Kommentar zur TV-Geld-Debatte Zwei Welten

Wenn das Fernsehgeld im deutschen Profifußball nach neuen Kriterien verteilt würde, kämen die Bremer den Bayern nicht ernsthaft näher. Aber sie und andere Traditionsklubs in der Liga stünden ein wenig besser da, meint Andreas Lesch in seinem Kommentar zur Debatte.
10.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Zwei Welten
Von Andreas Lesch

Die Diskussion, wie das Fernsehgeld in der Fußball-Bundesliga verteilt werden soll, ist alt und doch neu. Immer wieder mal haben Klubs die Frage aufgeworfen, ob die Millionen aus der TV-Vermarktung nicht anders gesplittet werden sollten. Nie aber stand die Liga dabei so unter Spannung wie jetzt. Die Unterschiede zwischen den Vereinen an der Spitze der Tabelle und denen, die an Abstiegsangst leiden, wachsen von Jahr zu Jahr. Man muss diese immer klarere Spaltung der Liga nicht beklagen, denn der Profifußball ist keine Wohlfahrtsveranstaltung, sondern ein Geschäft. Aber diskutieren darf man sie allemal, schon weil ein zu starkes Gefälle in der Liga zu Langeweile führt und damit auf Dauer das Geschäft schädigen wird.

Es gibt in dieser Debatte nicht eindeutig Gut und Böse. Es gibt nur verschiedene Interessen, die immer schwerer miteinander zu vereinbaren sind – eben weil die Klubs sich immer weiter voneinander entfernen. Der FC Bayern und Werder Bremen etwa treten zwar noch in der Bundesliga gegeneinander an, sie spielen aber in Wahrheit längst in verschiedenen Welten, sie leben in verschiedenen Realitäten: Die Münchner zählen zu Europas Elite, sie messen sich mit Real Madrid und dem FC Barcelona, mit Manchester United, dem FC Chelsea und Paris St. Germain. Die Bremer sind schon froh, wenn sie gegen jene Münchner nicht untergehen; in den zwei Duellen dieser Saison haben sie 0 Punkte und 0:10 Tore erspielt – eine Bilanz, die ihre sportliche, finanzielle und strukturelle Unterlegenheit realistisch beschreibt.

Wenn das Fernsehgeld im deutschen Profifußball nach neuen Kriterien verteilt würde, kämen die Bremer den Bayern deshalb nicht ernsthaft näher. Aber sie und andere Traditionsklubs in der Liga stünden ein wenig besser da im Vergleich zu von Konzernen oder Mäzenen gepäppelten Emporkömmlingen wie dem VfL Wolfsburg oder 1899 Hoffenheim. Dieser Konflikt zwischen Alteingesessenen und Neureichen verleiht der Debatte ihren Reiz, denn er rührt an einer sehr grundsätzlichen Frage. An der Frage, was im Sport am Ende zählen soll: die Fakten auf dem Platz oder die Zuneigung im Publikum? Der Erfolg oder die Liebe? Wenn die Liga es schaffte, diese Frage modern und zeitgemäß zu beantworten, dann wäre sie auf ihrem Weg in eine gute Zukunft einen erheblichen Schritt weiter.

andreas.lesch@weser-kurier.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+