Hochwasser-Katastrophe

Zahl der Todesopfer steigt auf mehr als 150

Allein in der Katastrophenregion Ahrweiler in Rheinland-Pfalz haben mehr als 110 Menschen ihr Leben verloren. Dort wird am Sonntag die Kanzlerin erwartet - der Finanzminister verspricht Milliarden.
18.07.2021, 03:48
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Rosenheim/Mainz (dpa) - Unwetter hatten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine Schneise der Verwüstung hinterlassen - mehr als 150 Menschen starben durch die Fluten.

Der Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz liegt im Kreis Ahrweiler. Allein dort kamen nach jüngsten Angaben der Polizei Koblenz über 110 Menschen ums Leben. 670 Menschen wurden verletzt. Es wird befürchtet, dass noch weitere Todesopfer und Verletzte hinzukommen.

«Wenn Sie die Bilder sehen, wie es da aussieht, kann man nicht ausschließen, dass noch weitere Leichen gefunden werden», hatte ein Sprecher gesagt. Weiterhin wurden Menschen vermisst. In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der bestätigten Todesopfer am Samstagabend bei 45, darunter waren vier Feuerwehrleute.

Am Sonntag will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die am schwersten getroffenen Gebiete in der Eifel besuchen. Merkel werde sich in der Gemeinde Schuld, die besonders schwer von der Unwetterkatastrophe getroffen wurde, ein Bild von der Lage machen, teilte die Staatskanzlei in Mainz mit. Im Anschluss ist ein Pressestatement in Adenau geplant - gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und weiteren rheinland-pfälzischen Ministern.

Scholz: «Es geht um Milliarden Euro»

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat unterdessen Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe im Westen in Aussicht gestellt. «Es braucht einen nationalen Kraftakt», sagte der SPD-Politiker der «Bild am Sonntag». Er wolle am Mittwoch im Kabinett zwei Dinge auf den Tisch legen. «Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht», erläuterte Scholz.

«Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.»

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der am Samstag mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Katastrophengebiet in Erftstadt besucht hatte, versprach Direkthilfe für die betroffenen Menschen und sagte zu, dass «sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt» werde.

Steinmeier hatte zu Solidarität und Spenden für die Opfer aufgerufen. «Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen», sagte er. Für Montag hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angekündigt.

Neue Unwetter suchen Bayern und Sachsen heim

Während sich die verheerenden Wassermassen aus vielen Flutgebieten in NRW und Rheinland-Pfalz allmählich zurückziehen, trafen Unwetter am späten Samstagabend den Süden und Osten Deutschlands. Der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern rief wegen der immensen Regenfälle den Katastrophenfall aus. Auch in der Sächsischen Schweiz gingen gewaltige Regenmassen nieder.

«Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar», erklärte das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

© dpa-infocom, dpa:210718-99-422001/8

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren