte schon jetzt kaum mehr bewohnbar. Ganze Generationen kennen nichts anderes als 14 Stunden täglich an sieben Tage in der Woche für umgerechnet wenige Euro zu arbeiten. Die Konsumenten in den hoch entwickelten Ländern haben die Arbeitsbedingungen, unter denen der China-Preis zustandekam, indes nur mit einem schlechten Gewissen toleriert. Weil die Chinesen bereit waren, so preiswert für die Weltmärkte zu produzieren, blieben die Preise für uns günstig. Wir waren die großen Profiteure.

Dabei wollte die stolze Kulturnation in Fernost nie der Billigheimer des Planeten sein – und strebt nun lediglich einen Spitzenrang unter den fortschrittlichen Ländern an. Diese Entwicklung wird die Weltwirtschaft nachhaltig verändern. Der Trend bringt höhere Preise für die Abnehmer in Europa und den USA. Er bringt aber auch mehr Konkurrenz für die deutsche Industrie. Hochwertige Maschinen können chinesische Anbieter inzwischen ebenfalls liefern. Trotzdem bleibt uns nichts anderes übrig, als China die nächste Entwicklungsstufe zu gönnen. Die chinesische Regierung steht daher zu Recht unter Druck, die Lebensverhältnisse ihrer Bürger zu verbessern. Die Menschheit wird es ihr danken.

politik@weser-kurier.de

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