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Probleme mit dem Plastikmüll
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Es gibt keinen Planeten B

Maximilian Seidenfaden 11.08.2018 2 Kommentare

Ein trauriges Bild: An einem Strand in Indien sammelt sich Plastikmüll. Über Wind und die Brandung gelangt der Müll ins Meer.
Ein trauriges Bild: An einem Strand in Indien sammelt sich Plastikmüll. Über Wind und die Brandung gelangt der Müll ins Meer. (imago)

Es steckt in Autos, Elektronik, Tüten und Kosmetika – Plastik ist allgegenwärtig. Das mag in einigen Bereichen gut sein, denn ohne Plastik wäre die heutige Technik nicht da, wo sie ist. In vielen Bereichen aber hat sie auch Überhand genommen. Auf rund 37 Kilogramm pro Jahr bezifferte das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft den Plastikmüll pro Einwohner in Deutschland im Jahr 2015, ein Anstieg von 29 Prozent innerhalb von zehn Jahren und sechs Kilogramm über dem europäischen Durchschnitt.

Aber Plastikmüll ist kein rein deutsches oder europäisches Problem: 2015 wurden weltweit 322 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert – siebenmal so viel wie noch vor 40 Jahren, 1950 waren es noch 1,5 Millionen Tonnen. Und dabei bringt der Müll große Probleme mit sich, denn der Recyclinganteil liegt deutlich unter 50 Prozent, selbst bei den trennfreudigen Deutschen, der Rest landet auf der Deponie oder wird verbrannt. Bis Ende 2017 exportierte die EU über 80 Prozent ihres Plastikmülls nach China. Seit Anfang des Jahres dürfen jedoch Plastik und 23 andere Recyclingmaterialien nicht mehr nach China exportiert werden.

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Ein weiteres Problem ist die Umweltverschmutzung. Rund acht Millionen Tonnen des Plastikmülls landen laut Nabu jährlich im Meer, Forscher vermuten, dass sich die Zahl bis 2025 verzehnfachen könnte. Schon jetzt sterben jährlich Hunderttausende Tiere an den Folgen vom Plastik im Wasser. Im Frühjahr wurde ein toter Pottwal in Spanien an Land gespült, bei der Obduktion entdeckten Wissenschaftler 29 Kilogramm Plastik im Magen des Säugetiers. Im Meer schwimmen mittlerweile Teppiche aus Plastikmüll, die die Größe Deutschlands angenommen haben und stetig wachsen, denn Plastik löst sich kaum auf. 

Bis zu 450 Jahre kann die Zersetzung einer Kunststoffflasche dauern, informierte das Umweltbundesamt im vergangenen Jahr und riet dazu, auf Plastiktüten zu verzichten. Damit schiebt die Politik den Verbrauchern die Pflicht des Plastiksparens in die Schuhe, jedoch müssen drei Faktoren ineinandergreifen, damit eine Reduzierung des Plastikmülls funktionieren kann. Der erste Faktor ist die Politik.

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Im Januar stellt die EU eine neue Strategie vor. Bis 2030 sollen alle Kunststoffverpackungen recyclingfähig sein. Einmalprodukte wie Plastikteller, Wattestäbchen oder Trinkhalme sollen verboten werden.

Eine Regelung zum Umgang mit Mikroplastik sucht man jedoch vergeblich. Die Kunststoffteilchen mit einer Größe von unter fünf Millimetern finden sich unter anderem in Kleidung und Kosmetika und gelangen über das Abwasser in Flüsse und Meere. Dort werden sie von anderen Lebewesen wieder aufgenommen. Die Auswirkungen auf den Menschen sind noch nicht bekannt. Nachgewiesen wurde aber bereits Mikroplastik in Wasser und Lebensmitteln.

Tipp 1: Den inneren Schweinehund überwinden! 
Dieser erste Schritt klingt ganz simpel, stellt jedoch meistens das größte Problem dar. Deswegen hilft es, sich bei jedem Einkauf vor Augen zu halten: Die Minderung des Plastikverbrauches hilft sowohl unserer Erde, als auch uns selbst.
Tipp 2: Eine To-do-Liste erstellen! 
Auf dieser kann man beispielweise alle Artikel sammeln, die man in Zukunft ohne Plastikverpackung einkaufen möchte.
Tipp 3: Den Einkaufsmarkt mit den meisten plastikfreien Artikeln im Sortiment auswählen! 
Ein Anfang wäre es, sich zum Beispiel die Frage zu stellen: Wird Milch und Joghurt auch im Glas angeboten?
Wer komplett plastikfrei einkaufen möchte, kann einen Unverpackt-Laden aufsuchen. Dort kann man sich sämtliche Lebensmittel in eigene Behältnisse abfüllen, abwiegen lassen und ohne Plastikverpackung mitnehmen.
Fotostrecke: 15 Tipps für ein plastikfreies Leben

Die Richtung der Strategie stimmt, das Schneckentempo wirft aber Fragen auf. „Die EU muss schneller und konkreter handeln, um unseren Anteil an der weltweiten Plastikflut zu stoppen“, erklärte der WWF in einer Antwort auf die Strategie. Dabei ist die Richtlinie noch nicht mal beschlossene Sache, sondern muss noch von EU-Parlament und Europäischem Rat angenommen werden.

Der zweite Faktor ist die Industrie. Schon bei einem Gang in den Supermarkt fällt das Problem auf: Fast alles ist in Plastik eingepackt. Die ersten Märkte reagieren bereits, Lidl und Rewe wollen ab 2019 keine Trinkhalme aus Plastik mehr verkaufen, der Discounter auch auf Einweggeschirr verzichten. Mehr als ein Anfang ist das aber nicht, denn in anderen Bereichen lagern noch mehr Produkte, die man mühelos anders verpacken könnte. Papier oder Glas könnten Plastik mühelos ersetzen. Und hier ist die Industrie gefragt, dem Kunden mehr Alternativen anzubieten. Denn nur wenn es diese gibt, kann sich der Kunde auch tatsächlich frei entscheiden, ob er auf Plastikverpackung verzichten will. 

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Zum Schluss: der Konsument. Die Umstellung auf weniger Plastik muss im Kopf beginnen. Denn bei vielen Menschen ist noch der Drang vorhanden, zu dem von Plastik umwickelten Produkt zu greifen. In Plastik verpackte Produkte waren der Inbegriff von Frische und Reinheit. Aber muss es wirklich die 1,5-Liter-PET-Flasche sein statt Wasser aus der Glasflasche? Dabei gibt es auch Alternativen: Wochenmärkte füllen viele Lebensmittel in mitgebrachte Dosen ab, gleiches gilt für Unverpackt-Läden. Der Konsument mag am Ende der Kette stehen, doch wenn er mit dem Verzicht auf Plastik ein Zeichen setzt, müssen Produzenten reagieren. Denn alle gemeinsam müssen realisieren: Es gibt keinen Planeten B.


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...
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