Chefvolkswirt von M.M. Warburg & CO blickt auf das Börsenjahr 2019
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"Schlechte Politik schadet Wirtschaft und Börse"

10.01.2019

Carsten Klude ist Chefvolkswirt und Leiter Asset Management der Privatbank.
Carsten Klude ist Chefvolkswirt und Leiter Asset Management der Privatbank.

Nach einem verheißungsvollen Beginn hat sich die konjunkturelle Dynamik im Jahr 2018 nach und nach abgeschwächt. Worauf führen Sie das zurück?

 

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig, wobei die Politik im vergangenen Jahr eine be­sondere Rolle bei der Vernichtung von Aktienvermögen gespielt hat. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China, die vor allem von britischer Seite chaotisch geführten und auf unrealistischen Erwartungen basierenden Brexit-Verhandlungen oder auch der Hara­kiri-Kurs, den Italien in seinem Verhältnis zu den anderen EU-Staaten eingeschlagen hat, sind sowohl den Börsen als auch der Wirtschaft 2018 nicht gut bekommen.

 

Für viele Anleger war 2018 ein enttäuschendes Jahr. Warum haben sich gerade deutsche Aktien so schlecht entwickelt?

 

Vor zwölf Monaten schienen die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Kapitalmarktjahr gegeben zu sein, schließlich stand die Weltwirtschaft Ende 2017 so gut da wie lange nicht mehr. Dennoch: Viele Börsenindizes wiesen 2018 eine prozentual zweistellige negative Wert­entwicklung auf, wobei sich der DAX besonders schlecht entwickelt hat. So verlor die deutsche Wirtschaft 2018 unerwartet deutlich an Fahrt.

 

Wie sehen die wirtschaftlichen Perspektiven für 2019 aus?

 

Für 2019 rechnen wir mit einem Wirtschafts­wachstum in Deutschland von 1,1 Prozent. So wird sich die konjunkturelle Abschwächung in den USA, China und bei den europäischen Nachbarn bremsend auf die Exporte und die Investitionstätigkeit der Unternehmen auswirken. Der Konsum in Deutschland könnte dagegen etwas stärker als im vergangenen Jahr wachsen, wenn sich der derzeitige Rückgang des Ölpreises als nachhal­tig erweist. In diesem Fall wird die Inflationsrate sinken und sich die Kaufkraft erhöhen. Alles in allem spricht viel dafür, dass es sich bei der derzeitigen wirtschaftlichen Abschwächung um eine konjunkturelle Normalisierung handelt und nicht um den Beginn einer Rezession.

 

Das hört sich doch gar nicht so schlecht an. Warum sind die Kurse dennoch so stark gesunken?

 

Anleger sehen dies im Moment anders. Die Ein­schätzung, dass der Konjunkturzyklus mittlerweile so alt sei, dass sich die Ergebnisse der Unternehmen nicht weiter verbessern können, führt dazu, dass selbst positi­ve Unternehmensberichte nicht mehr als solche wahrge­nommen und honoriert werden. Die daraufhin fallenden Aktienkurse werden ihrerseits wieder als Vorbote für das Ende des Aufschwungs interpretiert. Im schlimmsten Fall führt diese negative Rückkoppelung zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

 

Wie sieht aus Ihrer Sicht ein Ausweg aus dieser Ab­wärtsspirale aus?

 

Bessere Konjunkturdaten und eine weniger cha­otische Politik wären mit Sicherheit hilfreich. Unterstüt­zung könnte aber auch von den Notenbanken kommen. So hat die Schwäche der US-amerikanischen Aktien­märkte auch etwas mit der Furcht der Investoren zu tun, dass die Federal Reserve quasi per Autopilotmodus die Zinsen so stark erhöht, dass ein starker Abschwung oder sogar eine Rezession unvermeidbar sind. Doch soweit muss es nicht kommen. Wir fänden es nicht überra­schend, wenn die US-Notenbank weitere Zinsschritte zu­nächst auf Eis legt. Ebenso spannend wird es in der Eu­rozone werden. Ob Mario Draghi und seine Kollegen aus der EZB 2019 tatsächlich die Zinsen erhöhen werden, ist unseres Erachtens mehr als fraglich. Die von vielen erwartete Zinswende könnte von daher ins Wasser fal­len – was für die Aktienmärkte eine gute Nachricht wäre. Nachdem die Konjunktur und die Aktienmärkte 2018 un­erwartet stark unter die Räder gekommen sind, könnten beide 2019 genauso unerwartet wieder Gas geben. Doch dafür muss die Politik mitspielen.

Der moderne Empfangsbereich im alteingesessenen Bremer Bankhaus Carl F. Plump direkt am Marktplatz.
Der moderne Empfangsbereich im alteingesessenen Bremer Bankhaus Carl F. Plump direkt am Marktplatz.

Kontakt:

Carsten Klude

info(at)bankhaus-plump.de

Telefon: 0421-3685-0

www.bankhaus-plump.de


Leserkommentare
Karl-Ferdinand am 18.11.2019 16:46
Naja,die Eisenbahnbrücke hat schon lange ihren Dienst getan und eine Neue fällig.Auch wenn es dauert, machen.
Bremen-Fan am 18.11.2019 16:41
Die sollten auch mächtig gut für Ganz-Bremen arbeiten! Gute Arbeit für Bremen und dann müde im Daimler nach Hause. Ist doch OK. Besser als wartend an ...