Hapag-Lloyd-Chef im Interview

„Wenn man eine Weltstadt sein will, ist eine der Voraussetzungen ein interkontinentaler Flughafen“

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen ist ein vielbeschäftigter Mann. Nach mehreren Anläufen spricht er im Interview über Fehler, Freizeit und die Fahrrinnenanpassung.
15.06.2018, 17:01
Lesedauer: 6 Min
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Von Barbara Glosemeyer
„Wenn man eine Weltstadt sein will, ist eine der Voraussetzungen ein interkontinentaler Flughafen“

Fest im Boot: Rolf Habben Jansen führt Hapag-Lloyd, die größte deutsche Reederei und die fünftgrößte Reederei der Welt. Sein Vertrag wurde gerade bis 2024 verlängert.

Hapag-Lloyd

Hamburg Rolf Habben Jansen ist ein viel beschäftigter Mann. So muss er auch unsere erste Verabredung zum Interview absagen. Wichtige Gespräche mit dem Finanzvorstand machen eine Terminverschiebung unumgänglich. Zwei Tage später treffen wir den 51-jährigen Vorstandschef der größten deutschen Reederei, Hapag-Lloyd, in der Zentrale am Ballindamm − direkt an Hamburgs Binnenalster. Eine „würdige“ Adresse für die Hamburger Traditionsreederei und ein prachtvolles Gebäude: Schon seit dem 1. Juli 1903, also seit fast genau 115 Jahren, residiert die Hamburger Reederei an dieser Adresse, die den Namen des legendären Hapag-Generaldirektors Albert Ballin trägt. Ein Gespräch über Fehler, Freizeit und die Fahrrinnenanpassung.

Herr Habben Jansen, am Donnerstag hat die Fußball-WM begonnen und zwar ohne die Holländer. Gucken Sie trotzdem oder leiden Sie zu sehr als Holländer und bekennender Fußballfan?

Rolf Habben Jansen: Ich werde mir einige Spiele anschauen, aber weniger als sonst. Ohne die eigene Nationalmannschaft ist es natürlich nicht so spannend.

Neben Fußball sind Sie auch Eishockeyfan. Dafür stehen Sie nachts sogar auf und fliegen nach Nordamerika, nur um Spiele sehen zu können. Ist das nicht ein bisschen verrückt?

Jeder hat so Eigenheiten und ich gucke einfach gerne Eishockey − meistens zusammen mit einem Freund, der genauso Puck-Fan ist wie ich. Einmal im Jahr fahren wir gemeinsam nach Nordamerika, um uns Spiele live anzuschauen. Und auch hier in Europa nutze ich jede Gelegenheit, Spiele live zu sehen.

Was schaut sich der Manager Habben Jansen vom Eishockey ab?

Das passiert nicht wirklich. Aber Eishockey ist ein intensiver und leidenschaftlicher Sport und es wäre natürlich schön, wenn man diese Leidenschaft immer bei jedem Mitarbeiter erkennen könnte. Das ist in diesem Ausmaß aber natürlich nicht möglich. Ich genieße Eishockey sehr, weil es ein schnelles und sehr emotionales Spiel ist.

Ihnen ist als Vorstandschef das Kunststück gelungen, die schwer angeschlagene Reederei Hapag-Lloyd aus der Krise zu steuern. Mittlerweile zählt Hapag-Lloyd zu den profitabelsten Reedereien weltweit. Wie haben Sie das geschafft?

Dass Hapag Lloyd heute besser dasteht als vor fünf Jahren, ist nur möglich, weil alle Beteiligten − ob Mitarbeiter, Management, Kunden und unsere Gesellschafter − an einem Strang ziehen. Außerdem haben wir ein Quäntchen Glück gehabt mit den Deals, die wir machen konnten (Anm. d. Red.: Hapag-Lloyd fusionierte mit der chilenischen Reederei CSAV und der arabischen Reederei UASC). Das hat uns einen großen Schritt voran gebracht und in der Branche sehr geholfen.

Welche Eigenschaften muss ein CEO, der Vorstandschef, eines weltweit agierenden Unternehmens mitbringen?

Am Ende geht es darum, ob etwas sachlich stimmt und wirtschaftlich Sinn macht. Und natürlich geht es immer auch darum, dass Sie Maßnahmen ergreifen und Innovationen vorantreiben, mit denen Sie entweder die Profitabilität und Produktivität steigern oder die Kosten senken können. Das mag einfach klingen – ist es aber nicht.

Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?

Ich denke, man sollte die eigene Rolle nicht überbewerten. Ich versuche, gradlinig zu sein und offen für Diskussionen, die Ruhe zu bewahren und das Ziel im Auge zu behalten. Viel mehr gehört aus meiner Sicht nicht dazu.

Sie sollen schnell beim Denken und Handeln sein. Stimmt das?

Das müssen andere beurteilen. In meiner Rolle als Vorstandschef hat man es mit sehr vielen verschiedenen Themen und Zusammenhängen zu tun. Die Menge an Informationen, die täglich auf einen einströmt, ist schon sehr hoch. Insofern ist es natürlich wichtig, sich schnell einen Überblick verschaffen zu können.

Sind Sie deshalb ungeduldig?

Ja, vielleicht bin ich ungeduldig, aber das muss ich in meiner Rolle als CEO auch sein. Eine gewisse Ungeduld und ein gewisses Tempo sollte man schon vorgeben.

Können Sie Fehler verzeihen – sich selbst und anderen?

Ich denke ja, aber ich spreche Fehler auch an. Wenn man viel und hart arbeitet, gehören Fehler dazu Aber Fehler können passieren. Da darf man sich auch ärgern, aber dann muss man es auch abhaken und weitermachen.

Sie wirken zurückhaltend, geerdet, im Einklang mit sich selbst. Was bringt Sie denn mal aus der Fassung?

Wenn jemand immer den gleichen Fehler macht, dann ärgert mich das. Oder wenn sich jemand über getroffene Entscheidungen hinwegsetzt, ohne dies zu kommunizieren.

Bleibt der Hamburger Hafen auch in Zukunft wettbewerbsfähig?

Grundsätzlich ist der Hamburger Hafen gut aufgestellt, aber die Erreichbarkeit des Hafens ist ein echtes Problem. Je länger die Probleme der Fahrrinnenanpassung und der zu niedrigen Köhlbrandbrücke nicht gelöst sind, desto schlechter wird die Wettbewerbsposition des Hamburger Hafens. Das wird nicht von heute auf morgen passieren, aber dauerhaft wird sich der Umschlag verringern, wenn sich die Erreichbarkeit des Hafens, der ohnehin schon sehr weit im Inland liegt, noch weiter verschlechtern wird. Wenn der Hafen nicht an Bedeutung für die Stadt verlieren und weiter erfolgreich sein soll, muss man die Voraussetzungen dafür schaffen. Das bedeutet zu allererst gute Erreichbarkeit und vielleicht auch den Bau eines neuen Terminals für Großschiffe. Die Fahrrinnenanpassung und den Ersatz für die in die Jahre gekommene Köhlbrandbrücke muss man schnell angehen. Es dauert leider in Deutschland sehr lange, bevor solche Themen erfolgreich umgesetzt werden.

Denken Sie, man hätte schneller sein können . . .

. . . das kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur beurteilen, dass es sehr lange dauert. Der Wettbewerber ist ja nicht in erster Linie Wilhelmshaven, sondern es sind Antwerpen und Rotterdam. Die sind einfach schneller. Das ist nicht gut für Hamburg und deshalb sprechen wir das auch immer wieder an. Es ist völlig legitim, dass Umweltschützer die Fahrrinnenanpassung der Elbe verhindern wollen, aber irgendwann muss eine Entscheidung endgültig sein. Wenn das jetzt nicht endlich klappt, ist das ein desaströses Signal gegenüber den Reedereien und der gesamten Hamburger Hafenwirtschaft.

Wie viel Geduld haben die Kunden des Hamburger Hafens noch?

Die Kunden brauchen einen Plan, eine Verlässlichkeit, dass die Fahrrinnenanpassung und wann sie kommt.

Sie haben schon in vielen Städten und Ländern gelebt. Aus den Niederlanden zogen Sie nach Basel, später arbeiteten Sie in Bracknell in Großbritannien, Kopenhagen, Den Haag und jetzt in Hamburg. Was mögen Sie an Hamburg?

Hamburg ist sehr grün und ich finde es charmant, dass der Hafen mitten in der Stadt liegt. Und es gibt eine vielfältige hochwertige Restaurantszene und überraschend wenige Hochhäuser. Hamburg ist eine schöne Stadt, ich lebe gern hier.

Ist Hamburg eine Weltstadt?

Es gibt sicherlich noch Unterschiede zu Städten wie New York, Mumbai, Hongkong, Mexico City, Paris oder Los Angeles. Diese Städte haben viel mehr Einwohner als Hamburg – und viel mehr Hochhäuser. (lacht). Für eine Weltstadt ist das Flugangebot vom Hamburg Airport zu beschränkt. Von hier aus gibt es gerade mal zwei Kontinentalflüge nach New York und Dubai. Das ist mit Flughäfen von Weltstädten nicht zu vergleichen. Und in Hamburg hat sich seit dem Jahr 2000 daran nichts geändert. Wenn man Hamburg weiterentwickeln möchte, wäre es nicht verkehrt, wenn es ein paar mehr Verbindungen geben würde. Wenn man sich weiterentwickeln und tatsächlich eine Weltstadt sein will, ist eine der Voraussetzungen ein interkontinentaler Flughafen.

Hätten Sie auch 786 Millionen Euro für die Elbphilharmonie ausgegeben, wenn Sie das Sagen gehabt hätten?

Ich denke, niemand hätte diese Summe ausgegeben, wenn man es vorher gewusst hätte. Am Ende ist es wahrscheinlich richtig, dass sie es durchgezogen haben. Aber natürlich ist es unglaublich teuer geworden.

Was muss in Hamburg besser werden?

Im Leistungssport hat Hamburg viel verloren in den letzten Jahren. Das ist wirklich sehr schade.

Woher nehmen Sie Ihre Energie im Leben?

Das können viele Dinge sein: ein Abendessen mit Freunden, ein guter Arbeitstag, eine schöne Reise. Für mich ist es wichtig, abschalten zu können. Dazu gehört für mich auch, dass ich am Wochenende nur ganz selten arbeite.

Satzanfänge

Ich ärgere mich..., wenn wir einander nicht richtig informieren und Fehler wiederholen.

Meine Stärke ist... die Fähigkeit, große Mengen verschiedenartigster Informationen aufzunehmen und die Bereitschaft, dann auch schnell Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die sich später als falsch herausstellen, sind meist besser als gar keine Entscheidungen. Wir bewegen uns in einem so dynamischen Umfeld, dass wir es uns nicht erlauben können, zu lange mit unseren Entscheidungen zu warten.

Meine Schwäche... ist meine Ungeduld. Und ich lobe zu wenig, das weiß ich.

Eine Kreuzfahrt... habe ich einmal gemacht vor 20 Jahren. Ich hatte das Gefühl, dass es ewig dauert. Das war nichts für mich.

Gut verzichten könnte ich im Leben auf... zehn Kilo meines Körpergewichts.

Der HSV... , hoffe ich, kehrt zurück in die erste Bundesliga. Ich bin Fußballfan und manchmal gehe ich auch zum HSV.

Ich hätte gern mehr Zeit für... Kinder, Familie und Freunde. Ein bisschen mehr Freizeit wäre nicht schlecht.

Ich halte mich fit... ja, aber das ist nicht so einfach, wenn man so viel unterwegs ist. Wenn ich Zeit habe, gehe ich ins Fitnessstudio.

Das ist Rolf Habben Jansen

Rolf Habben Jansen wurde am 27. August 1966 in Spijkenisse bei Rotterdam geboren. Nach seinem Wirtschaftsstudium begann er seine Karriere bei der ehemaligen niederländischen Reederei Royal Nedlloyd. Dort sowie beim Schweizer Logistikunternehmen Danzas verschiedene Positionen inne, bevor Danzas mit DHL fusionierte. Von 2001 bis 2009 arbeitete er in verschiedenen Positionen bei DHL. Von 2009 an leitete er fünf Jahre lang das Logistikunternehmen Damco. Habben Jansen ist seit Juli 2014 Vorstands-Vorsitzender der Hapag-Lloyd AG. Er spricht neben seiner Muttersprache fließend Deutsch und Englisch. Er hat zwei Töchter, 19 und 22 Jahre, und lebt in Hamburg.

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