Farbenspiele beim Autokauf Die Psyche wählt mit

Wer ein Auto nach seinen Wünschen konfiguriert, der will mit der Farbwahl auch etwas aussagen – über sich selbst oder aber seine Beziehung zum Fahrzeug. Der Blick darauf: ein Fest für Hobbypsychologen.
30.04.2021, 14:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Psyche wählt mit
Von Oliver Matiszick

Nur selten tragen Autos ihre Lackfarbe aus Zufall. Wer ein Fahrzeug selbst konfiguriert, will mit der Farbwahl in der Regel auch etwas aussagen. Rot etwa steht seit jeher für Mut und Dynamik. Und dass Grau als Zeichen von Stärke und Widerstandskraft ­überaus ­beliebt ist – in Zeiten der Pandemie verwundert das wenig.

Sollten auch Sie zur Generation Golf gehören, also irgendwann rund um 1970 geboren sein, dann wird Ihnen beim Gedanken an den Traumwagen Ihrer frühen Erwachsenenjahre vermutlich schnell brillantschwarz vor Augen. So sah der, den auf den letzten Metern des alten Jahrtausends alle haben wollten, ja aus: VW Golf, erst III, später dann IV, aus Kostengründen mit dem 1,4-Liter-Benziner basismotorisiert. Aber immer mit schwarzem Lack versehen. Keine längere Wohnstraße, in der nicht wenigstens drei Stück davon standen.

Auch wenn sich der Geschmack geändert hat: Damals wie heute gilt, dass die Farbe des Lacks das Erste ist, das viele Menschen an einem Fahrzeug wahrnehmen. Erst danach kommen Form, Design und Details. Ein bestimmter Farbton kann einem Fahrzeug – auch dann, wenn es sich um ein Massenprodukt handelt –Charakter verleihen und dafür sorgen, dass es hervorsticht. Aktuell ist das etwa zu beobachten an den mattgrauen Lacken, die eine sportliche Note vermitteln sollen und sich quer durch alle Fahrzeugklassen großer Beliebtheit erfreuen.

Immer aber entscheiden sich Neuwagenkäufer bei der Konfiguration für eine Fahrzeugfarbe, von der sie das Gefühl haben, dass sie ihre Persönlichkeit abbildet. Die Wahl der Lackierung soll etwas aussagen: über den Besitzer selbst oder aber seine Beziehung zum Fahrzeug. Und da wären wir flugs auch ganz tief drin in dieser Sache mit der Psychologie – festgehalten von den Experten des Hauses Mazda, die mit ihrer beliebten Hausfarbe „Magmarot Metallic“ eine eigene Markenidentität geschaffen haben.

So vermittelt die Farbe Rot in den westlichen Kulturen Eigenschaften wie Mut und Dynamik, ein dunklerer Blauton hingegen vermittelt gelassene Kultiviertheit. Schwarz steht für Individualität und Selbstbewusstsein, Grün signalisiert Natürlichkeit, Unbeschwertheit und Fröhlichkeit. Leuchtende und lebhafte Farben vermitteln jugendliche Verspieltheit, während neutrale und dunklere Töne eher Eleganz und Zurückhaltung ausdrücken.

Kultur, Traditionen und Werte haben generell großen Einfluss auf die Popularität von Farben. So war Schwarz im Jahr 2020 weltweit die zweitbeliebteste Fahrzeugfarbe. Aber: Während in Europa und Japan mehr als 20 Prozent der Neuzulassungen derart lackiert sind, liegt der Anteil in Südamerika bei nur zehn Prozent, in Indien sogar nur bei zwei Prozent. Weiß führt die Liste in fast allen Regionen der Welt an – mit der Ausnahme Europa.

Hier erfreut sich seit einigen Jahren Grau großer Beliebtheit. Insbesondere in den Bereichen Mode, Technik und Design ist der Trend ungebrochen. Der amerikanische Farbexperte Pantone hat den Farbton „Ultimate Grey“ sogar zu einer seiner Farben des Jahres 2020 gekürt. Demnach verkörpert der Farbton Stärke und Widerstandskraft, er steht für die Suche nach Wahrheit, Wissen und Weisheit. In ungewissen Zeiten – und davon haben wir ja gerade eine ganze Menge – vermittelt er angeblich ein Gefühl von Beständigkeit und Sicherheit. Dadurch gelingt der Farbe Grau der Spagat, den wir doch alle gerne hinbekommen würden: Sie gilt als zeitlos und modern zugleich.

So gilt der Farbton aktuell als die perfekte Wahl für eine langfristige Investition wie ein Fahrzeug. Fast so wie einst ein brillantschwarzer Golf III oder IV.

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