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EM-Starter: Schweiz
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Mehr Wohlwollen, bitte

20.05.2016 0 Kommentare

In den vergangenen Monaten dachte Vladimir Petkovic manchmal wehmütig an seine Zeit an der türkischen Schwarzmeerküste zurück.

(dpa)

Nicht wegen seiner sportlichen Meriten mit Samsunspor in der Süper Lig – dort wurde er 2012 wegen Erfolglosigkeit beim damaligen Aufsteiger nach nur einem halben Jahr im Amt entlassen. Sondern wegen der sprachlichen Flexibilität der Türken. Er habe dort Italienisch oder Deutsch gesprochen – und alle seien zufrieden gewesen, erzählt der im früheren Jugoslawien geborene Petkovic. In seinen zwei Jahren als Schweizer Nationaltrainer fühlte er sich hingegen oft missverstanden, unabhängig davon, ob er sich nun auf Deutsch, Italienisch oder Französisch artikulierte.

Seine Arbeit als Nachfolger von Trainer-Ikone Ottmar Hitzfeld machte das nicht einfacher, vor dem Start in sein erstes großes Turnier als Nationaltrainer setzt Petkovic deshalb auch auf Symbolik: Beim Trainingslager im Tessin, das am Sonntag beginnt, ist unter anderem ein Schiffsausflug auf dem Luganersee geplant, zu dem neben Spielern und Trainerstab auch die Schweizer Journalisten eingeladen sind. „Um zu zeigen: Wir sitzen alle in einem Boot“, erklärt Petkovic.

Tor: Roman Bürki (Borussia Dortmund)
Marwin Hitz (FC Augsburg)
Yvon Mvogo (Young Boys Bern)
Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach)
Fotostrecke: Das ist der vorläufige EM-Kader der Schweiz

Auch Granit Xhaka wird dann mit über den See schippern. In Gladbach wurde der ehrgeizige Kicker im Herbst zum Kapitän befördert, und auch im Team der Eidgenossen nimmt der 23-Jährige eine zunehmend wichtige Rolle ein. Xhaka, der vor einem Wechsel zum FC Arsenal stehen soll, drängt es von Natur aus ins Rampenlicht. Entsprechend genau wird er beäugt.

Der Schweizer Boulevard ätzte nach den Niederlagen in Irland (0:1) und gegen Bosnien (0:2) Ende März, Xhaka habe es wiederholt nicht geschafft, die Chefrolle auszufüllen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ jedoch sah in ihm gegen die Bosnier einen der wenigen Lichtblicke in Petkovics Team. Und der Nationalcoach selbst betonte: „Granit sucht die Verantwortung. Er kann meine rechte Hand werden.“

Tatkräftige Unterstützung kann der 52-Jährige gut gebrauchen. Denn in der Schweiz sind die Ansprüche gestiegen, seit Hitzfeld die „Nati“ aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und zu den WM-Turnieren in Südafrika und Brasilien geführt hat. Bei der Endrunde 2014 kam es gegen den späteren Finalisten Argentinien zum unglücklichen Aus im Achtelfinale – in Frankreich ist die Runde der besten 16 nun ein Muss.

Allen voran für Petkovic, der in den ersten Partien gegen Albanien und Rumänien einen klaren Plan verfolgt. „Mein Ziel ist es, nach den ersten zwei Gruppenspielen fürs Achtelfinale qualifiziert zu sein“, betont er. „Und ich wünsche mir, dass es dann gegen Frankreich um den Gruppensieg geht.“ Auf die Équipe Tricolore traf die Schweiz schon in der Gruppenphase der WM 2014, bekam beim 2:5 aber mächtig Haue.

Jenes Gefühl, in Duellen mit den großen Fußballnationen doch zu klein zu sein, haben die Erfahrungen von Brasilien bestärkt. Doch gleichzeitig stört Petkovic die tendenziell nörglerische Art, mit der seine Auswahl medial begleitet wird – und fordert mehr Wohlwollen für die Nationalelf. Die Schweiz spiele zu pomadig, ihr fehle ein eigener Stil, halten ihm Kritiker entgegen. Die neue Freiheit, die die Elf laut Petkovic auf dem Platz ausleben sollte, blieb bislang nur ein Versprechen. „Wir wollen in Frankreich Geschichte schreiben. Die Mannschaft hat Potenzial, aber sie muss es auf dem Platz auch zeigen“, beharrt Petkovic.

Als Vorbild dient dem hochgewachsenen, stillen Mann die Schweizer U 17, die bei der WM 2009 in Nigeria mit den späteren Bundesligaspielern Xhaka, Haris Seferovic und Ricardo Rodriguez den Titel holte. Das Trio steht nun auch im erweiterten 28-köpfigen Kader. Insgesamt elf Bundesligaprofis sind dabei, als wichtigste Stützen neben Xhaka gelten der neue Kapitän Stephan Lichtsteiner (32; Juventus Turin), Valon Behrami (31; FC Watford) und der 24-jährige Xherdan Shaqiri (Stoke City).

Routinier Lichtsteiner, der gebürtige Zentralschweizer, hat vor einem Jahr ein brisantes Interview gegeben, in dem er zwar „kein Votum gegen meine Mitspieler mit Migrationshintergrund“ abgeben wollte, zugleich aber betonte: „Mir geht es darum, dass sich das Volk weiterhin mit dem Nationalteam identifizieren kann.“ Das sei, so Lichtsteiner, „ein heikles Thema“. Und damit eines, das die Eidgenossen bei ihrem Bootsausflug auf dem Luganersee mal wieder aufgreifen sollten.

Schweiz Gruppengegner: Albanien, Frankreich, Rumänien
 
Größte Erfolge: WM-Viertelfinale 1934, 1938, 1954 Olympia-Silber 1924
 
Trainer: Vladimir Petković
 
Beste Torschützen: gesamt – Alexander Frei (42) aktuell – Xherdan Shaqiri (17)
 
Meiste Einsätze: gesamt – Heinz Hermann (118) aktuell – Gökhan Inler (89)
 
Gründung des Verbandes: 1895
 
Spitzname: Schweizer Nati / Nati Suisse
 
Amtierender Meister: FC Basel

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