Kommentar Wie ein Ufo

Marc Hagedorn über die DFB-Elf in Santo André Da können sich der Nationalmannschaftsmanager, der Assistenztrainer und der DFB-Generalsekretär noch so sehr bemühen und Süßholz raspeln. Den Eindruck, hier in der Einöde von Santo André sei ein Ufo gelandet, vermögen auch Oliver Bierhoff, Hansi Flick und Helmut Sandrock auf der ersten Pressekonferenz in Brasilien nicht zu vertreiben.
10.06.2014, 00:00
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Wie ein Ufo
Von Marc Hagedorn

Marc Hagedorn

über die DFB-Elf in Santo André

Da können sich der Nationalmannschaftsmanager, der Assistenztrainer und der DFB-Generalsekretär noch so sehr bemühen und Süßholz raspeln. Den Eindruck, hier in der Einöde von Santo André sei ein Ufo gelandet, vermögen auch Oliver Bierhoff, Hansi Flick und Helmut Sandrock auf der ersten Pressekonferenz in Brasilien nicht zu vertreiben.

Die deutsche Nationalmannschaft hat in einer einfachen Gegend im Norden Brasiliens Quartier bezogen, lebt aber wie auf einem eigenen Planeten. Daran ändern auch Grußbotschaften in Landessprache und der Empfang einer Gruppe von Pataxó-Indianern beim öffentlichen Training nichts. Polizei, Militärs und eigenes Sicherheitspersonal schotten Mannschaft, Trainer und Begleiter ab, wie man es sonst nur von hohen Staatsgästen kennt.

Bestenfalls sieben Mal wird der Tross sein Quartier im brasilianischen Nirgendwo verlassen und in den großen Metropolen des Landes Fußball spielen, um im Idealfall Weltmeister zu werden. Diesem Ziel ordnet der DFB alles unter, schafft die seiner Meinung nach perfekten Arbeitsbedingungen. Ablenkungen, so viel steht jetzt schon fest, bietet das Leben im DFB-Kosmos in Santo André nicht.

Der Verband weiß, wie leicht ihm das alles als abgehoben und unverhältnismäßig ausgelegt werden kann; erst recht, wenn am Ende nicht das große Ziel, der Gewinn der Weltmeisterschaft, erreicht wird. Deshalb geben sich die deutschen Gäste volksnah, auch wenn man bestimmt niemals einen Nationalspieler beim Bummel durch Santo André erleben wird.

Planungsweltmeister sind die gründlichen Deutschen schon jetzt. Und trotzdem sind Pannen nicht ausgeschlossen. Als die Mannschaft am Sonntag kurz nach ihrer Ankunft in Porto Seguro mit der Fähre zur Halbinsel übersetzen wollte, die jetzt die Heimat der Spieler ist, da blieb der Mannschaftsbus beim Verlassen der Fähre stecken und legte erst einmal den kompletten Verkehr lahm.

Vielleicht kann man das als Mahnung verstehen: Bei allem Ehrgeiz, bei aller Präzision und deutscher Wertarbeit sollte der Spaß nicht zu kurz kommen. Gerade im Fußball entscheiden oft Intuition, Fantasie und Spontaneität, wenn man Außergewöhnliches erreichen will.

marc.hagedorn@weser-kurier.de

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