Preise zuletzt erhöht

Wie sich Corona auf das Kaufen von Obst und Gemüse auswirkt

Vor zwei Wochen waren die Kisten in den Gemüseabteilungen der Supermärkte fast leer. Inzwischen sind sie wieder gut gefüllt. Auch die Preise sind dabei, sich zu normalisieren. Ein Experte erklärt, was kommt.
28.03.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie sich Corona auf das Kaufen von Obst und Gemüse auswirkt
Von Marc Hagedorn
Wie sich Corona auf das Kaufen von Obst und Gemüse auswirkt

Frisches Gemüse, so weit das Auge reicht. Vor zwei Wochen sah dies noch anders aus.

Christina Kuhaupt

Ein Streifzug durch die Gemüseabteilung eines Supermarktes im Bremer Umland zur Mittagszeit: Die Regale sind gut gefüllt. Äpfel, Kartoffeln, Bananen, Salate, alles da, auch Blumenkohl. Er liegt fest eingeschweißt in einer Kiste, schön weiß sieht er aus, wohlgeformt – und er hat einen Preis, der gepfeffert ist. Vier Euro kostet ein Kopf. Gleich daneben schmiegen sich schlanke grüne Salatgurken in einem Karton aneinander. 1,30 Euro kostet das Stück, kein Schnäppchen, aber verglichen mit dem Preis von vor zwei Wochen deutlich günstiger inzwischen. „Und nächste Woche gehen Preise für Gurken noch weiter runter“, sagt Heiko Faby.

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Der Mann kennt sich aus. Mit Vater und Bruder führt er den Faby Fruchtgroßhandel mit Standorten im Alten Land und am Waller Freihafen im Großmarkt Bremen. Hier laufen die Fäden zusammen, Waren werden angeliefert und an Händler weiterverteilt, die damit ihre Läden und Stände bestücken. Faby sagt, dass auch sie, die Großhändler, die Folgen von Corona merken. Restaurants, Mensen, Kantinen und Catering-Dienste, sonst Stammkunden, nehmen im Moment nichts ab, weil Gaststätten, Hochschulen und Firmen geschlossen sind und Veranstaltungen ausfallen.

Teures Obst und Gemüse

Gut für Faby, der Wochenmarkt- und Einzelhändler zu seinen Kunden zählt, und gut für die Branche insgesamt, dass es die Supermärkte, Discounter und Wochenmärkte gibt. Sie versorgen die Menschen auch in dieser Zeit verlässlich mit frischer Ware, auch wenn diese zwischenzeitlich buchstäblich ihren Preis hatte. Salatgurken für mehr als zwei Euro, Blumenkohl, der innerhalb von drei Wochen fast doppelt so teuer geworden ist, oder Orangen für ein Euro das Stück – „das Gemüse war knapp und der Preis hoch“, sagt Faby.

Das hatte seinen Grund: Vor zwei Wochen war die große Zeit der Hamsterkäufer. Sie sorgten dafür, dass Klopapier in Deutschland Karriere machte und an vielen Orten Desinfektionsmittel rationiert werden mussten. Auch die Gemüseabteilungen der Supermärkte sahen teilweise aus wie geplündert. Kartoffeln, Äpfel, Zwiebeln, Möhren, Lauch, „alles, was etwas länger haltbar war, wurde in Massen gekauft“, sagt Faby.

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Inzwischen aber, so der Fachmann, habe sich die Lage beruhigt, „wir sind bei den meisten Waren fast wieder auf dem Stand von vor Corona.“ Das gilt auch für Brokkoli, mit vier Euro pro Kilo noch immer stolz im Preis. „Aber zu dieser Jahreszeit ist das schon okay“, sagt Faby, auch wenn Brokkoli übers ganze Jahr gesehen unter vier Euro liegt. Auch die diversen Salatköpfe sind zu anderen Zeiten günstiger als im Moment, aber auch hier ist mit fallenden Preisen zu rechnen, wenn in zehn bis 14 Tagen die Salaternte in Deutschland beginnt.

300.000 Saisonarbeiter fehlen

Ein paar Ausnahmen aber bleiben: Blumenkohl etwa wird auf absehbare Zeit nicht günstiger werden, „darauf haben die Franzosen fast ein Monopol“, sagt Faby. Und dann ist da die große Frage, wie sich die Einreiseverbote für Saisonarbeiter auswirken werden. In Deutschland fehlen rund 300.000 Kräfte, um jetzt Spargel und demnächst Erdbeeren zu ernten. Wenn die Helfer die komplette Saison über fernbleiben, wird das die Menge verknappen und die Preise erhöhen.

Gespannt ist Faby auch darauf, wie in Spanien in eineinhalb Wochen die Steinobst-Ernte anläuft. Nektarinen und Pfirsiche werden dort vor allem von marokkanischen Erntehelfern von den Feldern geholt. „Wenn die Regierungen mit ihren Einreiseverboten hart bleiben, müssen wir mit weniger Ware von dort rechnen“, sagt Faby.

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Das ist bisher im Warenverkehr mit Italien noch nicht passiert, was Faby einigermaßen überrascht, ist Italien doch mit am schlimmsten betroffen von Corona. Nachschubprobleme von dort seien aber noch nicht spürbar. „Das ist das Problem zurzeit mit Corona“, sagt Faby, „die Situation ist extrem unübersichtlich und dynamisch. Vor 14 Tagen hätte ich Ihnen noch etwas ganz anders erzählt als jetzt. Und jetzt weiß keiner sicher, was in 14 Tagen sein wird.“

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Foto: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Statistisches Bundesamt. Daten von 2018.

Sicher ist nur, dass Deutschland immer ein Importland für Obst und Gemüse bleibt. Mehr als drei Viertel des Obstes, das die Deutschen verzehren, kommt aus dem Ausland, beim Gemüse sind es zwei Drittel. Es kommt in erster Linie aus Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden. Wenn jetzt im Ausland Lkw-­Fahrer fehlen oder sich an den Ländergrenzen kilometerlange Staus wegen Kontrollen bilden, ist das vor allem für leicht verderbliche Ware ein Problem.

„Unerschwinglich teuer wird Gemüse aber sicherlich nicht werden, denn sonst würde der Verbrauch einbrechen“, sagt Hans-Christoph Behr, und daran hat niemand Interesse. Behr ist Bereichsleiter bei AMI, einer Agrar-Informationsgesellschaft, die das Marktgeschehen beobachtet und analysiert. Er sagt: „Es gibt bei Obst und Gemüse eigentlich nie Preissteigerungen, die sich auf alle Arten beziehen. Damit bleibt dem Verbraucher immer die Möglichkeit, auf andere Arten auszuweichen.“

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Foto: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Statistisches Bundesamt. Daten von 2018.

Und das tun die Deutschen, angeblich ja kein Volk von ausgewiesenen Obst- und Gemüseessern, in diesen Tagen tatsächlich. Experten gehen davon aus, dass zum Beispiel die vermehrte Tätigkeit im Homeoffice inklusive Kinderbetreuung auch dazu geführt hat, dass die Nachfrage nach Gurken und Salaten gestiegen ist. Die Deutschen, so die Annahme, kochen im Moment mehr in und für die Familie, und dafür wählen sie ihre Zutaten gesünder aus.

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