
Er da vorne am Bierstand muss den Kleiderschrank seiner Oma geplündert haben. Er hat eine Fuchsstola um den Hals gelegt, an der vorne noch der Kopf von dem Tier dran ist. So ein Teil hatte Oma Amalia früher auch. Sehr selbstbewusst trägt auch der junge Mann, der gerade vom Zeltplatz kommt, sein rosa Stirnband, auf das er „sexy“ geschrieben hat. Das T-Shirt spannt, die Shorts kneifen, aber mein Gott, wer’s tragen kann.
Das richtige Outfit spielt auf dem Hurricane eine große Rolle. Wir haben früher ein T-Shirt unserer Lieblingsband angezogen, und wenn das Haar die richtige Länge hatte – Minimum Schulter – war man Teil der Gang.
Modetechnisch bin ich in jenen Jahren, es waren die 90er, stecken geblieben. Ich trage ein Nirvana-Shirt, und die Haare habe ich mir seit dem Tag nicht mehr schneiden lassen, an dem feststand, dass ich vom Hurricane berichten würde. Ich nehme für mich, Jahrgang 1971, in Anspruch, in Würde gealtert zu sein.
Dafür zahle ich in Scheeßel allerdings einen Preis: Ich falle nicht auf. Anders als der Typ, der sich offenbar das Tutu und das Paillettenhemd seiner Tochter ausgeliehen hat. Ein anderer beweist, dass man ausrangierte Wischmops auch als Perücke benutzen kann. Und Ganzkörperanzüge gehen offenbar immer.
Mein persönlicher Favorit ist der Kerl im Eintracht-Frankfurt-Trikot, der auf dem Weg zum Bilderbuch-Auftritt ist. Der gute Mann beweist gleich zweierlei: dass er Ahnung vom Fußball hat, und dass er über einen exzellenten Musikgeschmack verfügt.
Meine älteste Tochter hat am Sonntag zu mir gesagt: Papa, für die Haare hinter deinen Ohren müssen wir uns was überlegen, die fangen schon an, sich zu kräuseln. Jetzt, nachdem ich beim Hurricane war, sage ich selbstbewusst: Nee, das passt schon, das können wir so lassen.