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Die EM-Starter: Polen
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Bei den Polen ist Robert Lewandowski der Anführer

Maik Rosner 06.06.2016 0 Kommentare

Robert Lewandowski ist der Anführer der Polen.
Robert Lewandowski ist der Anführer der Polen. (dpa)

Robert Lewandowski hat die Geschichten selbst erzählt, deswegen darf man sie wohl glauben. Jedenfalls eher, als wären die Geschichten nur gerüchtehalber und über drei Ecken weitergereicht worden, von ehemaligen Weggefährten oder solchen, die sich als solche ausgeben. Es könnte zwar auch sein, dass es sich bei den Geschichten um eine Maßnahme handelt, mit der das Image des eher brav wirkenden Stürmers ein bisschen aufgemotzt werden soll. Andererseits könnte man sich dafür vielleicht auch bessere Geschichten ausdenken als jene, die Lewandowski in seiner Biografie „Meine wahre Geschichte“ hat aufschreiben lassen.

Zu dieser Geschichte zählt demnach, dass sich Lewandowski als Jugendlicher das Auto seiner Eltern mehrfach „ausgeliehen“ hat und damit durch die westliche Peripherie Warschaus gefahren ist, ohne Führerschein versteht sich. „Organisiert“ hätten er und seine Freunde auch anderswo Motorräder und Autos, um damit durch den Wald zu düsen. Manchmal sei es sogar zu Verfolgungsjagden mit der Polizei gekommen, bewusst provoziert durchs Vorbeifahren an der Wache. Die Dienststelle der Ordnungshüter, so schildert es Lewandowski, bewarfen sie zuweilen mit Bananenschalen und Joghurtbecher, wenn ihm und seinen Kumpels wieder einmal langweilig war. Laut seiner Biologie-Lehrerin warf er auf dem Gymnasium sogar mal eine ganze Schulbank, wegen einer seine Meinung nach ungerechtfertigten Note. Und in einem Fußballtrainingslager wurde der Teenager Lewandowski mal beim Rauchen erwischt.

Lewandowski nimmt eine zentrale Rolle ein

Gut zehn Jahre später, mit 27, tritt der ehemalige Polizisten-, Eltern-, und Lehrerschreck Robert Lewandowski als äußerst gesundheits- und fitnessbewusster sowie unangefochtener Anführer seiner Nationalmannschaft und großer Hoffnungsträger der polnischen Fans bei der EM in Frankreich an. Dem Stürmer des FC Bayern kommt in der Mannschaft von Nationaltrainer Adam Nawalka (58) die zentrale Rolle zu. Wegen seiner Tore, aber auch wegen seiner Popularität. Das ist vielleicht weniger wegen der Jugend­sünden erstaunlich, sondern vielmehr wegen der ganz frühen Anfänge, in denen der einst sehr schmächtige Junge „Bobek“ genannt wurde, was so viel wie Hasenköttel oder Scheißerle  bedeutet. Doch spätestens seit seinem Wechsel von Borussia Dortmund zu Bayern München hat es Lewandowski zum allseits bewunderten und begehrten Weltstar gebracht, jedenfalls in der Kicker­branche.

Die zurückliegende Saison geriet dabei beim FC Bayern wie im Nationalteam zur erfolgreichsten seiner bisherigen Karriere. 30 Tore erzielte er allein in der Bundesliga, wurde damit natürlich Torschützenkönig und zudem bester ausländischer Torschütze in einer Saison in der Ligageschichte. Nebenbei knackte er erstmals seit 39 Jahren wieder die Marke von 30 Toren. Und dann war da ja noch der fabelhafte Fünferpack im September gegen den VfL Wolfsburg, als Lewandowski beim Halbzeitstand von 0:1 eingewechselt wurde und zwischen der 51. und 60. Minute jene fünf Tore erzielte, mit denen er sich gleich vier Einträge im Guinness-Buch der Rekorde sicherte – für den schnellsten Hattrick der Bundesliga-Geschichte (3:22 Minuten), den schnellsten Viererpack (5:42) und Fünferpack (8:59) sowie die meisten Tore nach einer Einwechslung. „Ich war auch ein bisschen sauer, dass ich auf der Bank saß“, sagte Lewandowski
danach.

Starke Offensive - schwache Defensive

Ähnlich beeindruckend fielen seine Zahlen in der EM-Qualifikation aus, in der es Lewandowski auf 13 Tore in zehn Spielen brachte, womit er den Rekord des Nordiren David Healy von 2007 einstellte. Maßgeblich hatte Lewandowski damit auch zu jenen 33 Toren beigetragen, mit denen Polen die Qualifikation als angriffsstärkste Mannschaft abschloss. Das war auch ein Verdienst seines Sturmpartners Arkadiusz Milik, einst beim FC Augsburg sowie Bayer Leverkusen und zuletzt bei Ajax Amsterdam in der niederländischen Ehrendivision 21 Mal erfolgreich, der in der Qualifikation immerhin sechsmal traf.

Der Offensivstärke stehen die Defensivschwächen der polnischen Auswahl gegenüber. Von den EM-Teilnehmern musste nur Tschechien mehr Gegentore in der Qualifikation hinnehmen. Zehn kassierten die Polen, 13 waren es bei Tschechien. Trotz dieser Unwucht sind sie zuversichtlich in Polen für das Turnier in Frankreich. „Wenn ich auf die Spieler und unser Spiel schaue, dann ist es das beste polnische Team, in dem ich je gespielt habe“, sagt Lewandowski. Sicher auch wegen der vielen international erfahrenen Spieler, wie die aktuellen und ehemaligen Dortmunder Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski oder Grzegorz Krychowiak von Europa-League-Sieger FC Sevilla. Und vor allem natürlich wegen des alle Kollegen überragenden Lewandowski. „Eines ist klar: Wenn Robert in Topform ist, wird er uns sehr helfen“, sagt Trainer Nawalka, seit 2013 im Amt.

Dass Lewandowski in Form sein wird, daran besteht wenig Zweifel. Allein schon wegen seiner Frau Anna, die als ausgebildete Ernährungsberaterin streng über die Kost ihres Roberts wacht. Sie war es auch, die ihm empfohlen hat, rückwärts zu essen, also angefangen mit dem Dessert. Noch so eine Geschichte aus Lewandowskis Leben. Aber eine eher brave.

Polen Gruppengegner: Deutschland, Ukraine, Nordirland

Größte Erfolge: WM-Dritter 1974 und 1982, EM-Gruppenphase 2008 und 2012

Trainer: Adam Nawałka

Beste Torschützen: insgesamt – Włodzimierz Lubański (48); aktuell – Robert Lewandowski (34)

Meiste Einsätze: insgesamt – Michał Żewłakow (102); aktuell – Jakub Błaszczykowski (75)

Gründung des Verbandes: 1919

Spitzname: Biało-czerwoni (die Rot-Weißen)

Amtierender Meister: Legia Warschau


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