Verdener Kommunalkino zeigt morgen im Cine City die Tragikomödie „Anduni – Fremde Heimat“ Zerrissen zwischen zwei Kulturen

Das Kommunalkino und die evangelische Kreisakademie präsentieren morgen, 20.20 Uhr, im Cine City die Tragikomödie "Anduni – Fremde Heimat".
15.01.2013, 05:00
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Von Gabriele Tetzner

Das Kommunalkino und die evangelische Kreisakademie präsentieren morgen, 20.20 Uhr, im Cine City die Tragikomödie "Anduni – Fremde Heimat".

Verden. Das armenische Wort "Anduni" lässt sich zwar nicht wortwörtlich ins Deutsche übersetzen, bedeutet aber am ehesten "heimatlos". Denn so fühlen sich die Nachfahren der Armenier, die die Massaker und Todesmärsche im Osmanischen Reich um 1915 überlebt haben und in aller Welt verstreut ein neues Lebensumfeld finden mussten.

Auch für Belinda (Irinia Potapenko) ist dieses Gefühl ein seit der Kindheit vertrautes Motiv: Sie lebt als Tochter armenischer Einwanderer in Deutschland und fühlt sich weder in dem einen, noch in dem anderen Kulturkreis wirklich heimisch. Um den strengen Konventionen, den Traditionen und den lärmenden Großfamilienfesten, denen sie nichts abgewinnen kann, zu ent-kommen, hat sie ein Studium in Köln begonnen – die einzige Möglichkeit, um unverheiratet aus dem Elternhaus ausziehen zu können. Das bedeutet nun erst einmal, die ungewohnte Unabhängigkeit in vollen Zügen zu genießen und vielleicht auch mit dem deutschen Freund Manuel (Florian Lukas) zusammenzuziehen, der wiederum darunter leidet, dass er Belindas Eltern nicht vorgestellt wird. Kontakt pflegt die junge Frau nur noch mit ihrer toleranten Mutter Margrit (Berrin Alganer-Lenz), die reichlich unter ihrem gern dem Alkohol zusprechenden Mann leidet.

Gefühl von Geborgenheit

Obwohl Belinda sich in ihrer Unentschlossenheit ganz gut eingerichtet hat, funktioniert das neue Leben nicht so recht. Und dann wird ausgerechnet der Tod des Vaters zum Antrieb, sich mit der eigenen Identität und den kulturellen Wurzeln auseinanderzusetzen. Zwar hadert sie mit ihrer unselbstständigen Mutter, die nie deutsch gelernt hat und für die sie sich nun um bürokratische Notwendigkeiten kümmern muss. Andererseits vermittelt die Art, wie die Familie parat steht und sich mit um alles kümmert, ein großes Gefühl von Geborgenheit. Die resolute Tante Arsine (Günay Köse) besorgt Belinda einen Job und managt das Leben der Nichte inklusive der Suche nach einem passenden armenischen Ehemann. Mit dem schlitzohrig-sympathischen Onkel Levon (Thilo Prückner) begibt sie sich schließlich auf eine Reise nach Armenien, wo sie in der Vergangenheit nach Antworten auf aktuelle Fragen suchen und den richtigen Platz im Leben finden will – mit oder ohne Manuel.

Die 1968 in Krefeld geborene Regisseurin Samira Radsi hat nach dem Studium von Politik und Kunstgeschichte eine Hochschulausbildung im Fach Filmregie absolviert und war bisher vorwiegend federführend bei Fernsehserien wie "Verbotene Liebe" und "GZSZ". "Anduni" ist ihr Lein-wanddebüt, das auf dem 32. Filmfestival mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet wurde. Es basiert auf dem Drehbuch von Karin Kaçi, deren Eltern selbst armenische Einwanderer sind und damit einen lebensechten Eindruck von den Familienstrukturen und der Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen vermitteln können.

"Anduni - Fremde Heimat", Tragikomödie von Samira Radsi (Deutschland 2011) im Cine City am Mittwoch, 16. Januar, 20.20 Uhr.

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