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Die EM-Starter: Belgien
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Belgien: Das Team der Hochbegabten

Daniel Theweleit 29.05.2016 0 Kommentare

Stars hat Belgien viele im Kader, er aber gilt als potenzieller Superstar des Weltfußballs: Offensivspieler Kevin De Bruyne (rechts), hier mit Eden Hazard. Was dem 24-jährigen Ex-Werderaner noch fehlt, ist ein Titel mit der Nationalmannschaft – nicht ausgeschlossen, dass sich das mit der EM 2016 ändern könnte.
Stars hat Belgien viele im Kader, er aber gilt als potenzieller Superstar des Weltfußballs: Offensivspieler Kevin De Bruyne (rechts), hier mit Eden Hazard. Was dem 24-jährigen Ex-Werderaner noch fehlt, ist ein Titel mit der Nationalmannschaft – nicht ausgeschlossen, dass sich das mit der EM 2016 ändern könnte. (dpa)

Wenn derzeit die Experten im Fernsehen und an den Stammtischen in Fußballdeutschland über die größten Favoriten auf den EM-Titel debattieren, wird fast immer auch der Name der kleinen Fußballnation Belgien genannt. Nicht gleich an erster Stelle, aber spätestens in irgendeinem Nebensatz taucht die hoch veranlagte Mannschaft von Trainer Marc Wilmots auf.

Sie hat zwar noch nie einen großen Titel gewonnen, bringt sonst aber alle Eigenschaften mit, die so ein Favorit braucht: Das Team steht aktuell auf Rang zwei der Fifa-Weltrangliste, der Kader ist üppig bestückt mit Stars aus den besten Klubs des Kontinents, vor zwei Jahren in Brasilien wurde eine kostbare Portion Turniererfahrung gesammelt, und natürlich gibt es großartige Einzelspieler. Außerdem ist die Altersstruktur günstig, und sogar einen Mann mit dem Potenzial zum Superstar der EM haben sie: Kevin De Bruyne, auch in Bremen bestens bekannt.

„Belgien hat die Voraussetzungen, sowohl diese EM als auch die WM 2018 zu gewinnen“, hat die italienische Torwartlegende Gianluigi Buffon jüngst erklärt. Das klingt prächtig, wobei Skeptiker spätestens beim Argument mit dem Superstar einhaken können: Auf der ganz großen Bühne, in den ganz großen Spielen, ist die hohe Kunst des Kevin De Bruyne noch nicht zu sehen gewesen. Warum also ausgerechnet bei dieser EM?

Wilmots: Favoriten sind Frankreich, Deutschland und Spanien

Der 24-jährige Ex-Werderaner, der inzwischen bei Manchester City spielt, ist zweifellos ein Weltklassefußballer. Aber vielleicht steht ihm manchmal sein zurückhaltendes Wesen im Weg. Auf Partys sei er einer von diesen Typen, die „eher in der Ecke stehen”, hat er mal in einem Interview mit dem Magazin „11Freunde“ berichtet und erzählt, dass er lieber Tore vorbereite, als selbst welche zu schießen. So viel Zurückhaltung macht es gewiss nicht einfacher, die Erwartungen eines ganzen Landes zu schultern.

Immerhin kann Trainer Wilmots versichern, dass De Bruynes Knieverletzung aus dem Januar, mit deren Folgen er sich während der gesamten Rückrunde plagte, ausgeheilt ist. „Kevin wird frisch sein, wenn die EM beginnt“, sagt Wilmots, der dennoch deutlich widerspricht, wenn er mit der These von Belgien als Geheimfavorit konfrontiert wird. Die Favoriten seien Frankreich, Deutschland und Spanien, „wir sind bei diesem Turnier ein Außenseiter“, sagt er. Aber natürlich weiß der ehemalige Schalke-Stürmer, dass kaum ein Konkurrent besser besetzt ist.

Kompany fällt aus

Im Kader stehen neben De Bruyne diverse Spieler aus den besten Klubs der Welt: Eden Hazard gehört ebenso zu den Leistungsträgern beim FC Chelsea wie Keeper Thibaut Courtois, Yannick Ferreira-Carrasco bestritt am Sonnabend noch das Champions-League-Finale mit Atlético Madrid, Toby Alderweireld und Moussa Dembélé haben eine starke Saison in Tottenham hinter sich. Und schließlich Romelu Lukaku, der nach 18 Premier-League-Treffern für den FC Everton von diversen Topklubs umworben wird.

Schmerzhaft ist allerdings der Ausfall von Kapitän Vincent Kompany (Manchester City), der Wilmots zu ärgerlichen Umbauarbeiten in der Defensive zwingt. Das bereite ihm „keine Sorgen“, behauptet der Trainer zwar, wobei nicht ganz klar ist, ob Wilmots tatsächlich eine überzeugende Alternativlösung im Kopf hat – oder ob diese Aussage doch eher zur Beruhigung der belgischen Öffentlichkeit dient. Dort sind die Erwartungen enorm, nachdem die Goldene Generation vor zwei Jahren in Brasilien bis ins WM-Viertelfinale stürmte und dort nur ganz knapp an Argentinien scheiterte. „Wenn wir im Halbfinale stehen, haben wir enorm gut gearbeitet“, sagt Wilmots jetzt. Kritiker monieren indes, dass die Mannschaft sich in den vergangenen beiden Jahren taktisch nicht weiterentwickelt habe.

"Das belgische Team ist ein Vorbild für gelungene Integration"

Als sein Team der Hochbegabten 2012 begann, von Erfolg zu Erfolg zu schweben, wurde ein typischer Außenseiterfußball gespielt: die Defensive stand kompakt, nach Balleroberungen wurde schnell umgeschaltet, um das Tempo von De Bruyne sowie seiner Nebenleute zur Geltung zu bringen. Inzwischen aber haben sich viele Gegner darauf eingestellt, worauf Wilmots mit einer Stärkung der Offensive reagierte. „Was andere denken, interessiert mich nicht“, erwidert er recht dünnhäutig auf die Vorwürfe der Kritiker. Taktisch habe er „nichts mehr zu lernen, ich habe genug gesehen und mitgemacht. Jeder mag seine Meinung haben, aber wenn ich nicht kompetent bin, würden wir nicht seit vier Jahren so viel Erfolg haben“, sagt Wilmots.

Das EM-Projekt hat für ihn dann auch eine Dimension, die weit über das Sportliche hinausreicht. Belgien ist im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris im Herbst 2015 ja zu einem Brennpunkt des internationalen Terrorismus geworden – und das wirkt sich auch auf die Nationalelf aus. „Das belgische Team ist ein Vorbild für gelungene Integration, für ein Miteinander von Kulturen und Religionen, und wir sind sehr erfolgreich mit unserer Idee vom Leben“, sagt Wilmots, der einige Zeit für die liberale Partei Mouvement Réformateur im Parlament saß. Und eine erfolgreiche EM soll diese Werte stärken, die schon mal populärer waren in Wallonien und Flamen.


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